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Was ist bloß mit Westerwelle los?

Was ist bloß mit Westerwelle los?

Berlin. Was ist bloß mit Westerwelle los? Zum zweiten Mal in dieser Woche legte der Wahlsieger in Berlin einen denkwürdigen Presseauftritt hin. Obwohl die FDP zahlenmäßig gestärkt in die am Montag beginnenden Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU geht, wirkt ihr Vorsitzender jetzt, wo es ernst wird, nervös

Berlin. Was ist bloß mit Westerwelle los? Zum zweiten Mal in dieser Woche legte der Wahlsieger in Berlin einen denkwürdigen Presseauftritt hin. Obwohl die FDP zahlenmäßig gestärkt in die am Montag beginnenden Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU geht, wirkt ihr Vorsitzender jetzt, wo es ernst wird, nervös.

Guido Westerwelle weigerte sich am Donnerstag fast eine Stunde lange auch nur einen einzigen inhaltlichen Satz zu sagen. Er wolle die Verhandlungen nicht beschweren, wiederholte er immer wieder. Der FDP-Chef ging auch nicht auf die Forderungen ein, die derzeit viele andere FDP-Politiker ganz selbstverständlich äußern, von der Kürzung der Solarenergie-Förderung bis zur Abschaffung des Gesundheitsfonds. Ohne konkret zu werden, widersprach er "jenen, die jetzt Pflöcke einschlagen" und bestimmte Themen zum Tabu erklären wollten. "Alles wird verhandelt."

Unklar blieb, warum Westerwelle sich der Presse nach der Präsidiumssitzung überhaupt stellte. Nicht einmal seinen Standardsatz aus dem Wahlkampf, nur einen Koalitionsvertrag zu unterzeichnen, der ein einfaches, faires und niedriges Steuersystem vorsieht, wollte er wiederholen. Als ein Journalist wissen wollte, welche Haltung die FDP bei der Opel-Rettung einnehmen werde, verwies Westerwelle nur auf "das, was ich dazu immer gesagt habe", weigerte sich aber zu sagen, was das gewesen war. Nämlich die Kritik daran, dass die Regierung sich zu schnell für Magna entschieden habe.

Mehrfach und unaufgefordert ging Westerwelle hingegen auf einen Zwischenfall bei seiner Pressekonferenz am Montag ein. Dort hatte er einem britischen Journalisten die Bitte, eine Frage auf Englisch zu beantworten, abgeschlagen ("Das ist Deutschland hier"). Die Szene macht derzeit im Internet Furore. Westerwelle entschuldigte sich für die "etwas scharfkantige" Formulierung. Er sei übernächtigt gewesen. In der Sache blieb er aber dabei, in Deutschland auf Pressekonferenzen Fragen in "unserer wunderschönen deutschen Sprache" zu beantworten. Den Verdacht, er könne nicht ausreichend Englisch sprechen, wies der als künftiger Außenminister gehandelte Politiker als "tumb" zurück und sagte, er sei in vielen Hauptstädten gewesen: "Meine Sprachkompetenz war noch nie ein Thema".

Mit Blick auf die Koalitionsgespräche wurde nur mitgeteilt, dass am Montag in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung erstmals die so genannte Lenkungsgruppe zusammentritt, die aus je neun Vertretern von CDU, CSU und FDP besteht. Die Lenkungsgruppe soll Arbeitsgruppen zu den verschiedenen Themenbereichen einsetzen, in denen die eigentlichen Koalitionsgespräche laufen. Dass, wie von Merkel angedeutet, die Verhandlungen bis zum 27. Oktober abgeschlossen sein könnten, wollte Westerwelle nicht bestätigen. "Es wird gründlich verhandelt", betonte er.