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Technologie
Roboter in der Arbeitswelt - Chance oder Nachteil?

FOTO: CC0 / Pixabay
Saarbrücken. Die Zukunft hat längst begonnen. Alexa, Siri und andere intelligente Sprachassistenten gehören inzwischen zu unserem Alltag, und jede Woche bringen irgendwelche neuen Meldungen und Innovationen aus der Welt der Computer- und Robotertechnologie und der künstlichen Intelligenz (AI, artificial intelligence). Doch was bedeutet das alles für uns, vor allem was die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt angeht?

Ein neuer Report des McKinsey-Instituts geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 etwa 800 Millionen Menschen durch Maschinen ersetzt werden. Berufsbilder und Anforderungen ändern sich, und die Automatisierung von Fabriken schreitet unaufhaltbar voran. Etwa ein Drittel der Arbeiter in den USA und in Deutschland könnte von den Umwälzungen betroffen sein. In Japan gehen die McKinseyaner gar von der Hälfte der Werktätigen aus. Und diese Zahlen scheinen noch vorsichtig geschätzt zu sein.


Laut Absatzwirtschaft.de sollen allein in den nächsten fünf Jahren in den 15 führenden Ländern sogar 5,1 Millionen Arbeitsplätze gefährdet sein.

Allerdings sagen die Experten voraus, dass es von den Berufsgruppen selbst und ihren Aufgabenfeldern abhängt, ob die menschlichen Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden oder nicht. Je besser die Ausbildung und Qualifizierung von Leuten ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie auch künftig einen Arbeitsplatz haben. Weiterbildung und Umschulung spielen dabei eine wichtige Rolle. Schulen sollten deshalb verstärkt Fähigkeiten und nicht nur Inhalte vermitteln, sagen Experten.



Am wahrscheinlichsten ist es laut dem McKinsey-Bericht, dass einfache Routinetätigkeiten wie Tellerwäsche, Vorbereitung von Fast Food, simple Mechanik Arbeiten, Jobs in der Spiele-Industrie und die Bedienung von Reinigungsgeräten in absehbarer Zukunft von Robotern ausgeführt werden. Auch einfache Routinetätigkeiten in Büros und Verwaltung können von Smartmaschinen übernommen werden.

Bei jüngsten Weltwirtschaftsforum in Davos wurden vor allem IT-Berufe und Berufe in den naturwissenschaftlichen Feldern (die so genannte MINT-Fächer) als zukunftssicher eingestuft – und Männer. Frauen, deren Arbeitsplätze häufig in Branchen mit geringem Wachstum wie Vertrieb, Büros und Verwaltung angesiedelt sind, haben weniger gute Chancen, je weiter der Einsatz von Robotern und Smart-Maschinen voranschreitet.

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Die Maschinen werden immer effizienter und die Roboter immer intelligenter, mit lernfähiger Software. Sie sind leistungsfähiger als Menschen, werden nicht müde, können größere Datenmengen verarbeiten, und sie machen keine Flüchtigkeitsfehler.

Wie die Interaktion mit Kunden aus Fleisch und Blut aussehen könnte, wird in der Casino-Branche bereits ins Auge gefasst. Einen künstlichen Croupier hat die Firma Paradise Entertainment schon 2015 als Prototyp in Macau vorgestellt. Min heißt die dauerlächelnde Kreation, die die Spielkarten 30 Prozent schneller als ihre menschlichen Gegenstücke austeilen kann. Für die Zukunft soll daran gearbeitet werden, dass Min und Co. ihre Kunden wiedererkennen und mit ein bisschen Konversation unterhalten können. Außer einer persönlichen Begrüßung hofft die Industrie, dass sich neue Spieler unbefangener fühlen, wenn sie es mit AI statt mit einem Croupier aus Fleisch und Blut zu tun haben.

