Autoindustrie in Deutschland diskutiert über die Krise der Branche

Eine gewaltige Aufgabe : Autobauer suchen Wege aus der Krise

Die deutschen Hersteller sehen sich derzeit weltweit mit Problemen konfrontiert. Wie diesen begegnet werden soll, war das Hauptthema auf dem Gipfeltreffen der Branche.

Deutschlands Autobranche zeigt sich angesichts der starken öffentlichen Kritik demonstrativ einsichtig, sieht aber dennoch keinen Grund für große Kurskorrekturen. Das machten Spitzenvertreter der Konzerne am Mittwoch beim „Branchengipfel“ des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in Nürtingen bei Stuttgart sinngemäß deutlich. Und gaben zugleich offen zu: Wie die Zukunft denn nun am Ende genau aussehen wird, wissen wir heute auch noch nicht.

IFA-Chef Stefan Reindl hatte die Frage nach den Zukunftskonzepten der Konzerne in den Mittelpunkt der Tagung mit mehr als 600 Gästen gestellt. Sind Elektroautos, vernetzte Mobilität und autonomes Fahren tatsächlich in der Lage, die Zukunft einer Branche zu sichern, der zudem zunehmend Skepsis entgegenschlägt?

„Die Stimmung ist differenziert“, hielt Daimler-Vorstandschef Ola Källenius entgegen. Die CO2-Debatte hierzulande müsse man beispielsweise sehr ernst nehmen. Dazu will Daimler die Mercedes-Neuwagenflotte bis 2039 CO2-neutral machen, die Werke in Europa sollen das schon 2022 sein. Danach werde der Rest der Welt in Angriff genommen. Die Kosten dafür seien allerdings hoch, und das wiederum sorge für Unsicherheit.

Debatten über mögliche Verbote von Sportgeländewagen (SUVs) oder andere Beschränkungen für große Autos hält Källenius für den falschen Weg. „Einschränkungen, Beschränkungen oder Vorgaben, was der Kunde wünschen sollte, sind nicht richtig“, betonte er. Die große Aufgabe sei, Fahrzeuge in allen Segmenten nachhaltig zu machen, vom Zweisitzer bis zum Sattelzug. In China etwa zeige sich ein anderes Bild als hier. Dort seien siebensitzige SUVs selbst in den Millionenstädten derzeit das beliebteste Fahrzeugformat.

BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer stellte die These auf, dass eine klimaneutrale Wirtschaft künftig die Voraussetzung für ein langfristiges Bestehen jedes Unternehmens sei. Zugleich warnte er aber auch davor, einzelne Aspekte isoliert zu betrachten. Tausende Ingenieure seien bei BMW mit der Entwicklung von Verbrennern und besonders Diesel-Motoren beschäftigt. „Wir können nicht einfach wegwischen, dass wir bei uns viele Mitarbeiter haben, die wahnsinnig viel Angst haben, was mit ihnen persönlich passiert“, sagte er.

Um die enormen Entwicklungskosten für das autonome Fahren nicht allein tragen zu müssen, arbeiten die Konkurrenten Daimler und BMW auf diesem Feld seit einiger Zeit zusammen. Ihre Mobilitätsdienste haben sie schon komplett zusammengelegt. „Auch das ist ein Zeichen der Transformation in der Automobilindustrie“, so Daimler-Chef Ola Källenius.

„Für uns ist das brutal, was da gerade passiert“, sagte BMW-Vorstand Schwarzenbauer. „Es gab immer Gegenwind. Aber es gab immer auch Möglichkeiten des Ausgleichs.“ Im Moment aber sei die Unruhe ein weltweites Phänomen. „Wir dürfen uns nichts vormachen: Die nächsten Jahre werden schwer werden“, sagte auch VW-Markenvertriebsvorstand Jürgen Stackmann.

Dass die Hersteller derzeit ausgesprochen vorsichtig agierten und bisherige Strategien auf den Prüfstand stellten, hält Reindl für die einzig richtige Option. Gleichwohl dürfe man nicht alles schlechtreden. „Wir stehen nicht unmittelbar vor dem Kollaps“, sagte er.

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