1. Nachrichten
  2. Wirtschaft

Bayers Mega-Kauf ist perfekt

Bayers Mega-Kauf ist perfekt

Bayer greift sich nun für rund 59 Milliarden Euro den umstrittenen US-Konzern Monsanto. Umweltschützer kritisieren den Deal. Der künftige Agrochemie-Gigant hätte zu viel Marktmacht.

Noch nie zuvor hat ein deutsches Unternehmen eine so große Übernahme gewagt. Bayer katapultiert sich mit dem Kauf des US-Konzerns Monsanto als Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln an die Weltspitze. Die beiden Konzerne unterzeichneten gestern eine Fusionsvereinbarung. Zuvor hatte Bayer sein Angebot noch einmal erhöht. Die Leverkusener bewerten Monsanto nun mit rund 66 Milliarden Dollar (knapp 59 Milliarden Euro ) - vier Milliarden mehr als in der ersten Offerte.

Gegen Hunger in der Welt?

Der Schritt sei von den Führungsgremien beider Konzerne einstimmig beschlossen worden, teilte Bayer mit. Konzernchef Werner Baumann hat damit sein erstes Ziel erreicht. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Mai hatte er die geplante Monsanto-Übernahme bekanntgegeben. "Dieser Schritt wird die Position von Bayer als führendem Life-Science-Unternehmen in der Welt deutlich stärken", sagte Baumann. Vereint könnten Bayer und Monsanto noch mehr dazu beitragen, die stark wachsende Weltbevölkerung auf ökologisch nachhaltige Weise zu ernähren. Monsanto-Chef Hugh Grant ergänzte, dass der Schritt für die Aktionäre des US-Konzerns die "bestmögliche Wertschaffung" bedeute. Der neue Konzern werde ein "Innovationstreiber" sein, der den Landwirten helfe, die "Hürden von morgen zu überwinden". Zusammen erzielen Bayer und Monsanto im Agrargeschäft 23 Milliarden Euro Jahresumsatz..

Der Deal ist jedoch umstritten. Monsanto steht in Europa wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Dem Konzern wird zudem ruppiges Verhalten im Umgang mit seinen Kunden vorgeworfen. Auch vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Umweltverbände und die Grünen äußerten gestern Kritik: "Diesen Deal darf es nicht geben. So entsteht ein übermächtiger Konzern, der den Welthunger nicht bekämpft, sondern verstärkt", kritisierten die Grünen-Politiker Anton Hofreiter und Katharina Dröge. Der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann sprach von einer schlechten Nachricht für nachhaltige Landwirtschaft, Verbraucher und die Umwelt. "Der neue Agrochemie-Gigant häuft eine bislang ungekannte Marktmacht an. Er wird maßgeblich mitbestimmen, welches Saatgut und welche Pestizide auf den Markt kommen."

Bayer-Chef Baumann dagegen betonte die Vorteile der Fusion. Die Agarindustrie stehe angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung und der globalen Erwärmung vor gigantischen Herausforderungen. Durch die Kombination ihrer Fähigkeiten könnten Bayer und Monsanto wegweisende Antworten geben. Der Markt verspricht also langfristig Wachstum. Interessant für Bayer ist der US-Konzern nicht nur wegen seines Know-hows in der Biotechnologie, sondern auch wegen seiner führenden Rolle bei der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft.

Bayer und Monsanto stehen mit ihrer Fusion nicht allein. So hatten zuletzt die US-Behörden die geplante Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta durch das chinesische Staatsunternehmen Chem-China genehmigt - Kostenpunkt: 43 Milliarden Dollar. Am Ende könnten sich nur noch vier Konzerne den rund 85 Milliarden Euro schweren Agrarchemie-Markt teilen.

Meinung:

Das Risiko des schlechten Rufs

Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Der deutsche Chemie-Riese Bayer hat sich Großes vorgenommen. Nicht nur, weil er eine Rekordsumme auf den Tisch legt. Nicht nur, weil die künftige Rolle als Agrochemie-Weltmarktführer im täglichen Geschäft immer wieder erobert werden muss. Die wirkliche Herausforderung ist der miserable Ruf Monsantos. Der Name fällt jedes Mal, wenn über Gentechnik in der Landwirtschaft geschimpft oder vor gesundheitlichen Nebenwirkungen des Pflanzengifts Glyphosat gewarnt wird. Um aus der Schusslinie der Kritiker zu kommen, wird es nicht ausreichen, den Namen Monsanto im Zuge der Fusion verschwinden zu lassen. Bayer muss entweder überzeugend beweisen, dass Agrochemie den Menschen dient, im Kampf gegen Hunger hilft und Natur nicht zerstört. Oder der Name Bayer wird künftig weltweit auf den Plakaten von Demonstranten zu lesen sein.