Wie IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi, der meistgesuchte Terrorist der Welt, getötet wurde.

IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi : Wie der meistgesuchte Terrorist der Welt den Tod fand

(ap) Die Hubschrauber flogen niedrig und schnell durch die Nacht, beförderten US-Sondereinsatzkräfte zu einem Ort, wo sich IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi in Syrien versteckte. Eine halbe Welt davon entfernt schaute US-Präsident Donald Trump dem Angriff in Echtzeit via Videolink zu, als Soldaten das Versteck sprengten und der meistgesuchte Terrorist seine letzten Schritte tat.

Die Razzia war der Abschluss jahrelanger Arbeit von Geheimdiensten – und 48 Stunden eiliger Planung, sobald Washington erfuhr, dass Al-Bagdadi sich in dem Versteck in Nordwestsyrien aufhielt. Diese Rekonstruktion basiert auf den ersten Angaben Trumps und denen anderer Angehörigen der Regierung sowie Beobachtungen von erschrockenen Dorfbewohnern, die keine Ahnung hatten, dass Al-Bagdadi sich in ihrer Mitte aufhielt.

Eine Feier und ein geheimer zweitägiger Wettlauf

Die Ereignisse überschlugen sich, nachdem das Weiße Hause am Donnerstag erfuhr, Al-Bagdadi sei mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ auf einem Gelände in der Provinz Idlib. Am Freitag hatte Trump militärische Optionen auf seinem Schreibtisch. Am Samstag hatte die Regierung „umsetzbare Geheimdienstinformationen“. Es gab keinen Hinweis auf das Drama, als Trump sich am Freitag zum Camp David aufmachte, um den zehnten Hochzeitstag seiner Tochter Ivanka und seines Schwiegersohns Jared Kushner zu feiern. Gegen 16.18 Uhr war Trump zurück im Weißen Haus, um 17 Uhr saß er im Lagebesprechungsraum im Keller des Westflügels, um den Angriff zu überwachen.

Panik, dann Tod. Nur wenige Momente, nachdem das Team des Weißen Hauses sich versammelt hatte, hoben Flieger vom Luftwaffenstützpunkt Al-Assad im Westirak ab, überwiegend zweimotorige Transporthubschrauber des Typs CH-47. Innerhalb weniger Stunden war Al-Bagdadi tot. Die erste Ahnung, dass etwas im Gange war, hatten die Dorfbewohner beim Anblick der tieffliegenden Helikopter. „Wir gingen nach draußen auf den Balkon, um zu gucken, und sie haben angefangen zu schießen, mit automatischen Gewehren. Also sind wir nach drinnen gelaufen und haben uns versteckt“, sagte ein nicht identifizierter Dorfbewohner. Als nächstes gab es eine große Explosion – Trump sagte, Soldaten hätten ein Loch in die Seite des Gebäudes gesprengt, weil sie befürchteten, der Eingang könne mit einer Sprengfalle gesichert sein. Al-Bagdadi floh in ein Netzwerk von Untergrundbunkern und Tunneln, die sich unter dem Gelände befinden. Der Extremistenführer trug eine Selbstmordweste und zog drei Kinder mit sich, als er vor den US-Soldaten floh. Trump, der das Drama mit Vergnügen überhöhte, sagte, Al-Bagdadi habe „gewimmert und geweint und geschrien“ bis zu seinem Tod. „Er erreichte das Ende des Tunnels, während unsere Hunde ihn verfolgten“, sagte Trump. „Er zündete seine Weste und tötete sich und die drei Kinder.“

„Er war es“. Al-Bagdadis Leiche wurde bei der Explosion verstümmelt, und der Tunnel stürzte über ihm ein. Um an die Leiche zu kommen, mussten die Soldaten sich durch die Trümmer graben. „Da war nicht viel übrig“, sagte Trump, „aber da sind noch immer substanzielle Stücke, die sie mitgebracht haben.“ Das war der Punkt, an dem der Militärangriff zu einer forensischen Operation wurde – und die Spezialkräfte waren vorbereitet. Sie hatten Proben von Al-Bagdadis DNA bei sich. Denn mehrfach schon war sein Tod vermeldet worden, doch immer tauchte er wieder auf. Dieses Mal durfte es keinen Zweifel geben. Labortechniker führten vor Ort einen DNA-Test durch, und 15 Minuten nach seinem Tod war Al-Bagdadi identifiziert. „Er war es“, sagte Trump. Anschließend sicherten Soldaten auf dem Gelände  höchst sensibles Material über den sogenannten Islamischen Staat, darunter künftige Pläne. Nachdem die amerikanischen Truppen sich zurückgezogen hatten, feuerten Kampfflugzeuge sechs Raketen auf das Haus und machten es dem Erdboden gleich.

Mehr von Saarbrücker Zeitung