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Diese Fakten sollten Sie kennen!
Wie hoch ist das Bildungsniveau von Jugendlichen in Deutschland?

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Saarbrücken. Eine aktuelle Bildungsstudie kam zum Ergebnis, dass 41 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland Abitur machen. Die Wissenschaftler stellten allerdings fest, dass Kinder aus weniger privilegierten Familien im Vergleich mit ihren Mitschülern aus bessergestellten Elternhäusern weniger häufiger einen guten Schulabschluss erreichen. Dem Nationalen Bildungsbericht des Bundesbildungsministeriums war zu entnehmen, dass der allgemeine Bildungsstand der Bevölkerung zwischen den Jahren 2004 bis 2014 deutlich gestiegen ist. Allerdings bestehen weiterhin große Bildungsunterschiede zwischen Kindern aus bildungsnahen und bildungsfernen Herkunftsfamilien.

Erfolg durch anhaltende Bildungsexpansion


Von den Maßnahmen des Bildungsministeriums profitierten zwar auch leistungsschwache Schüler, die Programme wurden jedoch hauptsächlich von leistungsstarken Kindern und Jugendlichen wahrgenommen. Namhafte Bildungsforscher fordern von der Bundesregierung ein Bildungssystem, das unabhängig von sozialer Ungleichheit allen Schülern zugutekommt. Wissenschaftler berichteten über die anhaltende Bildungsexpansion in Deutschland, bei der bedingt durch strukturelle Schwächen des Bildungssystems soziale Disparitäten keinesfalls ausgeglichen werden. Demnach ist es für Schüler aus weniger privilegierten Haushalten immer noch schwer, einen qualifizierten Schulabschluss zu erreichen, während die Chancen auf eine adäquate Berufsausbildung oder ein Studium für Kinder aus bessergestellten Familien erheblich größer sind. Die Investitionen der Regierung in Bildungsprojekte machten sich dennoch bezahlt. Der Anteil der Abiturienten konnte seit dem Jahr 2006 von 30 auf 41 Prozent gesteigert werden. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Schüler, die einen mittleren Schulabschluss schafften, von 46 auf 56 Prozent, während der Hauptschulabschluss zunehmend an Attraktivität verlor. Inzwischen besucht nur rund ein Fünftel aller Schüler eine Hauptschule. Ohne Schulabschluss beenden nur knapp sechs Prozent der Schüler ihre schulische Bildung. Ein ähnlicher Trend wird auch bei ausländischen Schülern beobachtet.

Frühkindliche Bildung für späteren Berufserfolg entscheidend

Auf höheren Schulen sind Migrantenkinder dennoch unterrepräsentiert, hingegen beträgt der Anteil ausländischer Kinder an Hauptschulen bis zu 40 Prozent. Für das schlechtere Abschneiden bei Schulabschlüssen ist Fachleuten zufolge hauptsächlich die schwierige sozioökonomische Situation der Migrantenfamilien verantwortlich. Demnach stellt der Abbau sozialer Ungleichheiten eine wichtige Voraussetzung zur Verringerung migrationsspezifischer Unterschiede dar. Ein Schlüssel für den späteren Bildungserfolg ist die rechtzeitige frühkindliche Bildung. In Deutschland besuchen derzeit circa 90 Prozent aller Drei- bis Sechsjährigen sowie ein Fünftel der gleichaltrigen Migrantenkinder eine Kita. Bildungsexperten sehen in dem Betreuungsangebot einen wichtigen Ort hinsichtlich der Sprachförderung. Kinder aus Migrantenfamilien wachsen meist zweisprachig auf, während der Nachwuchs deutscher Familien zu Hause ausschließlich Deutsch spricht. Zur Förderung von Fremdsprachenkenntnissen sind Fachleuten zufolge auch Sprachreisen geeignet. Spezielle Jugendsprachreisen nach England mit Unterbringung in Gastfamilien und Besuch eines Colleges werden von zertifizierten Sprachreiseveranstaltern wie zum Beispiel matthes.de angeboten. Der Bedarf an Fremdsprachenförderung ist hoch, da der Sprachunterricht an vielen Schulen nicht ausreicht, wie Pädagogen behaupten. Ohne solide Englischkenntnisse lässt sich weder im Beruf noch an der Universität ein Erfolg erreichen.

Trend zum Studium nimmt zu



Gemäß der Bildungsstudie nimmt der Trend zum Studium kontinuierlich zu, gleichzeitig ist die Berufsausbildung im Dualen System rückläufig. Im Jahr 2013 war die Anzahl der Studenten erstmalig höher als die der Auszubildenden. Demnach verbessert sich die Chancengerechtigkeit in Deutschland zunehmend, wobei es immer mehr Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern gelingt, ein hohes Leistungsniveau zu erreichen. Bei der regionalen Verteilung der Ausbildungsplätze gibt es jedoch Differenzen zwischen ländlichen Regionen und Ballungsgebieten. Während das Lehrstellenangebot in Großstädten zwar vielfältig ist, müssen dort zahlreiche Bewerber um einen Ausbildungsplatz "kämpfen". In ländlichen Gebieten werden Lehrlinge von vielen Betrieben gesucht, die zudem ein mangelndes Angebot an geeigneten Auszubildenden beklagen.