Wenn der Patient seinen Arzt nicht versteht

Wenn der Patient seinen Arzt nicht versteht

Selbstkritische Töne auf dem Deutschen Ärztetag: Wie Mediziner mit und über Patienten sprechen, muss besser werden. Zeitmangel ist keine Entschuldigung: Schlecht kommunizieren geht auch nicht schneller.

"Solche wie Sie haben wir hier alle fünf Jahre und ich kann Ihnen sagen: Keiner von denen hat überlebt." Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist bisweilen durchaus verbesserungsfähig. Die Teilnehmer des Deutschen Ärztetages in Frankfurt sind sich dessen bewusst: "In der ärztlichen Kommunikation bestehen Defizite", sagt der Brandenburger Allgemeinmediziner Ulrich Schwantes, der oben zitierten Satz selbst gehört hat.

Nur gut jeder dritte Deutsche fühlt sich von seinem Arzt angemessen über Chancen, Risiken oder Behandlungsalternativen aufgeklärt, hatte erst kürzlich eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) ergeben. Ein Faktor: Zeitmangel. "Wenn Sie gezwungen sind, schneller zu werden, können Sie die Behandlung nicht abkürzen, aber Sie können kürzer mit dem Patienten reden", argumentiert der Vizepräsident der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB), Andreas Botzlar. "Da steht viel auf dem Spiel", sagt MB-Chef Rudolf Henke. "Zentral ist, dass wir Ärzte uns als Menschen nicht ersetzen lassen dürfen durch eine immer technisiertere und spezialisiertere Medizin." Seine Erfahrung: Schlecht kommunizieren geht auch nicht schneller.

Auch die Kommunikation zwischen Medizinern "ist ein echtes Problem", findet Andreas Hellmann von der Landesärztekammer Bayern: "Die arbeitsteilige Behandlung von Patienten führt zu Kommunikationsbrüchen mit unabsehbaren Folgen für die Patientenversorgung." Für den Präsidenten der Bundesärztekammer , Ulrich Montgomery, hat das Thema - neben der Kommunikation unter Kollegen und mit den Patienten - noch eine dritte Seite: die bisweilen mangelhaften Deutschkenntnisse ausländischer Mediziner. Immer mehr Ärzte kommen aus dem Ausland, Ende vergangenen Jahres waren es fast 40 000. Allein 2014 wurden es zehn Prozent mehr.

"Fachchinesisch und mangelnde Deutschkenntnisse. Daraus besteht die toxische Mischung, die viele Patienten Tag für Tag von der Ärzteschaft in Deutschland gereicht bekommen", schimpft Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. "Mittlerweile werden bundesweit Patientenseminare angeboten, damit die Betroffenen ihren Arzt verstehen. Das ist verkehrte Welt." Gut zu kommunizieren könne man lernen, findet Schwantes. Kommunikation müsse "zentraler Bestandteil in Aus-, Weiter- und Fortbildung werden". Aber das sei erst die Hälfte des Weges. Es gehe "um eine bestimmte Haltung: Respekt, Akzeptanz, Empathie".

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