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15 Jahre Google Maps: Das Saarland und die Welt in jeder Tasche

15 Jahre Google Maps : Das Saarland und die Welt in jeder Tasche

Vor 15 Jahren startete der Online-Kartendienst Google Maps, der inwischen allgegenwärtig ist. Doch immer mehr Kamera- und Satelliten-Aufnahmen sind für den Datenschutz nicht unproblematisch.

Der Flug über das Saarland dauert nur Sekunden – und bietet auch einen Blick in die Vergangenheit: Die Baustelle am Saarbrücker Ludwigspark ist weit weniger fortgeschritten als in der Realität. Von den neuen Tribünen ist fast gar nichts zu sehen. Weiter geht es nach Nordosten zum Autobahndreieck Friedrichsthal. Miniatur-Autos verharren beim Einfädeln auf die A 8. Ein kurzer Schwenk nach Westen zur Festung, die im Herzen von Saarlouis deutlich zu erkennen ist. Daneben die grünen Blätter der Bäume auf der Vauban-Insel. Und schließlich weiter nordöstlich der Bostalsee. An der Anlegestelle am Seehafen liegen zahlreiche Boote. Das ganze Saarland kann bei Google Maps in der Satelliten-Ansicht aus der Vogelperspektive bewundert werden – mehr noch: große Teile der ganzen Welt.

Als der Kartendienst vor 15 Jahren online ging, wusste noch niemand, wie mächtig und allgegenwärtig er einmal werden sollte. Erst als zwei Jahre später das iPhone den Beginn der Smartphone-Ära einläutete, wurde das Potenzial digitaler Karten offensichtlich. Heute stecken Smartphones und damit fast immer auch Google Maps in quasi jeder Hosentasche: Mit der GPS-Positionsermittlung kann man sich kaum noch verirren. Staus werden in Echtzeit angezeigt. Satellitenfotos und Aufnahmen aus den Kameras der Street-View-Autos zeigen die Umgebung, so dass der Dienst inzwischen auch als riesiger Reiseführer dient.

Die Strecken, die Google für seine Maps abfotografiert hat, entsprechen rund 400 Umrundungen der Erde. Insgesamt bilden die Bilder etwa 16 Millionen Kilometer Wegstrecke ab. Für den Konzern hat sich der Aufwand gelohnt: Mit den am 8. Februar 2005 gestarteten Google Maps wurde die reale Welt mit dem digitalen Abbild verknüpft. So entstand ein gigantisches Branchenbuch, das durch einen steten Strom von Ortungsdaten die Werbeplattform von Google anreichert – und bei etlichen Datenschützern große Bedenken hervorruft. Inzwischen sind Einträge in Google Maps hart umkämpft, denn zusammen mit den Online-Bewertungen können sie einen Kundenstrom ins Geschäft, Hotel oder Restaurant lenken – aber bei schlechter Benotung auch potenzielle Klienten abschrecken.

Digitale Karten gab es schon vor 2005 – und es waren drei Zukäufe, mit denen sich Google die nötigen Bausteine für den Start des Projektes besorgte. Der heutige Internet-Investor Chris Sacca, der damals bei Google arbeitete, erinnerte sich später, wie Mitgründer Sergey Brin 2003 ein Meeting von Führungskräften zu einem ganz anderen Thema entgleisen ließ, weil er den Satellitenbilder-Dienst der Firma Keyhole auf seinem Laptop herumzeigte. Statt zuzuhören, wollten alle sehen, wie man auf ihre Häuser aus dem All zoomen kann. Keyhole war spezialisiert darauf, verschiedene Satellitenbilder nahtlos zusammenzufügen und verkaufte den Dienst an Unternehmen. Google übernahm die Firma schließlich.

Beim Unternehmen Where2 Technologies hatten die Brüder Lars und Jens Rasmussen die Idee, für Routenanweisungen Karten auf dem Computerbildschirm nachzubilden – und bei Bedarf nötige Informationen aus dem Web nachzuladen. Und das Start-up Zipdash besorgte sich Verkehrsdaten, um voraussichtliche Ankunftszeiten und Verzögerungen auf der Strecke anzuzeigen. Alles bekannte Funktionen heutiger Karten – bei Google wurden sie in einem Dienst zusammengebracht.

Später ging Google dazu über, auch eigene Kartendaten mit Kamerafahrzeugen zu sammeln. Da­raus ging auch der Dienst Street View mit Fotos von Straßenzügen hervor. In den Industrienationen biss Google bei Street View nur in Deutschland auf Granit: Datenschützer erzwangen 2010, dass betroffene Bürger, Firmen und Organisationen die Straßenaufnahmen ihrer Häuser vorab verpixeln lassen konnten – ein großer Aufwand für Google. Das führt bis heute dazu, dass die meisten Straßenzüge in Deutschland nicht mit brauchbaren aktuellen Fotos in Google Maps zu sehen sind. Überhaupt stellte das Unternehmen nur Straßenaufnahmen aus 20 deutschen Großstädten ein – Saarbrücken ist bis heute nicht dabei. Für das Saarland gibt es derzeit nur Straßenansichten, die von Nutzern hochgeladen wurden. Zwar fahren seit August 2017 wieder Kamerafahrzeuge von Google durch Deutschland. Die Aufnahmen werden aber nicht veröffentlicht, sondern dienen nur der Aktualisierung von Stadt- und Straßenplänen.

Doch die saarländische Datenschutzbeauftragte Monika Grethel hält es für gut möglich, dass sich Street View bald auch in Deutschland weiter ausbreiten könnte. Der Grund ist die europäische Datenschutzgrundverordnung. Darauf beruft sich Google derzeit und will die Praxis aus anderen Ländern auch für Deutschland übernehmen: Demnach würde das Unternehmen Widersprüche erst nach Veröffentlichung entgegennehmen müssen. Grethel hält es für wahrscheinlich, dass eine europäische Lösung genau das vorsehen könnte – damit würden die strengeren deutschen Regeln mit der Möglichkeit, vorab eine Vepixelung von Häusern zu erwirken, aufgeweicht.

Bedenklich sei die Veröffentlichung von Bildern immer dann, „sobald sie personenbeziehbar sind“, sagt Grethel. Das gelte nicht nur für Street-View-Aufnahmen, sondern auch für sehr detaillierte Satelliten-Aufnahmen, die Rückschlüsse auf das Leben Einzelner erlauben – indem sie zum Beispiel Personen im Garten zeigen. Beschweren kann man sich darüber unter anderem auch bei der Saar-Datenschutzbeauftragten, die das Anliegen aber weiterleitet. Denn für Google zuständig ist in Deutschland der Datenschutz-Beauftragte in Hamburg.

Die Aufnahme zeigt den neugestalteten Ravelin V, einen Teil der ehemaligen Festung in Saarlouis, direkt an der Alten Saar gelegen. Bei Google Maps sind die Satelliten-Bilder entsprechend beschriftet. Foto: Google Maps
Ein Blick von oben auf das Ufer des Bostalsees: Zahlreiche Boote liegen an der Anlegestelle am Seehafen. Bei den Bildern auf Google Maps sind durchaus viele Details zu erkennen. Foto: Google Maps

Zum Marktführer Google Maps gibt es inzwischen auch Alternativen: Apple startete bereits 2012 einen eigenen Kartendienst und will in den kommenden Jahren Milliarden investieren. Zudem stellt sich insbesondere in Deutschland eine Heerschar von Freiwilligen der Vormachtstellung von Google entgegen. Ähnlich wie beim Lexikon Wikipedia vermessen rund eine Millionen Freiwillige „Mapper“ in der OpenStreetMap (OSM) die Landschaft.