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Autoregion kritisiert Landesregierung

Autoregion kritisiert Landesregierung

Armin Gehl, Geschäftsführer des Interessenverbandes Autoregion, fordert von der Landesregierung mehr Aktivitäten für die Ansiedlung von Unternehmen aus der Autoindustrie.

Beim Neujahrsempfang des Netzwerks Autoregion übte Geschäftsführer Armin Gehl gestern harte Kritik an der Landesregierung. "Sie schaut nicht über den Tellerrand hinaus", sagte er. "Bei neuen Projekten großer Hersteller wird die Region nicht ausreichend wahrgenommen." Das liege auch daran, dass außerhalb des Landes kein aktives Marketing für Ansiedlungen stattfinde. Er selber habe der saarländischen Landesregierung vor zwei Jahren empfohlen, Kontakt zum neuen Autohersteller Borgward herzustellen. "Die waren damals auf der Suche nach einem Standort", sagte Gehl. "Aber von Seiten des Landes ist nichts passiert. Wir waren nicht mal im Wettbewerb." Nun habe Borgward sich für Bremen entschieden. Es sei zwar schön, Gewerbegebiete zu erschließen, aber die müsse man auch vermarkten. "Auch beim Thema der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technik habe ich bereits versucht, mehrere Politiker zu aktivieren, diese Technik ins Land zu holen. Jetzt gibt es 250 Millionen Forschungsgelder. Aber auch da ist bisher meines Wissens nichts passiert."

Gehl kritisiert aber auch die Bundespolitik, die mit Parolen über den Ausstieg aus der Diesel-Technik oder den konventionellen Antrieben die Verbraucher verunsicherten. "Das hat dann direkte Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten", sagte Gehl. Neukäufe würden zurückgestellt und die Autoindustrie direkt geschädigt. "Die Industrie an den Pranger zu stellen, schadet letztlich der gesamten Volkswirtschaft", sagte Gehl.

Dass die Autoindustrie vor einem Wandel steht, machte wiederum Uwe Gackstatter, Leiter Diesel-System bei Bosch und früherer Werksleiter in Homburg, in seinem Vortrag deutlich. Die Mobilität würde sich massiv ändern - einerseits gebe es bisher keinen Masterplan. Während beispielsweise Japan stark auf Wasserstoff und die Brennstoffzelle setze, sei in China das Elektro-Auto im Fokus. Ganz sicher sei, dass autonome Systeme immer mehr Funktionen im Auto übernehmen werden. "Damit können viele Unfälle vermieden und Menschenleben gerettet werden", sagte er. Für die Industrie heiße das nun, in ganz neuen Geschäftsmodellen zu denken. Seine Botschaft: Alles verändert sich - und nur die Innovativen bleiben dabei.