Saar-Automobilhandelstag sucht nach neuen Absatzwegen für die Zukunft.

Saar-Autohandel unter Druck : Verunsicherung im Saar-Autohandel

Der klassische Autohandel steht unter Druck. Über Gründe dafür wurde am Dienstag auf dem Autohandelstag in Saarbrücken gesprochen.

Dem Autohandel ergeht es nicht anders als der Auto- und Zulieferindustrie. Verunsicherung prägt die Stimmung. „Angespannte Erwartungshaltung“ nennt dies Niklas Burmester am Rande des Automobilhandelstags am Dienstag in Saarbrücken. Es sei unklar, wie sich die Kunden angesichts der politischen Debatte um alternative Antriebe und Ausbau dafür nötiger Infrastruktur verhalten. Jedoch – „eigentlich könnte das Saarland führend sein, was batterieelektrische Fahrzeuge angeht“, sagt Burmester. Die Region habe die größte Eigenheimdichte. Viele Saarländer könnten daher zu Hause die Auto-Akkus aufladen. Auch gebe es viele große Industriebetriebe, die Ladepunkte auf den Mitarbeiter-Parkplätzen zur Verfügung stellen könnten. Bis jetzt tut sich da aber noch nicht viel. Im vergangenen Jahr sind nach Zahlen des Verbands im Saarland gerade mal 240 reine Elektroautos an den Mann oder die Frau gebracht worden. Burmester glaubt zwar, dass sich das ändern wird, sobald die Modellpalette breiter wird. Doch vermutet er zunächst eine verstärkte Nachfrage nach Hybrid-Autos. „Das ist die Zwischenstufe zur Elektrifizierung.“

Mit dem Wandel bei den Antrieben kann nach Ansicht des Verbandsgeschäftsführers der Handel umgehen. Er komme ja auch heute schon mit einer großen Vielfalt der Modelle zurecht. Schwieriger werde es mit den Auswirkungen der Digitalisierung: wenn beispielsweise die Kunden zunehmend bereit sein sollten, Autos auch online zu kaufen. Ein Trend, den Professor Stefan Reindl bereits festgestellt hat. 53 Prozent der Kunden seien inzwischen bereit, online einen Neuwagen zu kaufen. 2015 seien es erst 25 Prozent gewesen, sagt der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft auf dem Automobilhandelstag.

Niklas Burmester, Geschäftsführer des Saarländischen Kraftfahrzeug-Verbands. Foto: Meyer zu Tittingdorf/SZ/Meyer zu Tittingdorf

Der Autoverkauf droht demnach also zunehmend am klassischen Handel vorbei zu gehen. Dieser Trend äußert sich laut Reindl darin, dass sich verschiedene Unternehmen in die Beziehung zum Kunden hineinschieben: zum einen der Autohersteller direkt, daneben aber diverse, teils branchenfremde Online-Plattformen. Nicht zuletzt deshalb rechnet der Wissenschaftler der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen (Baden-Württemberg) damit, dass die Zahl der selbstständigen Autohändler weiter abnimmt. Reindl plädiert wegen zunehmender Online-Verkäufe für ein neues Vergütungssystem durch die Autobauer. Eine Vergütung solle es nicht nur für den Abschluss eines Kaufvertrags geben, sondern auch für Informationsgespräche mit Kunden, für Probefahrten, für die Übergabe des Neuwagens und für die Präsentation von Autos überhaupt. Manches Mal werde es künftig auch gar nicht mehr um den Kauf von Autos gehen, sondern nur noch von Mobilitätsdienstleistungen. Auch diese Entwicklung werde eine große Herausforderung für die Autohäuser.