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Bayer legt im Übernahme-Poker nach

Bayer legt im Übernahme-Poker nach

Die Chemiebranche sortiert sich neu, auch die Deutschen wollen vorn mitspielen. Bayer will den US-Saatgut-Riesen Monsanto übernehmen. Bisher war den Amerikanern das Angebot aus Deutschland zu niedrig, jetzt wird es noch einmal nachgebessert.

Das globale Geschäft rund um Saatgut und Pflanzenschutzmittel steht vor gewaltigen Umwälzungen. Die sich abzeichnende Neuordnung der Branche durch Fusionen und Übernahmen dürfte für eine weitere Konzentration sorgen. Laut Schätzungen wächst die Zahl der Menschen auf der Erde bis zum Jahr 2050 um rund drei auf zehn Milliarden - gleichzeitig schrumpft die bebaubare Fläche. Der Markt verspricht daher trotz der jüngsten Schwächen langfristig Wachstum.

Hier kommt der Bayer-Konzern ins Spiel. Die Leverkusener wollen mit dem Kauf des US-Saatgut-Riesen Monsanto auf einen Schlag zum weltgrößten Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln werden. Für den Kauf will Bayer so viel Geld in die Hand nehmen, wie kein anderes deutsches Unternehmen je zuvor bei einer Fusion zahlte. Jetzt wurde das Angebot für den umstrittenen US-Konzern noch einmal aufgestockt: Statt 125 US-Dollar will Bayer nun 127,50 Dollar pro Aktie zahlen - aber nur "unter der Voraussetzung einer einvernehmlichen Übernahme". Die Gesamtofferte würde sich so von rund 64 auf 64,8 Milliarden Dollar (58 Milliarden Euro) erhöhen.

Monsanto prüfe dies, wie auch Vorschläge anderer Parteien und andere Optionen. Nach der Abfuhr durch Monsanto bei der von Bayer Mitte Juli auf insgresamt rund 64 Milliarden US-Dollar erhöhten Summe bleibt der Mega-Deal weiter in der Schwebe.

Bayer-Chef Werner Baumann hofft jedenfalls auf einen freundlichen Zusammenschluss. Bei diesem sind sich die Manager beider Seiten einig. Sowohl Baumann als auch Monsanto-Chef Hugh Grant hatten die industrielle Logik eines Zusammengehens immer wieder betont und sich grundsätzlich auch immer gesprächsbereit gezeigt. Knackpunkte bleiben der Preis und die genauen Konditionen. Sind sich die Manager einig, fallen auch die Widerstände in der Belegschaft oft geringer aus. Eine freundliche Übernahme ist in der Regel auch etwas billiger als der feindliche Griff nach einem Unternehmen, Kosten einer Abwehrschlacht entfallen.

Bayer könnte ein Nein des Monsanto-Managements mit einer direkten Ansprache der Aktionäre umgehen. Das direkte Gebot soll die Aktionäre dazu bringen, das eigene Management unter Druck zu setzen und die Aktien zu verkaufen. Für diesen Schritt muss das Gebot aber sehr verlockend ausfallen. Für DZ-Bank-Analyst Peter Spengler ist eine feindliche Übernahme die "wahrscheinlichste Option", weil der Bayer-Vorstand nicht das Gesicht verlieren wolle. Die jüngste Aufstockung sei ein letzter Versuch, bevor Baumann den Aufsichtsrat um grünes Licht für den feindlichen Schritt bitte. Für die bisherigen Bayer-Investoren wäre dagegen das Ende der Übernahmepläne aus Sicht von DZ-Bank-Experte Spengler die "beste Option". Denn die angekündigte milliardenschwere Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Rekordzukaufs entfiele. Frei werdende Mittel könnte Bayer etwa in sein Pharmageschäft stecken. Dieses gilt bei manchen Analysten bei jedoch größeren Risiken ohnehin als deutlich lukrativer als das Geschäft um Saatgut , Pflanzenschutzmittel und Unkrautvernichter. Für Baumann wäre der Verzicht aber ein herber Rückschlag: Gleich zu Beginn seiner erst seit Mai laufenden Amtszeit würde sein wichtigstes Projekt scheitern.

Die Branche ist aber in Bewegung. Das chinesische Staatsunternehmen Chem-China will den Schweizer Syngenta-Konzern schlucken. Zudem verhandeln Dow Chemical und Dupont seit Ende 2015 über einen Zusammenschluss.