Bahn verärgert Jobticket-Inhaber

Bahn verärgert Jobticket-Inhaber

Die Bahn verlagert die Abo-Verwaltung der Jobtickets zum Saar-VV. An sich keine große Sache. Doch die Kunden müssen schnell reagieren, sonst laufen sie Gefahr, dass ihr Abo verfällt.

Als Heike Hofer den Brief des Abo-Centers der Bahn in ihrem Briefkasten fand, traute sie ihren Augen nicht. Innerhalb von zwei Wochen solle sie für ihr Jobticket einen neuen Antrag mit Lichtbild an die Bahn zurückschicken. "Ich sitze hier auf gepackten Koffern, weil wir in Urlaub fahren. Und wenn ich zurückkomme, habe ich keine Fahrkarte mehr", sagt sie ärgerlich. "Das kann doch nicht sein."

Tatsächlich hatte Hofer erst wenige Tage zuvor eine Bestätigung der Bahn bekommen, dass ihr Jobticket um ein Jahr verlängert wurde. Entsprechend erstaunt war sie über den neuesten Brief, der bei Nichteinhaltung der Frist mit einer Kündigung des bisherigen Abos drohte. "Sollten wir bis zu dem angegebenen Termin keine Rückmeldung von Ihnen erhalten, wird das Abonnement zum 30. Juni 2016 von uns aus gekündigt", schreibt die Bahn.

"Das ist sehr unglücklich gelaufen", sagt Bahnsprecher Thomas Bischoff. Hintergrund des Briefes ist, dass die Abonnement-Verwaltung der Job-Tickets in Saarbrücken von der Bahn Vertrieb GmbH zum Saar-VV übergeht. Und weil aus Datenschutzgründen die Daten nicht ohne Einwilligung übertragen werden können, müssen die Kunden der Übertragung zustimmen. "Die Briefe hätten schon deutlich früher von der Bahn verschickt werden sollen", sagt Elke Schmidt, Prokuristin der Saarländischen Nahverkehrs-Service GmbH (SNS), die den Saar-VV koordiniert. Dass es jetzt so kurzfristig ist, sei tatsächlich ungünstig. Doch sie entwarnt: Sollte es durch die kurze Frist zu verspäteten Rückmeldungen kommen, werde das Abo nicht automatisch gekündigt. "Wenn uns die Kunden mitteilen, dass sie beispielsweise durch Urlaub erst später reagieren konnten, werden wir das berücksichtigen." Auch sei es möglich, nur der Datenübertragung zuzustimmen und dann das Lichtbild nachzureichen.

Bahn-Sprecher Bischoff betont auch, dass die Kunden selbst bei einer Kündigung nicht automatisch ohne Jobticket dastehen. "Für die Laufzeit der Fahrkarte bleibt das Jobticket gültig", sagt er. Die Kunden bekämen dann für den Restbetrag eine Rechnung.

Ärgerlich ist die Neuorganisation auch für die 16 Mitarbeiter des Abo-Centers der Bahn, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Was mit den Mitarbeitern passiere, könne er konkret nicht sagen, so Bischoff. Aus Kreisen des Abo-Centers heißt es, dass vier das Team bereits verlassen hätten, während die übrigen die Abwicklung bis Ende des Jahres übernehmen müssten. Auch die Verwaltungen des Verkehrsverbunds Region Trier, des Rhein-Nahe-Nahverkersverbunds und des Rhein-Main-Verkehrsverbunds müssten noch ausgelagert werden, hieß es. Dann werde die Stelle geschlossen.

Ralf Damde von der Eisenbahn-Gewerkschaft EVG sieht in der Schließung des Abo-Centers eine erneute Entscheidung gegen den Standort Saarbrücken . "Rest-Aufgaben werden stattdessen nach Stuttgart verlagert", sagt er. "Weil das günstiger ist", fügt er sarkastisch an.

Den Hinweis bekamen wir von Leser-Reporterin Heike Hofer aus Blieskastel. Wenn Sie auch Interessantes zu berichten haben, schicken Sie eine E-Mail an leser-reporter@sol.de.