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Fußball
Die Weltmeisterschaft - Chancen der deutschen Mannschaft

FOTO: CC0 / Pixabay
Saarbrücken. Schon Monate vor dem Beginn des Turniers richten sich die Blicke vieler Fans auf die WM in Russland. Natürlich schürte der Triumph der DFB-Elf in Brasilien die Hoffnung, ein solches Fußballmärchen sei ein weiteres Mal möglich. Doch noch immer ranken sich zahlreiche Fragen um die Aufstellung, in der das deutsche Team auf den Platz treten wird. Auch personelle Individualitäten könnten sich noch bis zum Anpfiff der WM ausprägen. Doch steckt in der deutschen Mannschaft tatsächlich die Chance, ein weiteres Mal Geschichte zu schreiben? Wir haben die entscheidenden Stellen des Kaders noch einmal in den Blickpunkt genommen.

Letzte offene Positionen


Noch immer gibt es in der Mannschaft die eine oder andere Position, die bislang noch nicht endgültig besetzt werden konnte. Dabei wird es in entscheidendem Maße von der Form der dort agierenden Spieler abhängen, welche Chancen die deutsche Elf auf ihrer Seite hat. Zunächst ist es die Frage nach dem Stammtorwart, die viele Fans beschäftigt. Manuel Neuer plagten in dieser Saison zahlreiche Verletzungen, die zum Teil sehr lange Regenerationszeiten nach sich zogen. Der Weltmeister-Keeper erholt sich noch immer von einem Mittelfußbruch, der ihn beim FC Bayern weite Teile der Saison auf die Tribüne verbannte. Entscheidend wird einerseits sein, wie schnell er die Symptome der Verletzung hinter sich lassen kann. Andererseits geht es um die Frage, ob er noch vor dem Beginn des Turniers in Russland dazu in der Lage ist, in Normalform zu kommen und Spielpraxis zu sammeln. Auch durch seine Personalie stoßen Nachrichten rund um die Weltmeisterschaft 2018, wie sie zum Beispiel bei Intertops zu finden sind, auf großes Interesse.
Doch wer wäre dazu in der Lage, Manuel Neuer gebührend zu vertreten? Aus der Sicht vieler Experten scheint Marc-André ter Stegen inzwischen dazu in der Lage zu sein, in diese Rolle zu treten. Obwohl er in den vergangenen Jahren nicht immer im Dress des Nationaltorhüters überzeugen konnte, sammelte er zuletzt zahlreiche Punkte für sich. Besonders die Tatsache, dass er sich beim FC Barcelona zur klaren Nummer Eins entwickeln konnte, spricht in dieser Hinsicht eine klare Sprache. So war er dazu in der Lage, auch auf dem internationalen Parkett neue Erfahrungen zu sammeln und die eigenen Leistungen in den Blickpunkt zu rücken. Auf dieser Basis, so scheint es, wäre er auch dazu in der Lage, mit dem Druck einer Weltmeisterschaft umzugehen. Selbst ein Ausfall Neuers hätte insofern für das deutsche Team keine allzu große Lücke in der Mannschaft zur Folge, dass diese Position ohnehin stark besetzt ist.

Die Besetzung des linken Flügels

Auch auf dem linken Flügel zeigen sich bislang noch gewisse Unsicherheiten in der Kaderplanung des Trainers. Bereits die Suche nach einem Linksverteidiger konnte bislang noch nicht zu einem Abschluss gebracht werden. Während beim vergangenen großen Turnier Shkodran Mustafi in dieser Verantwortung stand, scheint es heute nahezu ausgeschlossen, dass erneut ein Innenverteidiger auf diese Position rückt. An und für sich ist deshalb auch die Kreativität des Bundestrainers gefragt. Schon in der Phase der Qualifikation wurden immer wieder neue Lösungen ausprobiert, die bei der WM erneut auf dem Platz gebracht werden könnten. So erhielten Spieler wie Marcel Halstenberg oder Jonas Hector die Chance, sich an dieser Stelle zu beweisen. Auch Marcel Schmelzer dürfte sich bislang noch eine Chance ausrechnen, an diese Stelle zu treten. Bislang konnten jedoch auch die Saisonleistungen des Dortmundern noch nicht in jeder Hinsicht überzeugen.
Entscheidend wird auch die Kombination mit dem Offensivspieler sein, der auf der linken Seite aktiv ist. In der Phase der Qualifikation hatte besonders Julian Draxler die Möglichkeit, sich hier in den Mittelpunkt zu spielen. Ein Manko auf seiner Seite ist in jedem Fall die mangelnde Spielpraxis, wie sie Spieler von Paris SG auf seiner Seite hat. Zu stark war die Konkurrenz, wie er sie gerade in seinem Verein auf seiner Seite hat. In der Praxis wird es von umso größerer Bedeutung sein, sich vor dem Turnier noch einmal in guter Form präsentieren zu können. Besonders Leroy Sané gilt dort als starker Konkurrent. Bei Manchester City gelang es ihm in den vergangenen Monaten, den eigenen Marktwert durch starke Leistungen erheblich in die Höhe zu treiben. Auch durch diese Form des Konkrrenzkampfes wird also entschieden, wer schließlich die besten Chancen hat, um das Turnier mit einem Stammplatz zu bestreiten.
Auf der rechten Seite wiederum könnte ein gutes Tandem an den Start gehen. Mit Josua Kimmich und Thomas Müller stehen hier zwei Spieler bereit, wie sie bereits in den Reihen des FC Bayern München gemeinsam viel auf dem Platz stehen konnten. Entsprechend greifen hier die so wichtigen Automatismen, wie sie jeden Gegner des Turniers unter Druck setzen können. Besonders auf dieser Seite dürfte Joachim Löw der alten Ausgestaltung des Kaders also treu bleiben. Bereits in den Testspielen gegen Spanien und Brasilien offenbarte sich, wie gut die beiden Spieler dazu in der Lage sind, ihre symbiotischen Leistungen auf den Platz zu bringen und dadurch spielerische Vorteile auf ihre Seite zu ziehen. Doch auch hier stellen Spieler wie Marco Reus stetige Alternativen für den Trainer da, die dazu in der Lage sind, einen positiven Einfluss auf die Konkurrenz im Kader zu nehmen. Am Ende des Tages wird es also das Ziel sein, eine ausgeglichene Besetzung der beiden Seiten zu erreichen, um zu einem späteren Zeitpunkt auch in der Spielgestaltung flexibel zu bleiben.