Auch die virtuelle Realität wird immer mehr zum Tragen kommen. Online Casinos wie 888casino arbeiten mit Hochdruck daran, es den Spielern zu ermöglichen, am eigenen Computer zu sitzen und sich per Headset in ein realistisches Casino zu versetzen, an den Spieltischen vorbei zu schlendern und sich in der Fantasie in Monte Carlo oder Las Vegas zu amüsieren, wenn sich der eigene Körper in Wuppertal oder Berlin befindet. Schon bald soll dies in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Wird es also höchste Zeit für die meisten Arbeitsnehmer, mit sinkendem Herzen in die Zukunft zu schauen? Nein, sagen die meisten Experten, wenn das Können stimmt. Wenn auch Croupiers aus dem Labor alles andere als illusorisch sind, werden Menschen dennoch auch weiterhin gebraucht.

Sobald es um sich wiederholende Routineaufgaben geht, könnten Roboter sogar helfen, Personallücken zu schließen – zum Beispiel in der Metallbranche, die auf Rekordauftragszahlen hinweist und trotz Rekordbeschäftigung mit der Ausführung nicht hinterherkommt.

Dabei sind die potenziellen Einsatzgebiete selbst für die intelligentesten Maschinen beschränkt. Tätigkeiten, die Kreativität, flexible Entscheidungen, Risikofreudigkeit und komplexe Abläufe beinhalten, brauchen überwiegend noch immer menschliches Knowhow. Und auch für die Jobs, die aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten von Maschinen übernommen werden, bleiben Arbeitskräfte aus Fleisch und Blut zumindest im Hintergrund erforderlich. Maschinen müssen programmiert, geführt und repariert werden.

Wo Roboter voll und ganz unersetzbar sind, ist unter extremen Bedingungen, zum Beispiel bei Weltraummissionen ohne Rückkehr, nach Chemieunfällen in Kernkraftwerken und überall sonst, wo es für Menschen zu gefährlich ist.

Sie bilden außerdem eine immer besser werdende Ergänzung für Menschen in verschiedenen Branchen. Zum Beispiel in der Medizin. Im Operationssaal wird inzwischen erfolgreich der DaVinci-Roboter eingesetzt. Gesteuert wird der metallene Mediziner von einem Operateur aus Fleisch und Blut, der an einer Konsole sitzt, den Patienten beziehungsweise das Operationsfeld in 3D auf dem Bildschirm hat, und von dort aus die Arme des Roboters steuert.

Der DaVinci-Roboter gleicht etwaiges Zittern aus, bekommt keine lahmen Muskeln, ihm läuft kein Schweiß in die Augen, und er hat stets eine Hand frei, um etwas abzulegen oder entgegenzunehmen. Seine Führung erfordert Übung und Geschick, aber die braucht jeder Chirurg von vornherein.

Mehrarbeit durch den Kollegen DaVinci haben allerdings die Krankenschwestern, die vor der OP alles steril machen müssen, denn auch der Roboter muss keimfrei gehalten werden.

Als „schwache künstliche Intelligenz“ werden DaVinci und Co. bezeichnet – Roboter, die den Menschen unterstützen.

Sie können nicht nur im OP-Saal helfen, sondern analysieren längst Aktienkurse, lesen Gerichtsakten und suchen nach spezifischen Dingen darin, diagnostizieren Krankheiten und vieles mehr. Dabei hilft ihnen der enorme Fortschritt in der Erkennung von Sprache, Bildern, Gesichtern und Objekten. All diese Dinge jedoch werden im Zusammenspiel mit Menschen erledigt und nicht als Ersatz für Menschen. Die Interaktion von Mensch und Maschine wird auch weiterhin an Bedeutung gewinnen, sagen die meisten Experten voraus. Im Endeffekt wird es nicht darum gehen, wie viele derzeitige menschliche Arbeitsplätze von Robotern übernommen werden, sondern für welche Tätigkeiten die Menschen dadurch freigestellt werden.