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Arbeitsmarktpolitik lohnt sich

 Saar-Arbeitsministerin Anke Rehlinger. Foto: Dietze/dpa
Saar-Arbeitsministerin Anke Rehlinger. Foto: Dietze/dpa FOTO: Dietze/dpa
Saarbrücken. Langzeitarbeitslosen einen Job zu geben ist nicht teurer, als Arbeitslosigkeit zu finanzieren, und wirkt sich positiv auf die öffentlichen Finanzen aus. Das folgert Wirtschaftsministerin Rehlinger aus einer Studie der Saarbrücker Hochschule HTW. Lothar Warscheid

Wer Geld in die Hand nimmt, um Langzeitarbeitslosen wieder eine Beschäftigungsperspektive zu eröffnen, erhält zwei Drittel dieser Mittel in Form von Steuern, Sozialabgaben, Konsumausgaben und eingesparten Sozialleistungen wieder zurück. Diese Rechnung machte gestern Saar-Arbeitsministerin Anke Rehlinger (SPD ) auf. Sie berief sich auf eine Studie, die das Ministerium in Auftrag gegeben hatte und die Rehlinger zusammen mit dem Projektleiter Professor Dieter Filsinger von der Forschungsgruppe Bildung, Evaluation, Soziales (Forbes) an der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) präsentierte. "Für mich ist das ein Beleg dafür, dass öffentlich geförderte Beschäftigung nicht teurer ist, als Arbeitslosigkeit zu finanzieren und dass sie sogar in Form einer ‚Sozialen Rendite‘ noch positive Auswirkungen auf die Kosten der öffentlichen Hand hat", sagte die Ministerin.


Die Forschungsgruppe hatte sich mit rund 1550 Frauen und Männern beschäftigt, denen Arbeitsgelegenheiten (AGH, Ein-Euro-Job) angeboten wurden, in die Gelder aus dem Landesprogramm "Arbeit für das Saarland (A-Saar) flossen. Dieses Programm war 2013 mit einem Gesamtvolumen von 15 Millionen Euro aufgelegt worden. Pro Jahr wurden seitdem drei Millionen Euro ausgegeben, so dass A-Saar Ende 2017 ausläuft, wenn eine neue Landesregierung es nicht verlängert.

Das Ergebnis der Untersuchung im Detail war, dass 52 Prozent ihren Ein-Euro-Job bis zum Ende ausübten, 40 Prozent die Maßnahme zwischenzeitlich abbrachen und acht Prozent in dieser Zeit eine reguläre Arbeit oder einen Ausbildungsplatz fanden.



Von denen, die bis zum Schluss dabeiblieben, waren 56 Prozent danach wieder arbeitslos und 25 Prozent starteten eine neue AGH- oder Qualifizierungsmaßnahme - unter anderem, weil die Arbeitsgelegenheiten nur längstens zwei Jahre von derselben Person ausgeübt werden dürfen. Neun Prozent hatten danach einen Job oder einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. Der Rest ging in Rente, verpflichtete sich bei der Bundeswehr, begann ein Studium oder leistete ein Freiwilliges soziales Jahr ab. Das Aufgabenspektrum war vielseitig. Manche arbeiteten in Sozialkaufhäusern, andere brachten Wanderwege auf Vordermann oder halfen bei Ausgrabungen im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim.

Filsinger und der zuständige Abteilungsleiter im Ministerium, Lothar Gretsch, wiesen darauf hin, dass es sich "überwiegend um sehr arbeitsmarktferne Personen" handelte, die teilweise schon mehrere Jahre keine reguläre Beschäftigung mehr gehabt hätten. Nicht berücksichtigt sei zudem, dass sich die Lebensperspektive dieser Menschen aufhelle und sie dadurch seltener krank würden. Außerdem würden sie keine nutzlosen Tätigkeiten verrichten, sondern Werte schaffen. Diese positiven Effekte sollen im zweiten Teil der Studie näher untersucht werden.

Meinung:

Der Zeitpunkt ist günstig

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Die gestern vorgelegte Studie zeigt einmal mehr, dass es kein rausgeworfenes Geld ist, wenn Langzeitarbeitslose gefördert statt geparkt werden. Man sollte sich zwar keine Wunder versprechen, wenn Menschen, die lange Jahre in einer sozialen Tristesse leben, wieder an einen strukturierten Tagesablauf herangeführt werden. Doch es scheint der Mühe wert zu sein. Außerdem ist der Zeitpunkt günstig. Die Kassen der Arbeitsagenturen sind ordentlich gefüllt, und diejenigen, die es vielleicht wieder bis zum regulären Arbeitsmarkt schaffen, haben gute Perspektiven. Das Schicksal der Langzeitarbeitslosen darf niemandem egal sein.