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Gesellschaft
Die Diamantbestattung. Eine neue Form der Bestattung ist auf dem Vormarsch

FOTO: CC0 / Unsplash.com
Saarbrücken. Neue Bestattungsformen sind auf dem Vormarsch. Eine besonders moderne Form der Bestattung, die immer mehr Anhänger findet, ist die Diamantbestattung. Häufig wird sie auch als Kristallbestattung bezeichnet. Dabei wird ein Diamant aus der Asche des Verstorbenen geformt. Der Prozess, bei dem Asche zu einem Diamant wird, ist hochwissenschaftlich. Über die einzelnen Prozessschritte, die Kosten der Diamantbestattung und weitere wissenswerte Details informiert dieser Beitrag.

Die Diamantbestattung ist eine Bestattungsalternative für viele Deutsche


Was ist eigentlich ein Diamant aus Asche? Diese Frage stellen sich die meisten, die auf diese alternative Bestattungsform aufmerksam werden. Ein Diamant aus Asche ist ein synthetisch hergestellter Diamant, der unter wissenschaftlichen Bedingungen aus Haaren oder Asche einen Diamanten erwachsen lässt. Im Detail bedeutet das, die Haare oder die Asche des Verstorbenen nehmen diesen Weg:

  • 1.) Der Schmelzprozess der Diamantbestattung. In diesem Schritt werden mehrere Unzen Asche in einen Schmelztiegel gegeben. Dieser hält hohen Temperaturen stand.


  • 2.) Der Erhitzungsprozess der Diamantbestattung. Im zweiten Schritt wird die Asche erhitzt. Sage und schreibe 2760 Grad Celsius wird die Asche im Schmelztiegel erreichen. Unter dieser extremen Hitze werden alle Elemente - mit Ausnahme von Kohlenstoff - oxidieren. Dieser Prozess dauert einige Wochen. Das Ergebnis: Der Kohlenstoff wird zu Graphit.
  • 3.) Der Start der Diamantenherstellung bei der Diamantbestattung. Das im Erhitzungsprozess gewonnene Graphit stellt den Ausgangspunkt des Diamanten dar. Es wird im Metallkatalysator platziert und zu einem Diamantkristall angeordnet. Der Kern wird in einer Diamantpresse platziert.
  • 4.) Der zweite Erhitzungsprozess der Diamantbestattung. Im zweiten Erhitzungsprozess herrschen Temperaturen von etwa 1370 Grad Celsius. Auch der Druck erhöht sich auf über 55.000 bar. Auch dieser Prozessschritt dauert einige Woche. In dieser Phase formt sich der Graphit zu einem noch recht groben Kristall.
  • 5.) Der finale Formungsprozess der Diamantbestattung. Im letzten Schritt wird nun aus dem noch recht groben Kristall ein wahrlich schönes Schmuckstück. Facettier Werkzeuge dienen dazu, den Kristall auf die gewünschte Form zuzuschneiden. Final wird der Diamant in diesem Schritt fertiggestellt.
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Die praktische Umsetzung dieses Prozesses der Diamantbestattung kann nur mithilfe eines Spezialisten erfolgen. Dabei wird auch klar, dass die eigentliche Order deutlich weniger aufwendig für den Interessierten ist als der technische Ablauf, der sich dahinter verbirgt. Zunächst wird die Bestellinformation an ein spezialisiertes Unternehmen für Diamantbestattungen, wie beispielsweise die Lonite AG, geschickt. Dieser Schritt erfolgt entweder online oder postalisch. Anschließend verschickt das spezialisierte Unternehmen einen Behälter für die Asche sowie eine ein-eindeutige Bestell-ID. Hinweise wie die Asche versandt werden soll oder ggf. abgeholt werden kann, gibt es vom Unternehmen on top. Die Kosten für die Diamantbestattung sind anteilig zu bezahlen: zur Auftragsvergabe und zum Abschluss des Bestellvorgangs. Interessierte sollten mindestens sechs Monate für das komplette Prozedere kalkulieren.

