Überblick Welche Länder gehören zur Nato? Mitglieder, Aufgaben, Ukraine – alle Infos

Service · Die Nato wurde 1949 zur Sicherung des europäischen und nordamerikanischen Friedens gegründet und hatte zum Start zwölf Mitglieder. Alle Infos zu ihren Aufgaben und der Rolle im Russland-Ukraine-Konflikt.

Wer gehört zur Nato? Länder, Ukraine, Aufgaben – alle Infos im Überblick
Foto: dpa/Olivier Matthys

Nato steht für „North Atlantic Treaty Organization“ (Nordatlantische Vertragsorganisation) und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA und Westeuropa zum Schutz weiterer Bedrohungen geschlossen. Als das wichtigste sicherheitspolitische Bündnis der Welt garantiert die Nato Europas und Nordamerikas Schutz. 

Die Geschichte der Nato

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich Frankreich, Luxemburg, Belgien, die Niederlande und das Vereinigte Königreich für ein Bündnis der Zusammenarbeit und Selbstverteidigung zusammen. 1948 wurde es mit dem Brüsseler Pakt verabschiedet. Parallel schlossen die westeuropäischen Länder den Nordatlantikvertrag mit den USA ab. Dieser Vertrag verpflichtet die Mitgliedsstaaten im Falle einer Bedrohung zu militärischer Hilfe.

Unterschrieben wurde der Nordatlantikvertrag am 4. April 1949. Zwölf Staaten waren anfänglich im Bündnis vertreten. Belgien, Dänemark (mit Grönland), Frankreich, Vereinigtes Königreich (mit Malta), Island, Italien, Kanada, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal und USA.

Inzwischen umfasst die Nato 30 Mitglieder. Neben den zwölf Gründungsstaaten sind diese Länder vertreten:

  • Griechenland (seit 1952)
  • Türkei (seit 1952)
  • Deutschland (seit 1955)
  • Spanien (seit 1982)
  • Polen (seit 1999)
  • Tschechien (seit 1999)
  • Ungarn (seit 1999)
  • Bulgarien (seit 2004)
  • Estland (seit 2004)
  • Lettland (seit 2004)
  • Litauen (seit 2004)
  • Rumänien (seit 2004)
  • Slowakei (seit 2004)
  • Slowenien (seit 2004)
  • Albanien (seit 2009)
  • Kroatien (seit 2009)
  • Montenegro (seit 2017)
  • Nordmazedonien (seit 2020)

40 Drittstaaten arbeiten zudem in Sicherheits- und Diplomatiefragen mit der Nato zusammen.

Das sind die Aufgaben der Nato 

Bei der Gründung des Paktes gab es ein wichtiges Ziel: Die kommunistischen Staaten sollten davon abgehalten werden, gegen die westlichen Staaten Krieg zu führen. Nach dem Ende des Warschauer Paktes 1991 änderten sich die Ziele der Nato. In Kürze ist der Zweck der Nato, mit politischen und militärischen Mitteln die Freiheit und Sicherheit der Nato-Mitglieder zu garantieren.

Durch eine wechselseitige Beratung und Kooperation der Mitgliedsstaaten in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen sollen langfristige Probleme vermieden werden. 

Das oberste Ziel der Nato ist die friedliche Lösung von Konflikten. Falls diplomatische Ansätze scheitern sollten, kann die Nato auch militärisch eingreifen. Die Strategie der Nato fußt hauptsächlich auf Abschreckung.

Was bedeutet kollektive Selbstverteidigung?

Ein Angriff auf ein Nato-Mitglied bedeutet einen Angriff auf alle Nato-Staaten. Das in Artikel 5 des Washingtoner Vertrags festgelegte Prinzip der kollektiven Selbstverteidigung fand erstmals Anwendung bei den Terroranschlägen am 11. September 2001. 

Nato-Osterweiterung

Der Beitritt der Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes und der Nachfolgestaaten Jugoslawiens wird als Nato-Osterweiterung bezeichnet. Mitgliedstaaten des Paktes waren Albanien, Bulgarien, DDR, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Ungarn. Seit 1999 traten Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Albanien, Kroatien, Montenegro und Nordmazedonien der Nato bei.

Die Ukraine wollte ebenfalls der Nato beitreten, was Russland ein Dorn im Auge war. Während osteuropäische Nato-Staaten Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine aufnehmen möchten, lehnen westeuropäische Staaten Verhandlungen ab.  

Welche Aufgabe hat der Nato-Generalsekretär?

Der Nato-Generalsekretär verleiht der Nato ein öffentliches Gesicht. Er leitet das Generalsekretariat und übernimmt unter anderem den Vorsitz im „Ausschuss für Verteidigungsfragen“ sowie der „Nuklearen Planungsgruppe“. Er wird für eine Amtszeit von vier Jahren von den Mitgliedern der Nato berufen. Diese kann jedoch auf fünf Jahre aufgestockt werden. 

Das zweite wichtige Amt ist der Supreme Allied Commander Europe (SACEUR). Er hat die Entscheidungsgewalt über militärische Operationen. 

