Wulff will Medienanfragen nun doch veröffentlichen

Berlin. Nach scharfer Kritik hat sich Präsident Christian Wulff dem Druck gebeugt und will zusätzliche Informationen in seiner Kreditaffäre veröffentlichen. In der kommenden Woche werden seine Anwälte weitere Journalistenanfragen und die Antworten darauf publik machen. Neue Vorwürfe wegen eines Urlaubsflugs wiesen Wulffs Anwälte zurück

Berlin. Nach scharfer Kritik hat sich Präsident Christian Wulff dem Druck gebeugt und will zusätzliche Informationen in seiner Kreditaffäre veröffentlichen. In der kommenden Woche werden seine Anwälte weitere Journalistenanfragen und die Antworten darauf publik machen. Neue Vorwürfe wegen eines Urlaubsflugs wiesen Wulffs Anwälte zurück. Gernot Lehr, der Anwalt des Bundespräsidenten, sagte am Freitag, Wulff habe den Auftrag zur Veröffentlichung weiterer Anfragen erteilt. Damit solle die als zu knapp kritisierte sechsseitige Stellungnahme ergänzt werden, die nach dem Fernsehinterview Wulffs am 4. Januar erfolgte. Voraussetzung sei, dass die Medien die Veröffentlichung freigegeben haben und keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Die Publikation werde "in der kommenden Woche schnellstmöglich erfolgen", betonte Lehr.Wulff steht wegen eines Privatkredits für sein Eigenheim, kostenloser Urlaube bei Freunden aus der Wirtschaft und seines Umgangs mit den Medien in der Kritik. Zuletzt konzentrierten sich die Vorwürfe darauf, dass Wulff Anfang Januar in seinem Fernsehinterview Transparenz angekündigt und gesagt hatte: "Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Detail zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen, auch rechtlich."

Wulffs Anwalt Lehr hatte die Veröffentlichung aller Informationen zunächst abgelehnt. Eine Offenlegung der Antworten auf die Anfragen von Journalisten verletze deren Recht am eigenen Wort und am Schutz ihrer Rechercheergebnisse.

Erste Zeitungen legten aber bereits umfangreiche Dokumentationen vor. Die Springer-Blätter "Die Welt" und "Welt am Sonntag" stellten am Donnerstagabend ihren Fragenkatalog sowie die Antworten von Wulffs Anwälten und der BW-Bank, die Wulff bei seiner umstrittenen Hausfinanzierung half, ins Internet. Kanzlerin Merkel steht weiter zu Wulff, der sich auch mit Rücktrittsforderungen einzelner Unionspolitiker konfrontiert sah. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Merkel schätze Wulff und seine Arbeit. Diese Wertschätzung gelte auch für dessen Bereitschaft, sehr weitgehend Auskünfte zu geben.

Neue Vorwürfe der "Bild"-Zeitung wegen eines Urlaubsflugs wiesen Wulffs Anwälte zurück. Für die Höherstufung (Upgrade) in die Business-Class habe Wulff nur privat gesammelte Bonusmeilen eingesetzt. Das gehe aus Unterlagen der Staatskanzlei Hannover hervor, teilte Wulffs Anwalt Lehr mit. Die Upgrade-Buchung bei der Lufthansa sei sechs Wochen vor dem Flug von Miami nach Frankfurt/Main im Jahr 2007 erfolgt.

Die günstigen Zinsen, die Wulff für sein Darlehen bei der BW-Bank bezahlen musste, resultieren nach einem Bericht der "FAZ" auch aus Investitionen, die das Land Niedersachsen für die Sicherheitseinrichtung des Hauses vornahm. Durch diese Investitionen sei der Wert des Hauses deutlich gestiegen, und nur deshalb habe Wulff einen Kredit über 500 000 Euro zu günstigen Konditionen bekommen können, obwohl er selbst für die Immobilie nur 415 000 Euro bezahlt hat.

Bettina Wulff ging bei ihrem Neujahrsempfang für Partnerinnen und Partner von Diplomaten im Schloss Bellevue nicht auf die Präsidenten-Affäre ein. In ihrer Rede machte sie aber deutlich, dass sie ihr wichtige Themen wie das Engagement für Kinder und Familien vorantreiben will.

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