Arbeitskammer Saarland Altersarmut

Bericht an die Landesregierung : Arbeitskammer warnt vor Altersarmut

Im diesjährigen Bericht an die Landesregierung wird ein deutliches Umsteuern in der Rentenpolitik gefordert.

Die Altersarmut nimmt im Saarland in den kommenden Jahren dramatische Züge an. Zu dieser Einschätzung kommt die Arbeitskammer (AK) des Saarlandes in ihren diesjährigen Bericht an die Landesregierung, der gestern Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) übergeben wurde. „Rund 39 Prozent der Beschäftigten im Saarland gehen davon aus, dass die gesetzliche Rente aus ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr zum Leben reichen wird“, heißt es in dem AK-Bericht.  Nur 21 Prozent seien davon überzeugt, von der späteren Rente gut leben zu können.

Außerdem bezweifeln 40 Prozent der Beschäftigten, dass sie wegen der gestiegenen Arbeitsverdichtung ihren Beruf bis zum Erreichen des Rentenalters ausüben können. Ein Grund sei der sehr hohe Anteil der Nachtschichten. So müssten der AK zufolge 16 Prozent der Arbeitnehmer im Saarland nachts arbeiten. Bundesweit seien dies nur acht Prozent. Zudem würde sich mehr als die Hälfte der saarländischen Beschäftigten „in der Arbeit gehetzt und unter Zeitdruck gesetzt fühlen“. Bei 28 Prozent der Arbeitnehmer würden zudem die Pausen wegfallen. Darüber hinaus „leisten 90 Prozent der saarländischen Beschäftigten Überstunden (Bund 87 Prozent)“, schreibt die Kammer.

Schon heute sind nach AK-Angaben rund 20 Prozent aller Rentner von Armut gefährdet. Vor zehn Jahren waren das erst 11,8 Prozent. Armutsgefährdet bedeutet, dass diese Menschen weniger als 60 Prozent an Geld zur Verfügung haben als derjenige, der statistisch über ein mittleres Einkommen verfügt. Die Armutsgefährdungsschwelle lag  2015 bei 942 Euro für einen Einpersonenhaushalt. Allerdings beantragen nur 3,75 Prozent aller Rentner Leistungen aus der Grundsicherung, was Hartz­­ IV entspricht. Die Kammer erklärt  diese Differenz damit, „dass sehr viele ältere bedürftige Menschen auf Grundsicherungsleistungen verzichten“. Sie würden sich schämen oder hätten Angst, dass sich die Sozialämter das Geld bei Verwandten wiederholen. Die Grundsicherung liegt bei weniger als 800 Euro pro Monat.

Die Arbeitskammer betont in ihrem Bericht, dass die Altersarmut in erster Linie wegen der sinkenden Rentenansprüche zunehmen wird. Diese Entwicklung müsse gestoppt werden. Sie fordert unter anderem, dass die Ansprüche aus der kapitalgedeckten Riester-Rente in die gesetzliche Rente integriert werden. Außerdem müssten versicherungsfremde Leistungen wie zum Beispiel die Mütterrente aus Steuermitteln finanziert werden.

Ein Nachteil für die künftigen Rentner sei zudem, dass die Arbeitnehmer im Saarland nach wie vor weniger verdienen als ihre Kollegen in den alten Bundesländern. Diese Differenz liege bei rund 7,3 Prozent. Im produzierenden Gewerbe und und bei den wirtschaftsnahen Dienstleistungen — wie zum Beispiel bei Ingenieurbüros — betrage dieser Unterschied sogar zehn Prozent. Außerdem sei die so genannte prekäre Beschäftigung im Saarland weit verbreitet. So würden knapp 20 Prozent aller Arbeitnehmer nur einen Niedriglohn von weniger als zehn Euro pro Stunde erhalten. In Westdeutschland liege diese Quote bei 18,8 Prozent. 15,6 Prozent der Saarländer seien ausschließlich geringfügig beschäftigt (Westdeutschland 14,9 Prozent) und 25,7 Prozent hätten einen befristeten Arbeitsvertrag (Westdeutschland 24,2 Prozent). Auch die Anzahl der Leiharbeiter sei im Saarland mit rund drei Prozent höher als in den westlichen Bundesländern (2,7 Prozent). „Auf konjunturelle Schwankungen wurde im Saarland in den vergangenen Jahren ausschließlich mit Leiharbeit reagiert“, kritisierte gestern der AK-Vorstandsvorsitzende Hans Peter Kurtz.

Auch die konjunkturelle Entwicklung im Saarland sei nicht berauschend. 2016 habe die Saar-Wirtschaft ein Nullwachstum verbucht, wohingegen in Deutschland ein Plus von 1,9 Prozent erzielt worden sei. Für dieses Jahr erwartet die Kammer ein Plus von einem Prozent, während im Bund ein Zuwachs von 1,4 Prozent prognostiziert würde.

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