„Wenn es 50:50 steht, dann. . .“

„Wenn es 50:50 steht, dann. . .“

Der Politikberater und gelernte Journalist Michael Spreng managte 2002 den Wahlkampf von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU). Das TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Martin Schulz sei zwar wichtig, aber nicht unbedingt wahlentscheidend, so der 68-Jährige.

Herr Spreng, was würden Sie Angela Merkel für das TV-Duell raten?

Sie muss etwas emotionaler werden und bildhafter sprechen. In erster Linie sollte sie jedoch so bleiben, wie sie ist.

Aber läuft die Bundeskanzlerin dann nicht Gefahr, nach zwölf Jahren im Amt vor allem langweilig zu wirken?

Nein. Vor wenigen Wochen haben wir noch gedacht, es gebe eine gewisse Abwahlstimmung. Aber die ist ja nach der Saarland-Wahl weitgehend verpufft.

Welchen Tipp hätten Sie als PR-Profi für Martin Schulz?

Ich würde ihm und der SPD dringend raten, schon vor dem Duell ein zweites Thema neben der sozialen Gerechtigkeit aufzumachen. Er sollte sich an den Macron-Zug in Frankreich anhängen und auf Europa setzen. Das wäre Schulz auf den Leib geschneidert. Es gehört allerdings ein bisschen Mut dazu. Wobei ich auch der Union zu einem zweiten Thema neben der Inneren Sicherheit rate - das wäre zum Beispiel die Bildung.

Könnte Schulz mit dem Duell für mehr Wechselstimmung sorgen?

Dies erst beim Duell zu versuchen, wäre schon zu spät. Das muss er vorher schaffen. Entscheidend wird für Schulz sein, dass die beiden Landtagswahlen im Mai gut ausgehen, dass er inhaltlich klarer wird und welches Programm die SPD dann im Juni vorlegt.

Das heißt, das Duell wird nicht wahlentscheidend sein?

Das TV-Duell wird einen Trend nicht grundsätzlich umkehren, sondern ihn nur verstärken oder abschwächen. Steht es Anfang September jedoch 50:50, dann kann der Schlagabtausch für Merkel oder Schulz ausschlaggebend sein.

Das Interview führte SZ-Korrespondent Hagen Strauß.

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