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Aral stoppt Erdgas-Verkauf

Aral stoppt Erdgas-Verkauf

Bei Volkswagen läuft bereits eine Rückrufaktion von Erdgasautos. Nun ist ein VW-Fahrer durch eine Explosion an einer Erdgas-Zapfsäule von Aral schwer verletzt worden.

Die Tankstellenkette Aral hat nach einem Unfall mit einem VW-Erdgasauto vorsorglich einen Verkaufsstopp von Erdgas empfohlen. "Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an der Klärung der genauen Sachlage, um den Verkauf von Erdgas in Abstimmung mit dem jeweiligen Gasversorger zeitnah wieder zu ermöglichen", sagte ein Aral-Sprecher. Deutschlandweit unterhält der Konzern 190 Aral-Stationen mit Erdgaszapfsäulen. Im Saarland gibt es nach Auskunft der Energieberatungsgesellschaft Arge Solar 16 Erdgas-Tankstellen. Der zur britischen BP gehörende deutsche Tankstellenkonzern Aral bietet Erdgas demnach in Blieskastel, St. Ingbert, Saarlouis und Völklingen an.

Der Aral-Sprecher begründete den Verkaufsstopp mit einer Explosion an einer Erdgas-Zapfsäule an einer Aral-Tankstelle in Niedersachsen. Dort war vergangenen Freitag der Gastank in einem VW Touran geborsten. Der Autofahrer war nach Polizeiangaben schwer verletzt in eine Klinik gebracht worden. Weil die Ursache der Explosion noch nicht klar sei, habe der Konzern den Tankstellenunternehmern vorsorglich empfohlen, den Erdgasverkauf bis auf Weiteres einzustellen, sagte der Aral-Sprecher.

Die Erdgas-Säulen an den Aral-Tankstellen gehören üblicherweise einem Erdgasversorger. Tankstellen mit einem Besitzer und Aral-Logo kümmern sich demnach selbst um den Kraftstoff - daher gibt es die "Empfehlung" der Zentrale. Insgesamt gebe es bundesweit rund 100 000 Erdgas-Fahrer und 900 Tankstellen mit Erdgas-Zapfsäulen.

Bei VW läuft derzeit eine Rückrufaktion von Erdgasfahrzeugen. Dabei geht es um den vorsorglichen Tausch von Gasflaschen. Ende August hatte VW mitgeteilt, die Rückrufe auszuweiten. Betroffen sind insgesamt mehr als 35 000 Fahrzeuge der Modelle Caddy, Passat und Touran der Modell-Jahrgänge 2006 bis 2010. Nach VW-Angaben könnte bei einigen Fahrzeugen die Außenhaut bei Beschädigungen nicht mehr den nötigen Korrosionsschutz bieten. Sinke durch Rost die Wandstärke der Gasflaschen, könne dies zum Bersten eines Gastanks führen. Bis zur Umrüstung sollten betroffene Modelle nur im Benzinbetrieb genutzt werden. Die Besitzer würden direkt von VW kontaktiert, teilte der Konzern mit.

Meinung:

Ein weiterer Schlag für VW

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Als ob der Abgas-Skandal und der Millionen-Rückruf von Diesel-Fahrzeugen nicht schon ausreichen würde. Jetzt fliegt VW auch noch ein explodierendes Gas-Auto um die Ohren. Der Image-Schaden könnte größer kaum sein. Zwar hat das Unternehmen bereits eine Rückrufaktion gestartet, doch sind diese üblicherweise ja vorsorglich, also bevor Schlimmeres passiert. Der Verkaufsstopp bei Aral ist bitter für all die Autofahrer, die angesichts der hohen Sprit- und niedrigen Gas-Preise auf Gas-Autos ungestiegen sind. Schon jetzt ist das Tankstellen-Netz dünn, an denen Gas angeboten wird. Nun müssen die Besitzer noch größere Umwege fahren.