Was tut Deutschland für die Nato?

Deutschland will die Nato stark halten, sich für die Einheit des Bündnisses einsetzen und muss deswegen in die Bereitschaft seiner Streitkräfte investieren. Deutschland beteiligt sich finanziell an der Ausstattung der Nato, dem gemeinsamen Nato-Haushalt, und mit Soldatinnen und Soldaten sowie Material an gemeinsamen Auslandseinsätzen.

Mit der Bundeswehr engagiert sich Deutschland sowohl bei internationalen Nato-Missionen wie in Kosovo als auch in der Bündnisverteidigung. Wie bei der Luftraumüberwachung („Air Policing“) in Estland oder seit 2019 auch als „Rahmennation“ eines multinationalen Nato-Verbandes in Litauen übernimmt Deutschland innerhalb der Nato oftmals führend Verantwortung.

Was ist das Nato-Gipfeltreffen?

Auf Nato-Gipfeln versammeln sich die Staats- und Regierungschefs aller Mitgliedsstaaten. Dazu kommen die jeweiligen Außen- und Verteidigungsminister sowie die Vertreter verbündeter Partnerländer. Grundsätzlich dienen die Gipfeltreffen dazu, sicherheitspolitische Strategien abzusprechen und dazu mit abschließenden Erklärungen den Zusammenhalt des Bündnisses zu verstärken.

Die Einsätze der Nato

Als Meilenstein in der Geschichte der Nato gilt der Kalte Krieg. Im Verlauf des Kalten Krieges sollten die USA zur bisher größten Militärmacht der Geschichte werden, und entsprechend prägten sie das Transatlantische Bündnis. So übernahm die Nato 1953 auch die US-amerikanische Nuklearstrategie der „Massiven Vergeltung“, die bei einem Angriff, egal ob atomar oder konventionell, die vollständige Vernichtung des Feindes vorsah. Diese Idee der „atomaren Abschreckung“ sollte fortan für Jahrzehnte die europäische Sicherheitspolitik bestimmen.

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Zerfall der Sowjetunion 1991 schloss die Nato Partnerschaften mit ehemaligen Gegnern. Seitdem kam es mit den Eintritten zahlreicher osteuropäischer Länder, die zuvor der UdSSR angehörten, zur Osterweiterung der Nato.

Im Jahr 2003 beginnt mit der Führung der Internationalen Sicherheitsunterstützung (ISAF) der Einsatz der Nato im Kriegsgebiet in Afghanistan. Weitere Einsatzorte waren unter anderem im Kosovo, im Mittelmeer, in Afrika, der Türkei und im Irak. Wenn sich die Einsatzorte außerhalb des Nato-Gebiets befinden, spricht man von „Out-of-Area“-Einsätzen. 

Der jüngste Nato-Einsatz in der Ukraine

Parallel zur Annexion der Krim durch Russland begann im Frühjahr 2014 ein bewaffneter russisch-ukrainischer Konflikt in den ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk. 

Nach einem Nato-Gipfeltreffen im September 2014 in Wales, wurde eine Unterstützung Kiews gegenüber Russland beschlossen. 

Russland wurde außerdem dazu aufgefordert, das militärische Vorgehen in den Separatistengebieten zu beenden. Mit der Verstärkung der russischen Truppen an der Grenze wurde 2022 der Nato-Russland-Rat aktiviert. Erfolglose Schlichtungsgespräche mit Russland folgten. Am 24. Februar 2022 marschierten russische Truppen in die Ukraine ein. 

Wird die Nato die Ukraine militärisch unterstützen? 

Die Nato schließt eine militärische Unterstützung der Ukraine aus. „Wir haben keine Nato-Truppen in der Ukraine, und wir haben auch keine Pläne, Nato-Truppen in die Ukraine zu schicken“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Ukraine sei ein geschätzter Partner und man habe das Land seit vielen Jahren unterstützt. Stoltenberg machte jedoch deutlich, dass die Verpflichtung zur kollektiven Verteidigung nur für die Nato-Alliierten gilt. „Wir unterstützen die Ukraine, wir bieten absolute Sicherheitsgarantien für die Nato-Verbündeten." 

Militärische Unterstützung für die Ukraine gilt als ausgeschlossen, weil dadurch ein noch größerer Krieg ausgelöst werden könnte. Da die Ukraine kein Mitglied des Bündnisses ist, kann sie auch nicht nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags Beistand beantragen.

Das westliche Verteidigungsbündnis aktivierte aber Verteidigungspläne für Osteuropa. Der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte bekommt weitreichende Befugnisse, um zum Beispiel Truppen anzufordern und zu verlegen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Bündniskreisen erfuhr.

Stoltenberg zufolge sind schon jetzt 100 Kampfflugzeuge in hoher Alarmbereitschaft und sichern den Luftraum. Dazu seien vom hohen Norden bis zum Mittelmeer 120 Kriegsschiffe im Einsatz, und in den Osten des Bündnisses seien bereits in den vergangenen Wochen Tausende zusätzliche Soldaten verlegt worden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort