Beim Verkauf der Neuen Halberg Guss gibt es Hoffnung

Verkaufsverhandlungen laufen weiter : Neue Hoffnung bei Neuer Halberg Guss

Aktuell herrscht Ruhe im Streit um die Traditionsgießerei. Nun scheint doch ein baldiger Verkauf an einen Investor möglich zu sein.

Es ist überraschend still geworden um die Neue Halberg Guss (NHG). Keine Streiks, Proteste, Kundgebungen, Aufrufe, Appelle, Drohungen – aber eben auch nicht die ersehnte Verkündung der Rettung der noch rund 1800 Arbeitsplätze. Obwohl es genau dafür Hoffnungszeichen gibt. Von verschiedenen Seiten ist zu hören, dass ein Verkauf der Gießerei an das Finanzberatungsunternehmen One Square Advisors unmittelbar bevorsteht. Ein Gerücht besagt, dass sich die beiden Seiten inzwischen in den seit Wochen laufenden Gesprächen über den Kaufpreis geeinigt hätten.

„Wir warten auf weißen Rauch“, ließ Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) auf SZ-Anfrage verlauten. Er hatte vor einem Monat öffentlich gemacht, dass sich der in Sanierungen erfahrene Interessent mit Sitz in München bis Ende Oktober mit dem jetzigen, hoch umstrittenen Eigentümer Prevent im Grundsatz über eine Übernahme verständigen könnte. So schnell ging es dann aber nicht. Die Mitarbeiter – nach Unternehmensangaben noch rund 1220 in Saarbrücken und 580 in Leipzig – müssen also weiter bangen. Schließlich steht, wenn der Verkauf scheitert, weiterhin eine Schließung des Werks in Leipzig und ein drastischer Stellenabbau in Saarbrücken im Raum.

Als positives Signal für einen nun doch bevorstehenden Verkauf werten Beobachter, dass wieder normal produziert wird. Alle Kunden, die das Unternehmen noch hat, würden beliefert, heißt es: darunter Deutz, General Motors und auch die Lkw-Marken des Volkswagen-Konzerns MAN und Scania. Die Phase, in der wegen Streitigkeiten der Geschäftsführung mit Lieferanten und Kunden gar nichts oder fast nichts hergestellt wurde, ist offenbar vorbei. Das könnte darauf hindeuten, dass Prevent die Werke in Saarbrücken und Leipzig am Laufen hält – um die Gießerei zu einem guten Preis verkaufen zu können.

Was aber behindert den Abschluss eines Kaufvertrags? Die an den Verhandlungen Beteiligten schweigen dazu. Eine Hürde könnte ein Verfahren sein, das am Landgericht Saarbrücken anhängig ist. Ein weiterer Streitfall in den seit Jahren erbittert geführten Auseinandersetzungen zwischen Prevent und dem Volkswagen-Konzern. VW hatte im Sommer gegen die Neue Halberg Guss geklagt und Ansprüche auf Rückzahlung von knapp 42 Millionen Euro geltend gemacht, wie es auf SZ-Anfrage in einer Stellungnahme des Gerichts heißt. Der Grund dafür: VW sei gezwungen gewesen, zwischen April und Juni „Wucherpreise“ für Gussteile zu zahlen. Die Neue Halberg Guss habe, so der Vorwurf des Wolfsburger Konzerns, Lieferungen gestoppt, um Forderungen durchzusetzen, die „um bis zu 700 Prozent über den bisherigen Preisen und um bis zu 1000 Prozent über den Marktpreisen gelegen hätten“, teilte ein Gerichtssprecher mit. VW erhob nun nicht nur den Anspruch auf diese Millionensumme, sondern wollte über einen sogenannten Arrest den Durchgriff auf das Vermögen der NHG sichern, da zu befürchten sei, dass der Eigentümer Prevent Werte aus der Gießerei abziehe.

Eine Entscheidung ist in der Sache bislang nicht gefallen. Ende Juli erklärten die Konfliktparteien laut Mitteilung des Landgerichts, dass eine gütliche Einigung möglich sei. Das Gericht habe daraufhin die Entscheidung mehrfach vertagt. Zurzeit ist die Frist, bis zu der eine gütliche Einigung möglich ist, auf den 7. Dezember festgelegt. Eine weitere Verlängerung sei aber nicht ausgeschlossen, sagte der Gerichtssprecher. Beobachtern zufolge wäre solch ein Durchgriffsrecht auf das Vermögen tatsächlich ein Hindernis für einen Verkauf. Doch streben beide Seiten offenbar wegen der Verkaufsverhandlungen eine Einigung an. Die Geschäftsführung der Neuen Halberg Guss äußert sich zu dem Fall nicht. Bei Volkswagen heißt es, man befinde sich in konstruktiven Gesprächen.

Die Lieferstopps und die Preiserhöhungen waren Auslöser für den massiven Widerstand der damals noch rund 2200 Mitarbeiter, davon 1500 in Saarbrücken, und der Gewerkschaft IG Metall gegen die Geschäftsführung und den Eigner Prevent, zumal VW bis zum Frühjahr der mit Abstand wichtigste Kunde des Unternehmens war. Die Sorge war, dass Prevent mit seinem aggressiven Geschäftsgebaren die Zukunft der NHG aufs Spiel setzt. Mit einem sechswöchigen Streik reagierte die Belegschaft auf drastische Stellenabbaupläne, forderte in einem Sozialplan eine soziale Abfederung des Kahlschlags und drängte zugleich auf einen Verkauf der Traditionsgießerei. Nur in ihm sehen die Mitarbeiter eine Chance auf Rettung.

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