Arbeitskammer fordert mehr Personal im Arbeitsschutz

Wenige Kontrolleure : Kammer fordert mehr Personal im Arbeitsschutz

Arbeitskammer-Chef Jörg Caspar beklagt die zu geringe Zahl an Kontrollen und Beratungen.

Die Arbeitskammer (AK) und die Gewerkschaft IG Metall fordern einen besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten im Saarland. Anlässe dafür sind die heutige Arbeitsschutzkonferenz in Saarbrücken sowie der 20. Jahrestag des Netzwerks „Gesundes Arbeiten-unser Ziel“, ein Projekt der IG Metall Geschäftsstellen und der Arbeitskammer. Die Arbeitsschutzbestimmungen in den saarländischen Unternehmen würden nur mangelhaft kontrolliert und die Betriebe über das Thema Arbeitsschutz zu wenig beraten, kritisiert Jörg Caspar, erster Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen und Vorstandsvorsitzender der Arbeitskammer.

Zuständig dafür ist das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) als nachgeordnete Behörde des Ministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz. Dort seien derzeit nur noch 18 Personen mit Arbeitsschutzaufgaben betraut, teilte die Kammer mit. In den 90er Jahren seien es noch rund 50 gewesen, sagt Werner Müller, der in der Arbeitskammer als Abteilungsleiter unter anderem für das Thema Arbeitsschutz zuständig ist.

Caspar fordert, die Zahl der behördlichen Arbeitsschützer deutlich zu erhöhen und am Bedarf auszurichten. Die Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der EU böten hierzu eine gute Orientierung. Sie sähen für je 10 000 Beschäftigte eine Aufsichtsperson vor. Das wären bei rund 486 000 Beschäftigten im Saarland mindestens 48 Stellen. Das liefe auf eine Verdreifachung hinaus. „Nur wo sich verlässliche betriebliche Präventionsstrukturen langfristig etablieren, herrscht Rechtssicherheit“, sagt Caspar. „Missständen müssen auch Sanktionen folgen, sonst macht das ganze Eintreten für Arbeits- und Gesundheitsschutz keinen Sinn.“

Noch schärfer formuliert dies Mark Baumeister, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Saarland. „Die gewollte Schwächung der Gewerbeaufsicht im Saarland ist ein Skandal und muss ein Ende haben.

Caspar plädiert für mehr Engagement bei Arbeits- und Gesundheitsschutz, weil der Krankenstand im Saarland laut Krankenkasse AOK mit sechs Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnittswert von 5,3 Prozent liege. Häufige Diagnosen sind psychische Erkrankungen. Bundesweit fallen dadurch laut Arbeitskammer 250 Arbeitstage je 100 Versicherten aus, im Saarland sind es 319. Durch Probleme beim Bewegungsapparat laufen nach den Zahlen der Krankenkasse DAK Gesundheit je 100 Versicherte bundesweit 327 Arbeitstage auf. Im Saarland sind es demnach 30 Tage mehr. Auch bei der Frühverrentung liege das Saarland aufgrund der hohen Belastungen im Arbeitsleben über dem Bundesdurchschnitt. Die Folgekosten für Unternehmen seien immens, so Caspar. Insofern sei es auch im Interesse der Betriebe, mehr für den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu tun, sagt Müller. Ihm ist es besonders wichtig, dass mehr Personal für die Beratung der Unternehmen zur Verfügung steht.

Neben der personellen Stärkung der Aufsicht und der Beratung halten Kammer und IG Metall die Wiederbesetzung des Lehrstuhls für Arbeitsmedizin am Uniklinikum Homburg für dringend geboten. Der ist seit Jahren verwaist. Wer sich in Arbeitsmedizin aus- oder weiterbilden lassen wolle, müsse derzeit nach Mainz fahren. In der Arbeitsmedizin fehle daher im Saarland der Nachwuchs, so die Arbeitskammer.