737-Max-Abstürze verhageln Boeing das Quartalsergebnis

Schlechte Quartalszahlen : 737-Max-Abstürze belasten Boeing

Die Krise mit der Baureihe 737 Max macht dem Flugzeugbauer zu schaffen. Jetzt zeigt sich das Ausmaß des Dramas auch in der Bilanz.

Der US-Luftfahrtriese Boeing muss nach den Flugzeugabstürzen zweier Jets der Baureihe 737 Max in Indonesien und Äthiopien nicht nur um seinen Ruf kämpfen, auch in der Bilanz machen sich die Probleme mit den Unglücksfliegern bereits stark bemerkbar.

Boeings Gewinn brach im Auftaktquartal im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) ein. Der Konzern bezifferte die Kosten durch die 737-Max-Krise für das abgelaufene Quartal auf über eine Milliarde Dollar. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 22,9 Milliarden Dollar.

Auf die wichtigste Frage der Anleger allerdings, wie hoch die Rechnung für das 737-Max-Debakel insgesamt ausfallen wird, bleibt Boeing-Chef Dennis Muilenburg die Anwort schuldig. Weil die Folgen der Krise des meistverkauften Flugzeugtyps noch nicht absehbar seien, machte Boeing keine Angaben zur künftigen finanziellen Belastung. Die bisherigen Jahresziele wurden jedoch schon gestrichen.

Nach den Unglücken in Indonesien und Äthiopien, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren, wurden weltweit Startverbote für Boeings absatzstärkste Baureihe 737 Max erlassen. Die Flugzeuge können deshalb derzeit nicht ausgeliefert werden, die Produktion der Flieger wurde deutlich gedrosselt. Wegen der noch nicht abschließend geklärten Unfallursachen und Probleme mit einer Steuerungssoftware ist unklar, ob und wann die 737-Max-Maschinen wieder in die Luft gelassen werden.

Für Boeings Geschäft ist die 737-Max-Baureihe von enormer Bedeutung. Laut Analysten der Berenberg Bank steuerte die Serie bisher knapp ein Drittel zum Umsatz und einen Großteil des Gewinns bei. Boeing hat zuletzt keine neuen Aufträge für die Maschinen erhalten, sitzt aber nach wie vor auf Tausenden Bestellungen – bislang halten sich die Airlines mit Stornierungen zurück. Das ist aber weniger ein Vertrauensbeweis als dem Markt an kleineren Passagierflugzeuge geschuldet. Der bietet außer dem Konkurrenzmodell A320neo von Airbus – das auf Jahre ausgebucht ist – kaum Alternativen.

Doch die 737 Max ist längst nicht mehr die einzige Baustelle: Am Sonntag hatte die „New York Times“ über angebliche Mängel bei der Produktion des Langstreckenjets 787 „Dreamliner“ berichtet. Demnach hat der Konzern in den vergangenen zehn Jahren wiederholt Hinweise auf Sicherheitsrisiken erhalten, diese jedoch teilweise ignoriert. Die Zeitung beruft sich auf interne E-Mails, Dokumente des Unternehmens und Unterlagen von Behörden sowie Interviews mit mehr als einem Dutzend Mitarbeitern. Konkret geht es demnach um Sicherheitsbedenken bei der „Dreamliner“-Herstellung in South Carolina.

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