Die Gefahren der Titelverteidigung



Doch bereits per se stellt die Titelverteidigung bei einer WM bereits seit Jahrzehnten eine große Herausforderung an die Mannschaften dar. In den 1930er-Jahren gelang es Italien, auf der Basis eines starken Kaders die WM zwei Mal in Folge für sich zu entscheiden. 1958 und 1962 war wiederum Brasilien mit dem Weltklasse-Spieler Pelé dazu in der Lage, den großen Triumph zu feiern. Seither waren die Bemühungen eines erneuten Triumphes jedoch stets umsonst. Experten machen derweil zwei wesentliche Gründe für diese Entwicklung verantwortlich:

1. Der hohe Erwartungsdruck

Natürlich steigen die Erwartungen des Umfelds, wenn es einer Mannschaft vier Jahre zuvor gelang, den WM-Titel zu feiern. Auf der einen Seite sind es die heimischen Medien, die auf diese veränderte Situation aufmerksam machen. Auf der anderen Seite werfen auch die Gegner im Turnier alles in die Waagschale, um vielleicht dem amtierenden Weltmeister ein Bein stellen zu können. So wird es für das Siegerteam der vergangenen Endrunde deutlich schwerer, noch einmal an die alten Leistungen anzuknüpfen und ein derart erfolgreiches Turnier zu spielen.

2. Der überalterte Kader

Das Festhalten an alten Größe kann für jede Mannschaft einen Fallstrick darstellen. Diese werden zu sehr in den Mittelpunkt gerückt und bleiben selbst nach der Überschreitung ihres fußballerischen Zenits im Kader. Dahinter steckt der Wunsch, mit den alten Gesichtern noch einmal zu überzeugen. Während rein technisch oft gar keine Unterschiede zu bemerken sind, treten jedoch auch diese Stars vier Jahre älter auf den Platz. Rein körperlich treten aus diesem Grund Defizite zutage, die sich aufgrund des hohen Niveaus einer WM-Endrunde schnell offenbaren.
Zumindest im Hinblick auf den Kader scheint es Trainer Joachim Löw gelungen zu sein, eine Umstrukturierung in die Wege zu leiten. Einerseits lag dies am freiwilligen Rücktritt von Spielern wie Philipp Lahm, Miroslav Klose oder Bastian Schweinsteiger. Auf der anderen Seite kamen in den vergangenen vier Jahren zahlreiche junge Talente nach, die den Konkurrenzkampf im Kader anheizen. Spieler wie Joshua Kimmich, Leroy Sané oder Leon Goretzka, die vor vier Jahren noch nicht berücksichtigt worden waren, nutzten ihre Chance, um sich selbst einen Platz für die WM zu sichern. Auch diese Dynamik innerhalb der Mannschaft könnte für das deutsche Team noch sehr wichtig sein. Ist es doch auf dieser Basis möglich, mit einer völlig neuen Einstellung in das Turnier zu gehen.

Die spannenden Monate

In den vergangenen Jahren erwarb sich das DFB-Team immer wieder den Ruf einer Turniermannschaft. Die Qualität, rechtzeitig zum Start eines großen Turniers in Form zu kommen, spricht in diesem Fall Bände. Wichtig wird aus der Sicht vieler Experten einerseits sein, wie lange der FC Bayern in der Champions League spielt. Bereits im Jahr 2014 war das Erreichen des Halbfinals ein Garant dafür, dass die Form stabil bis zum Ende der Saison gehalten werden konnte. Wären die Spieler dagegen nur noch bei den nationalen Wettbewerben gefordert und dort weitgehend ohne Konkurrenz, so bliebe die Gefahr bestehen, dass die Form nicht bis in die Sommerpause gerettet werden könnte. Weiterhin bleibt das Risiko bestehen, dass manche Spieler unter den hohen Belastungen Verletzungen erleiden. Der Kader des Bundestrainers sollte also darauf ausgerichtet sein, auch solche spontanen Entwicklungen zu verkraften und sich auf diese Art und Weise zu stabilisieren. Erst dann wären alle wichtigen Voraussetzungen erfüllt, um schließlich die eigenen Favoritenrolle bei der WM in Russland zu bestätigen. Genau dies wird das Ziel sein, an de sich auch die Verantwortlichen im Anschluss messen.