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Finanzen
Oft vergessen und doch so nützlich: Vermögenswirksame Leistungen und die Arbeitnehmersparzulage

Saarbrücken. 1,6 Milliarden Euro jährlich werden von deutschen Arbeitnehmern an ihre Chefs verschenkt, denn das ist die Summe der vermögenswirksamen Leistungen (VL), die vom Arbeitgeber ausgezahlt werden würde, aber die von den Mitarbeitern nicht in Anspruch genommen wird.

Laut der Zeitschrift „Finanztest“ haben mehr als 20 Millionen Beschäftigte in Deutschland das Anrecht auf vermögenswirksame Leistungen, aber nur etwa 13 Millionen von ihnen nutzen diese Möglichkeit auch wirklich.


In aller Kürze, was sind vermögenswirksame Leistungen?

VL sind freiwillige Leistungen des Arbeitgebers, die im Arbeits- oder Tarifvertrag festgelegt sind und dem Arbeitnehmer mittel- bis langfristig helfen sollen, Vermögen aufzubauen. Deshalb wird das Geldgeschenk in der Regel sieben Jahre lang in VL-geeignete Sparpläne eingezahlt, dazu gehören beispielsweise Bausparverträge, Aktienfonds oder die betriebliche Altersvorsorge. Je nach Branche und Region zahlt der Arbeitgeber etwa zwischen 6 und 40 Euro monatlich dazu, auch Azubis und Teilzeitkräfte können davon profitieren.



Wann besteht Anspruch auf eine Arbeitnehmersparzulage?

Wer Anspruch auf VL hat und sich für einen Sparplan entscheiden möchte, sollte beachten, dass nur bestimmte Anlageformen vom Staat zusätzlich mit einer Arbeitnehmersparzulage gefördert werden. Entscheidend sind dafür allerdings festgelegte Einkommensgrenzen, die teilweise so tief angesetzt sind, dass in diesen Einkommensgruppen nur die wenigsten tatsächlich sparen können. Beim Bausparen beispielsweise liegt die Höchstgrenze für den Erhalt der Arbeitnehmersparzulage bei 17.900 Euro zu versteuerndes Einkommen jährlich für Ledige und bei 35.800 Euro für Verheiratete.

Damit auch kleine Einkommen von der staatlichen Prämie profitieren können, plädiert das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) für eine Reform der Arbeitnehmersparzulage. Denkbar sei dafür eine Kombination von Veränderungen, zum Beispiel die entsprechenden Einkommensgrenzen anzuheben, die geförderte Sparsumme erhöhen oder die Prämie aufzustocken.

Vermögenswirksame Leistungen und die Arbeitnehmersparzulage
Vermögenswirksame Leistungen und die Arbeitnehmersparzulage FOTO: BKM

Trotzdem entscheidet sich laut einer Umfrage der Bausparkasse Mainz ein Großteil der VL-Sparer für den Bausparvertrag als Anlageform. Dieser bietet vor allem eine hohe Sicherheit, auch wenn die Rendite eher gering ausfällt. Unter bestimmten Umständen bietet er jedoch viele Vorteile, natürlich gerade für diejenigen, die planen ein Haus zu bauen oder eine Immobilie zu erwerben. Geringverdiener haben gegebenenfalls Anspruch auf eine staatliche Wohnungsbauprämie, auch unter 25-Jährige können davon profitieren und sind nach Vertragsende nicht an die üblichen wohnwirtschaftlichen Zwecke zur Verwendung des Geldes gebunden.

Daneben schneidet die betriebliche Altersvorsorge bei den VL-Sparern gut ab, etwa 18 Millionen Deutsche nehmen diese in Anspruch. Wie die Zusatzrente aufgebaut wird, hängt natürlich auch vom Arbeitgeber ab, deswegen lohnt sich dieses VL-Sparen ebenfalls nur unter bestimmten Bedingungen. Wichtig dabei sind auch die Pläne des Arbeitnehmers. Mindestens 23 Jahre alt und 3 Jahre im Unternehmen muss der Mitarbeiter sein, damit der Anspruch auf Betriebsrente nicht verfällt. Übrigens wird diese Anlageform nicht mit der Arbeitnehmersparzulage gefördert.

Fazit: Als Arbeitnehmer lohnt es sich immer, vermögenswirksame Leistungen in Anspruch zu nehmen, der richtige Anlageplan muss natürlich auf die beruflichen und privaten Pläne des Arbeitnehmers abgestimmt werden. Bei Kündigung oder Jobwechsel können die bereits abgeschlossenen Verträge in der Regel weitergeführt werden. Sollte der neue Arbeitgeber keine Zuschüsse gewähren, können diese selbst übernommen werden, damit der Vertrag nicht aufgelöst werden muss.

Quelle: BKM