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Bahn hofft auf den neuen ICE

Bahn hofft auf den neuen ICE

Für die Deutsche Bahn soll die neue, vierte Generation des ICE einen Schub im Fernverkehr bringen. Bis 2030 soll das Angebot um ein Viertel wachsen. Gestern wurde der Zug erstmals auch von innen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit Trommelwirbel, Lichtshow und Konfetti hat die Deutsche Bahn im Berliner Hauptbahnhof die Premiere des neuen ICE gefeiert. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU ) bezeichnete das Modell der vierten Generation bei der Präsentation als "neues Herzstück des Schienenverkehrs". Er sei ein "Flagschiff" für den Konzern, sagte Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube .

Die Erwartungen könnten nicht höher sein. Die vierte Generation des ICE soll alles gut machen, was bei drei Vorgängermodellen schief gelaufen ist. Besonders große Hoffnungen ruhen auf der technisch weiterentwickelten Klimaanlage, die auch bei Temperaturen über 30 Grad nicht den Geist aufgeben soll. Stolz sind sie bei der Deutschen Bahn aber auch auf die Stellplätze für Fahrräder , ein neues Beleuchtungssystem oder den Hublift für Rollstuhlfahrer.

50 Millionen zusätzliche Fahrgäste will der Konzern mit seinem neuen Baby gewinnen, das die alten ICE 1 und ICE 2 sowie einige IC und EC ab Ende kommenden Jahres kontinuierlich ersetzen soll. Bis 2030 soll das Fernverkehrsangebot um 25 Prozent wachsen, das sind über 150 ICE-Fahrten pro Tag und bis zu zwei ICE-Verbindungen pro Stunde mehr. Der ICE 4 soll dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Bestellt sind zunächst 130 Züge bei Generalunternehmer Siemens und seinem Hauptlieferanten Bombardier . Dafür zahlt die Bahn rund 5,3 Milliarden Euro - der größte Auftrag in ihrer Geschichte. Bis Juni 2023 sollen 85 zwölfteilige und 45 siebenteilige Modelle Deutschlands Metropolen verbinden. Zunächst aber steht ein 14-monatiger Probebetrieb an, in dem jedes Detail des Hoffnungsträgers auf Herz und Nieren geprüft werden soll.

Gestern wurde der ICE der Öffentlichkeit im Berliner Hauptbahnhof erstmals von innen präsentiert. Zwölf Wagen, 830 Plätze, ein Viertel davon in der ersten Klasse. Die hohe Zahl an Sitzen ist möglich, weil die Waggons länger sind und weitgehend auf Schränke für Steuersysteme verzichtet wurde. Dabei wird der ICE 4 langsamer sein als sein Vorgänger und je nach Ausführung 230 bis 250 Stundenkilometer schaffen. Der ICE 3 ist auf bis zu 330 Kilometer pro Stunde ausgelegt. Dafür beschleunigt Nummer vier schneller als die anderen Modelle. Die Strecke Hamburg-München wird weiterhin nicht unter sechs Stunden zu schaffen sein.

Wichtiger ist der Bahn eine neue Flexibilität. Durch die Verteilung der Antriebe auf einzelne Wagen - sogenannte Powercars - kann die Länge des Zugs bei Bedarf geändert werden. Defekte Wagen können so schneller ausgetauscht werden.

Bedeutung legt der Konzern auch auf Komfort und Ausstattung des neuen Zugs. "Kunden können das tun, was sie tun würden, wenn sie nicht reisen würden", sagt Verkehrsvorstand Berthold Huber . WLAN soll auch in der zweiten Klasse kostenlos zur Verfügung stehen, aber nur bis zu einer bestimmten Datenmenge, die in einem ausgebuchten Zug auch mal knapp werden kann.

 Auch die Front des ICE hat sich verändert.
Auch die Front des ICE hat sich verändert.

Kritik muss die Bahn aber bereits für die Gestaltung des Endwagens einstecken: Vorgesehen sind acht Stellplätze für Fahrräder , absolutes Novum in einem ICE . Zu wenig, meint der Verkehrsclub VCD.