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Wird er Putins Nachfolger?

Wird er Putins Nachfolger?

General Djumin beschützte lange Zeit das Leben Putins. Jetzt hat er ihn zum Gouverneur einer wirtschaftsschwachen Provinz ernannt. Klingt nach Karriere-Knick. Wären da nicht die Parallelen zum Leben des Präsidenten.

Sollte er es schon sein? Wladimir Putins Nachfolger im Kreml? Oder doch noch nicht? Russland rätselt seit einigen Tagen über einen Mann, den das Land bisher nicht kannte. "Wer sind Sie, General Djumin", fragt diese Woche die "The New Times". Kremlchef Wladimir Putin hatte den 43-Jährigen letzte Woche zum Gouverneur in der wirtschaftsschwachen Region Tula ernannt. Bis zu den Wahlen im September soll er das Amt geschäftsführend übernehmen. Die Ernennung war eine Überraschung und sieht zunächst nach einem Karriereeinbruch aus. Denn erst im Dezember war der Sicherheitsexperte zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt worden.

Wird hier ein Thronprätendent aufgebaut, der sich in der schwierigen Provinz Sporen verdienen soll? Das Land rätselt ähnlich wie im August 1999. Damals betrat Wladimir Putin die Bühne und Moskau fragte ungläubig: "Wer sind Sie, Herr Putin?" Der jetzige Auftritt gleicht zudem einer Inszenierung. Diese Woche widmete der "Kommersant" dem neuen Gouverneur ein anderthalbseitiges Interview mit dem Titel "Nicht erst einmal hat das Leben eine steile Wende genommen". Ein Djumin-Zitat. Die Fragen stellt Starjournalist Andrej Kolesnikow, der schon mit Putin das erste lange Interview führte. Es erschien damals auch als Buch - "Aus erster Hand". Seither ist Kolesnikow Hof-Chronist des Kremlchefs. Gouverneuren wird selten so viel Platz in der Zeitung eingeräumt. Zumal das künftige Leben in Tula nur en passant Erwähnung findet.

Tatsächlich geht es um Djumins Weg an der Seite Putins. Als dieser am 9. August 1999 das Amt des Ministerpräsidenten antrat, war auch Djumin bereits zur Stelle. Er war vom ersten Tag an für Putins Sicherheit zuständig, in Moskau und wo immer der Präsident sich später aufhielt. Dennoch blieb er in Russland ein Unbekannter. Djumin agierte im Hintergrund, er war der Mann für besondere Aufgaben. Nach dem Studium der Radioelektronik in Woronesch ging er bereits 1995 zum Föderalen Überwachungsdienst, der für die Sicherheit der Staatsführung verantwortlich ist. Kolportiert wird, dass Putin ihn 2008 zu seinem Adjutanten machte. Der Präsident schob gerade eine Amtszeit als Regierungschef ein. 2012 stieg er zum Vizechef des präsidialen Sicherheitsdienstes auf. Zwei Jahre später bekleidete er schon den Posten des stellvertretenden Leiters des Militärischen Geheimdienstes GRU. 2015 übernahm er noch die Funktion des Stabschefs der Landstreitkräfte.

Wo Putin ist, ist auch Generalleutnant Djumin. Er beschützt den Präsidenten in allen Lebenslagen. "Umklammert gar dessen Rumpf", wenn der Kremlchef zu kühn würde, berichtet die Komsomolskaja Prawda. Auf stürmischer See vor Kamtschatka versuchte Putin vom Schlauchboot aus mit Armbrust und Pfeil bewehrt einen 15-Meter-Grauwal zu betäuben. Ein andermal war es Djumin, der einen Bär vor einer Berghütte in letzter Minute bewegen konnte, vom schlafenden Kremlchef zu lassen. Ohne finalen Rettungsschuss. Das klingt nach tiefer Männerfreundschaft. Wie tief, wird sich wohl bald schon zeigen.