Eine kleine Hürde auf dem Weg zur Diamantbestattung ist die deutsche Rechtsprechung. Diese verbietet nämlich, dass die Asche eines geliebten Menschen zuhause verwahrt wird. Nur der Friedhof bzw. das dort angemietete Urnengrab ist der erlaubte Ort, um die Asche eines Verstorbenen aufzubewahren. Wer für sich die Idee einer Kristallbestattung in Betracht zieht, muss denselben Weg gehen wie bei einer Meer- oder Seebestattung, bei der die Asche traditionell überm Meer verstreut wird. Der einzige Weg führt hierbei über ein Bestattungsunternehmen, das Interessierten dabei hilft, die Asche an Ort und Stelle zu bringen.

Einäscherungen in Deutschland. Diese Optionen gibt es

Wie bereits erwähnt, ist die Seebestattung in Deutschland durchaus Gang und Gäbe. Vor allem italienische, aber auch Seen in der Schweiz werden dabei häufig als letzte Ruhestätte der Asche genutzt. Doch gerade diese Länder sind natürlich weniger erfreut darüber, dass menschliche Asche über ihre Seen und Meere treibt. Auch in Deutschland ist die Seebestattung kein unbürokratischer Akt, den sogar jedes Bundesland individuell regelt.

Im Vergleich zur Kristallbestattung bei der aus der Asche des Verstorbenen ein Diamant gefertigt wird, mutet die Seebestattung reichlich herzlos an. Die Asche wird auf Nordsee, Ostsee, Mittelmeer oder Atlantik verstreut. Eine Erinnerung, die über den Tag der Seebestattung hinausgeht, gibt es nicht. Die Diamantbestattung hingegen kreiert ein wahrlich schmuckhaftes Stück der Erinnerung.

Darum wählen die meisten Deutschen die Diamantbestattung

Warum sich heute viele Deutsche über die Möglichkeit einer Kristallbestattung informieren, hat vielerlei Gründe: der Kostenfaktor, die Umweltverschmutzung und die Überlastung sind nur einige Faktoren, die gegen eine traditionelle Form der Einäscherung sprechen. Im Detail verbergen sich diese Punkte dahinter:

Kostenfaktor. Mit Blick auf die Kosten, die für eine reguläre Beerdigung anfallen, kann der Kostenfaktor zum entscheidenden Punkt werden. Zwischen 5.000 und 15.000 Euro können Sarg und Zeremonie kosten. Hinzu kommt die monatliche Miete, die für die Grabstätte zu entrichten ist. Und: Die Mietkosten sind auch hierfür deutlich im Steigen begriffen. Zum Vergleich: Die Preise für weiße Diamanten aus Asche liegen zwischen 2.400 und 18.500 Euro - je nach Größe. Farbvarianten sind bereits ab 1.600 Euro zu haben.

Platzmangel. Gerade in großen Städten wie Berlin, München, London, Mexiko, Hongkong, Singapur und New York ist der Platzmangel eklatanter denn je: Die Friedhöfe erreichen immer häufiger Kapazitätsgrenzen.

Umweltaspekt. Nicht zu vergessen bleibt der Umweltaspekt. Traditionelle Gräber geben etwa zehn Prozent mehr Kohlenstoffdioxid frei. Der Grund: Der Sarg, der im Boden erhalten bleibt, setzt Kohlenstoffdioxid frei und verschmutzt auf Dauer den Grundwasserbestand.

Fazit: Die Diamantbestattung punktet bei den Deutschen in allen Facetten

Warum die Diamantbestattung bei den Deutschen besonders gut ankommt, ist nun keine Überraschung mehr. Beim Verfahren, das aus Asche einen Diamanten werden lässt, entsteht ein greifbarer Gegenstand, der an den Verstorbenen erinnert. Die Kosten sind langfristig in jedem Fall günstiger als eine reguläre Beerdigung, hinzu kommt der Aspekt der Umweltfreundlichkeit.