Bei Haus & Grund in Saarbrücken gibt es einen überraschenden Wechsel

Hausbesitzerverband im Saarland : Führungswechsel bei Haus & Grund Saar

Norbert Behle löst Michael Weiskopf überraschend an der Spitze ab. Verband will sein Image aufpolieren.

Für die einen war es eine kleine Palastrevolution, für den anwesenden Präsidenten von Haus & Grund Deutschland, Dr. Kai Warnecke, ein Zeichen von Basisdemokratie: Völlig überraschend hat der Wohnungseigentümerverband Haus & Grund Saarland am Sonntag auf seinem Landesdelegiertentag seinen seit sechs Jahren amtierenden geschäftsführenden Verbandsvorsitzenden Michael Weiskopf nicht mehr wiedergewählt. In einer nach längerer Diskussion um interne Querelen in letzter Minute anberaumten Kampfabstimmung unterlag Weiskopf gegen den Saarbrücker Rechtsanwalt Norbert Behle mit 27 zu 36 Stimmen. Und das, obwohl Weiskopf zuvor in seinem Rechenschaftsbericht einen neuen Rekord von 14 121 Mitgliedern (plus 924 seit Anfang vergangenen Jahres) verkündet und die Botschaft mitgebracht hatte, dass der Zentralverbandstag von Haus & Grund Deutschland 2026 in Saarbrücken stattfinden werde.

Weiskopf war in der Diskussion vorgeworfen worden, einen neuen Ortsverein mit 300 zusätzlichen Mitgliedern unterstützt, einen laufenden Rechtsstreit dazu aber in seinem Rechenschaftsbericht nicht erwähnt zu haben. Ein Saarlouiser Delegierter kritisierte die seiner Ansicht nach zu lasche Kassenprüfung des Verbandes, ein anderer kommentierte die Kampfabstimmungsniederlage von Weiskopf, am Rande mit den Worten: „Das ist so, wenn der König sich ausruht im Sessel.“ Bundeschef Warnecke sagte, er hoffe, dass der neue Landesvorsitzende Behle die entstandenen Spannungen lösen und die Reihen wieder schließen könne. Der 50-jährige Behle, der seit neun Jahren Vize im Verband ist und  von seiner Wahl nach eigenen Aussagen selber überrascht war, sagt, dass sich in der Verbandsarbeit auch künftig nichts Wesentliches ändern werde.

Fachlich ging es beim Haus & Grund-Landesdelegiertentag um den politischen Zündstoff um Enteignung, ein Verbot von Mieterhöhungen und zu wenig bezahlbaren Wohnraum. So kündigte Haus & Grund an, dem schlechten Bild vom angeblich raffgierigen Vermieter künftig entschiedener entgegenzutreten. Dazu wolle der Verband auch Mitglied bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes werden und mit ihr sowie dem Sozialverband VdK die Zusammenarbeit verstärken. Außerdem werde man in der „Arbeitsgruppe bezahlbarer Wohnraum“ gegen Altersarmut weiter aktiv mitwirken, sagte der bisherige Landesvorsitzende Weiskopf. „Haus-&-Grund-Vermieter passen ihre Mieten nur selten – und wenn überhaupt – bei einem Mieterwechsel an“, betonte er. Zu den Bemühungen um mehr bezahlbaren Wohnraum sagte er: „Zu viel Bürokratie, die lange Dauer von Baugenehmigungen, Bauvorschriften und ausgelastete Baufirmen verhindern derzeit schnelle Hilfen.“ Das im Saarland von Minister Klaus Bouillon (CDU) angekündigte 30-Millionen-Euro-Wohnungsbauprogramm „Ein Zuhause für junge Familien“ gegen den Leerstand in Ortskernen wertete Weiskopf als noch nicht ausreichend, da es für die jungen angehenden Hauseigentümer keinen Verzicht auf die Erhebung von Grunderwerbssteuern gebe. Auch die Grundsteuer sei im Saarland noch zu hoch.

Zum neuen zweiter Verbandsvorsitzenden wählten die Landesdeligierten von Haus & Grund Gerold Senz (78) aus Landsweiler-Reden.

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