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Westmächte und Iran nähern sich bei Genfer Atomgesprächen an

Westmächte und Iran nähern sich bei Genfer Atomgesprächen an

Genf. Nach den jüngsten Provokationen aus Teheran haben die fünf UN-Vetomächte und Deutschland gestern die Bereitschaft Irans zu Zugeständnissen im Atomstreit sondiert. Unter Vorsitz von EU-Chefdiplomat Javier Solana trafen sich die Delegationen in Genf zu den ersten Atomgesprächen seit 14 Monaten

Genf. Nach den jüngsten Provokationen aus Teheran haben die fünf UN-Vetomächte und Deutschland gestern die Bereitschaft Irans zu Zugeständnissen im Atomstreit sondiert. Unter Vorsitz von EU-Chefdiplomat Javier Solana trafen sich die Delegationen in Genf zu den ersten Atomgesprächen seit 14 Monaten. Kurz zuvor signalisierte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (Foto: afp) erstmals Bereitschaft, über Details der Urananreicherung zu sprechen. Eine erste Gesprächsrunde in einer Villa am Genfer See endete am Mittag, ohne dass zunächst Details an die Öffentlichkeit gelangten. Nach rund dreistündigen Verhandlungen begaben sich die Teilnehmer nach Angaben von Solanas Sprecherin Cristina Gallach zu einem Mittagessen. Ob die Gespräche am Nachmittag fortgesetzt würden, hänge vom Verlauf der ersten Gesprächsrunde und des Essens ab, sagte sie. Auch ein Mitglied der iranischen Delegation sagte, der weitere Tagesverlauf hänge von den "Ergebnissen am Morgen" ab. Die Vetomächte und Deutschland verlangen vom Iran Garantien dafür, dass sein Atomprogramm nicht zu militärischen Zwecken genutzt wird. Ein ranghoher US-Vertreter sagte vor dem Treffen in Genf, zum Auftakt der Gespräche wolle die Sechsergruppe eine Aussetzung der Sanktionen anbieten, wenn Iran im Gegenzug sein Programm zur Urananreicherung einfriere. In Washington sagte ein weiterer ranghoher US-Vertreter, US-Unterhändler William Burns habe freie Hand bei der Entscheidung, Direktgespräche mit der iranischen Seite zu führen, wenn dies hilfreich sei. Ahmadinedschad schlug am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Isna vor, sein Land könne schwach angereichertes Uran an ein Drittland verkaufen, um im Gegenzug angereichertes Uran für seinen Forschungsreaktor zu erhalten. "Wir brauchen um 19,75 Prozent angereichertes Uran. Wir schlagen vor, es von wem auch immer zu kaufen." Es war das erste Mal, dass er andeutete, bei dem Treffen in Genf auch über Einzelheiten der iranischen Atompolitik zu sprechen. Der Forschungsreaktor mit einer Leistung von fünf Megawatt stammt aus der Zeit vor der Islamischen Revolution und war damals von den USA geliefert worden. Außerdem schlug Ahmadinedschad einen Rahmen für die Gespräche mit der Sechsergruppe vor sowie "einen Gipfel der Führer, um über alle Vorschläge" von gemeinsamem Interesse zu sprechen, darunter die atomare Weiterverbreitung. Der französische Außenministers Bernard Kouchner äußerte sich in Moskau positiv über den Vorschlag Ahmadinedschads. Im Vorfeld der Gespräche hatte er erklärt, Sanktionen sollten in Genf zunächst nicht angesprochen werden. "Vorläufig sprechen wir, wir setzen den Dialog fort." Er sei kein Anhänger von Sanktionen, die das Volk treffen, sagte Kouchner dem russischen Radiosender Moskauer Echo. Die westlichen Gesprächspartner hätten vor dem Treffen aber über das Thema gesprochen. Die Gespräche fanden auf Ebene der politischen Direktoren statt. Von iranischer Seite nahm Chefunterhändler Said Dschalili, ein Vertrauter Ahmadinedschads, teil. Erst vergangene Woche war der Bau einer zweiten Urananreicherungsanlage im Iran bekannt geworden. Der Westen verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernkraft heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Teheran weist dies immer wieder zurück. afp "Wir brauchen angereichertes Uran. Wir schlagen vor, es von wem auch immer zu kaufen."Mahmud Ahmadinedschad