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Feldversuch
Saturn hat erstes Geschäft ohne Kassen eröffnet

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Saarbrücken. Kassen mit Selbstbedienung gehören in vielen Geschäften schon längst zum Alltag. Ob bei Real oder IKEA – wer nicht ewig in der Schlange stehen will, der kann den Scanner selbst in die Hand nehmen und steckt Bargeld oder Bankkarte in den Kassenautomaten. Doch das ist nur eine Übergangslösung. In Zukunft könnten Geschäfte ganz ohne Kassen auskommen. Im österreichischen Innsbruck wird das derzeit in einem Elektromarkt getestet.

"Saturn Express" heißt der Ableger der Elektronikkette Saturn (Tochter der Metro), in dem man weder Bankkarte noch Portemonnaie braucht. Dem Markt fehlt etwas ganz Entscheidendes, das eigentlich noch immer fester Bestandteil eines jeden Landens ist: die Kasse. Die Filiale in Innsbruck ist europaweit die erste mit einem kassenlosen Konzept.


Doch kassenlos bedeutet natürlich nicht, dass die Waren umsonst sind. Wer in dem Express-Markt einkaufen will, der muss sich vorher die eigens dafür entwickelte Express-App herunterladen. In dieser App können verschiedene Zahlungsmethoden hinterlegt werden, zum Beispiel Kreditkarte und PayPal. Der gewünschte Artikel wird dann einfach mit der App gescannt. Der Kunde wählt die gewünschte Zahlungsart aus und der Betrag wird bequem abgebucht. Mit dem Bezahlen erlischt die Diebstahlsicherung, so dass der Kunden den Laden samt Ware verlassen kann.

Mitnahmeartikel, keine Großgeräte



In dem Markt in Innsbruck stehen rund 900 verschiedene Artikel zur Auswahl. Wer hier nach einem Riesen-Fernseher oder nach einer Waschmaschine sucht, der wird nicht fündig. Saturn konzentriert sich in dem neuen Laden auf das Mitnahmegeschäft, also auf Waren die man mal eben schnell besorgen will und problemlos ohne Hilfsmittel nach Hause transportieren kann. Das Ladekabel zum Beispiel, dass man dringend benötigt und deshalb nicht im Internet bestellt.

Mit seinem kassenlosen Markt will Saturn das stationäre Geschäft stärker mit dem Internet vernetzen. Man spricht ganz bewusst die Zielgruppe an, die es eilig hat. So eilig, dass selbst eine Bestellung, die am nächsten Tag geliefert werden würde, zu lange dauert. Und natürlich die Spontankäufer, die sich zu einem Kauf verleiten lassen.

Arbeitsplätze bleiben erhalten

Arbeitsplätze sind aufgrund der neuen Bezahlmethode laut Angaben des Elektronikkonzerns übrigens nicht gefährdet. Das freigewordene Personal soll sich stärker den Kunden widmen und zum Beispiel für Beratungsgespräche zur Verfügung stehen. "Fleisch und Blut mit Digitalisierung" lautet das Motto. Eine klare Kampfansage an Online-Giganten wie Amazon.

Natürlich begrenzt Saturn mit diesem Konzept auch seine Zielgruppe. Weniger digitalaffine Käufer, die sich keine App aufs Handy laden wollen, um im Laden einkaufen zu können, werden um die Express-Filiale eher einen großen Bogen machen. Oder aber sie lassen sich vom Personal überzeugen und an das kassenlose Bezahlen heranführen.

Der Handel würde vor allem das Bargeld lieber heute als morgen abschaffen, auch wenn der Kunde es liebt. Denn nicht nur das Kassenpersonal kostet Geld, sondern vor allem auch das gesamte Handling, an dem ein eigener Wirtschaftszweig hängt. Profiteure vom Trend zum digitalen Bezahlen sind vor allem Kreditkartenunternehmen und Bezahldienste wie PayPal. Dem E-Wallet könnte durch Geschäfte wie "Saturn Express" auch der Durchbruch im stationären Handel gelingen. PayPal ist offen für deutsche Sportwetten und viele weitere Geschäftsbereiche, wo sich gutes Geld verdienen lässt.

RFID soll das Bezahlen im Geschäft revolutionieren

Der Handel hingegen blickt schon einen weiteren Schritt voraus. Mittels der RFID-Technologie könnte das Bezahlen bald noch einfacher werden. Die RFID-Chips sind mittlerweile so günstig, dass sie massentauglich geworden sind. Wenn alle Hersteller ihre Produktverpackungen damit ausstatten, geht man mit den Einkäufen nur noch durch den Ausgang, der mit einem Scanner versehen ist. Es wird automatisch ermittelt, was man wie oft gekauft hat. Der Kaufbetrag wird vom Bankkonto eingezogen. Diebstahl ist quasi ausgeschlossen.

RFID macht nicht nur das Bezahlen, sondern auch die Lagerhaltung einfacher. Zudem ergeben sich durch die Funktechnologie ganz neue Möglichkeiten im Marketing. Das Kaufverhalten eines jeden Kunden könnte genau analysiert werden, so dass ihm beispielsweise maßgeschneiderte Angebote unterbreitet werden können. Datenschützer sehen die schöne neue Einkaufswelt kritisch.

Bei Saturn will man zunächst drei Monate lang Erfahrungen mit dem kassenlosen Markt sammeln und danach entscheiden, wie es weitergeht. Es bleibt also spannend, nicht nur im digitalen, sondern auch im stationären Handel.