Bei zehn Millionen ist Schluss

Bei zehn Millionen ist Schluss

Nach massiver Kritik regelt der Volkswagen-Konzern die Gehälter für seine Top-Manager neu und beschließt Obergrenzen.

(dpa) Höchstens zehn Millionen Euro. Das soll der Vorstandschef von Volkswagen künftig pro Jahr verdienen dürfen. Für die allermeisten Arbeitnehmer ist das eine schier unvorstellbare Summe. Für den VW-Boss aber bedeutet das sogar eine potenzielle Gehaltskürzung. VW reagiert mit einer Reform des Vergütungssystems auf massive öffentliche Kritik an hohen Gehältern in Zeiten des Abgas-Skandals.

Die Vergütung der Top-Manager wird künftig begrenzt. Die übrigen Vorstandsmitglieder sollen maximal 5,5 Millionen Euro verdienen. Alle Vorstände haben einer Änderung ihrer Verträge bereits zugestimmt. Der Kern der Reform: Das Fixgehalt wird angehoben. Dafür werden bei der umstrittenen, variablen Vergütung die Ziele verschärft. Denn vor allem die Bonuszahlungen der VW-Manager waren in den "goldenen" VW-Zeiten vor dem Abgasskandal angesichts immer neuer Gewinnrekorde enorm gestiegen. 2011 erhielt der damalige VW-Chef Martin Winterkorn 17,5 Millionen Euro.

Mit solchen Gehältern soll nun Schluss sein. Die Vergütung von VW-Chef Matthias Müller lag im Krisenjahr 2015 denn auch schon deutlich unter der künftigen Zehn-Millionen-Grenze. VW erklärte gestern nach einer Sitzung des Aufsichtsrats: Die künftigen Maximal-Gehälter könnten nur bei einer "herausragenden Unternehmensentwicklung" erreicht werden.

Herausragend ist die Entwicklung wegen des Diesel-Skandals aktuell zwar nicht, doch VW ist schon wieder auf dem aufsteigenden Ast: 2016 lag das Ergebnis nach Steuern bei 5,1 Milliarden Euro, wie VW gestern Abend mitteilte. 2015 hatte VW wegen der immensen Kosten für den Dieselskandal noch 1,6 Milliarden Euro Verlust gemacht.

Mit dem neuen System hätten VW-Top-Manager auch schon in der Vergangenheit deutlich weniger verdient: So wäre das Durchschnittsgehalt des Vorstandschefs in den Jahren 2011 bis 2015 um 40 Prozent auf 8,4 Millionen Euro gesunken, die Gehälter der übrigen Vorstände um 28 Prozent auf im Schnitt 4,3 Millionen.

Verglichen mit dem Gehalt normaler Arbeitnehmer klafft immer noch ein gewaltiger Unterschied. Als Grund heißt es im Konzernumfeld, man müsse international wettbewerbsfähig bleiben im Kampf um die besten Köpfe. Mit den Deckelungen liege VW im Vergleich der Dax-Konzerne unter den vorderen Plätzen, und VW orientiere sich an den Systemen, die im Dax üblich seien.

Die hohen Gehälter bei VW und eine umstrittene Millionenabfindung für Ex-Vorstand Christine Hohmann-Dennhardt hatten die politische Debatte im Bundestagswahljahr über eine Deckelung von Managergehältern wieder befeuert. Viele Bürger hätten kein Verständnis dafür, dass Vorstände mit riesigen Abfindungen in den Ruhestand geschickt werden oder hohe Gehälter kassierten, selbst wenn das eigene Unternehmen in der Krise stecke, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann: "Da läuft etwas aus dem Ruder." Die SPD legte daher einen Vorschlag vor: Firmen sollen die Millionen an ihre Topmanager in geringerem Umfang als Betriebsausgaben steuerlich absetzen können.

Die SPD-geführte niedersächsische Landesregierung sowie der SPD-nahe Betriebsrat waren dem Vernehmen nach auch die Treiber bei der Reform des Vergütungssystems. Denn Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) war zuletzt in seinem Bundesland zunehmend in die Kritik gekommen. Die Reform des Vergütungssystems bei VW können Weil und der Betriebsrat nun als Erfolg verbuchen, hatten sie sich doch in der Vergangenheit schon eine blutige Nase geholt. Im Frühjahr 2016 wollten Land und Betriebsrat die hohen Boni der VW-Vorstände angesichts des Abgas-Skandals am liebsten streichen. Sie konnten sich am Ende im Aufsichtsrat aber nicht gegen die Kapitalseite durchsetzen.