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Berlin-Flüge ab Saarbrücken fast 710 Euro

Luftfahrt : Berlin-Flüge werden ab November richtig teuer

Ein Flug in die Hauptstadt und zurück kostet ab 1. November fast 710 Euro. Eine Entscheidung über Air Berlin fällt in der kommenden Woche.

Wer im September und Oktober mit der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin in Hauptstadt abheben will, kann sich noch über günstige Preise freuen. So kostet ein Ticket Mitte Oktober für den Hin- und Rückflug knapp 130 Euro. Zwei Wochen später – im November – sieht die Sache anders aus. Dann schnellt der Flugpreis für Saarbrücken auf stolze 709,93 Euro. Bei anderen Verbindungen ist es ähnlich. Wer dann Karlsruhe/Baden-Baden nach Berlin jetten möchte, kann dies dann für 812,63 Euro tun. Derzeit kostet die gleiche Destination noch knapp 140 Euro.

„Damit existiert de facto eben keine Verbindung mehr nach Berlin“, schrieb uns kürzlich eine Leserin. Denn diese Ticket-Preise könne oder wolle der Normalbürger nicht mehr zahlen. Kenner der Szene weisen außerdem darauf hin, dass ab November nur noch Flüge in der Kategorie „Economy Flex“ verkauft werden. Dort sind Umbuchungen und Stornierungen der Flüge ohne Aufschlag möglich. Das ist bei den anderen Economy-Tarifen (Light und Classic) entweder gar nicht möglich, oder für eine Umbuchung werden 75 Euro fällig. Daher glauben Insider, dass die Tickets dann auf günstigere Tarife umgebucht werden können, wenn die Zukunft von Air Berlin endgültig feststeht.

Diese entscheidet sich in der kommenden Woche. Zum Ende dieser Woche läuft die Bieterfrist aus. Am 21. September tagt der Gläubiger-Ausschuss, der dann über die Zukunft von Air Berlin entscheidet. Die zweitgrößte deutsche Airline verhandelt mit dem Marktführer Lufthansa und weiteren Interessenten über den Verkauf von Unternehmensteilen. Als Interessenten gelten auch Condor, Easyjet und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl.

Auf jeden Fall soll es auch in Zukunft eine Berlin-Verbindung ab Saarbrücken geben. Das versicherte gestern erneut Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke. „Ob es Air Berlin sein wird, steht erst nach der Sitzung des Gläubiger-Ausschusses fest“, sagt er. Allerdings habe die Landesregierung auch für andere Eventualitäten Vorsorge getroffen.

Derzeit läuft der Flugbetrieb bei Air Berlin am Airport in Saarbrücken-Ensheim weitgehend normal. Gestern wurde am Vormittag eine Verspätung registriert. Auch in den vergangenen Wochen sei der Flugverkehr „relativ geordnet abgelaufen“, versichert Flughafen-Sprecher Ludwin Vogel.

Der CDU-Wirtschaftsrat Saar fordert unterdessen, „den vollen Einsatz für die Sicherung der Flugverbindung“. Sie gehöre „zu den fundamentalen Stadtortfaktoren der saarländischen Wirtschaft“, betonte der saarländische Landesvorsitzende Wolfgang Holzhauer. Der Manager- und Unternehmer-Club möchte die Berlin-Verbindung in der Luft noch um eine schnelle Bahnverbindung ergänzen – als Verlängerung der Schienenschnell-Verbindung zwischen Paris und Frankfurt über die Main-Metropole hinaus. Damit könnte die Anbindung an die deutsche Hauptstadt zusätzlich gefestigt werden, sagt Holzhauer.

Inzwischen kursieren Mutmaßungen darüber, warum sich gestern rund 200 der insgesamt 1500 Air-Berlin-Piloten kurzfristig krank gemeldet hatten. Am Montag war bekannt geworden, dass ein Leasinggeber zum 25. September zehn Langstreckenmaschinen zurückverlangt, Air Berlin strich daraufhin die Karibik-Flüge. Jedoch schon zu Anfang des Monats hatten die Berliner zahlreiche Langstreckenflüge aus Berlin und Düsseldorf auf die Streichliste gesetzt.

Gewerkschaftsvertreter äußerten daher einen Verdacht: Der Präsident der Vereinigung Cockpit, Ilja Schulz, sagte der „Rheinischen Post“, es bestehe die Sorge, dass die Langstrecke so unattraktiv gemacht werden solle, dass sie noch vor einer Übernahme eingestampft werden könne. Hintergrund könnte Schulz zufolge sein, dass man die gut bezahlten Langstreckenpiloten dann loswerden wolle. „Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen.“