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Wahlverfahren geht in die Warteschleife

Wahlverfahren geht in die Warteschleife

Wer wird neuer Präsident der Saar-Universität? Auf die Beantwortung dieser Frage wird die Hochschule nun wenigstens weitere sechs Wochen warten müssen. Der Universitätsrat vertagte gestern Mittag seine entscheidende Abstimmung auf den 20. Oktober.

Saarbrücken. Seit Oktober 2015 sucht die Saar-Uni nach einem neuen Präsidenten. Dieser Frühstart sollte eigentlich einen reibungslosen Übergang zwischen dem gegenwärtigen Amtsinhaber, Professor Volker Linneweber , der im Februar des kommenden Jahres in den Ruhestand geht, und seinem Nachfolger sicherstellen. Doch nun zeichnet sich ab, dass es trotz des sehr großzügigen Vorlaufs sehr knapp werden könnte mit der Amtsübergabe.

Zwei Abstimmungen im Senat und eine im Universitätsrat haben gezeigt, wie tiefgreifend die Meinungsverschiedenheiten der beiden Wahlgremien in der Beurteilung der zwei Kandidaten sind, die es in die Endausscheidung geschafft haben. Gestern nun stand zur Mittagszeit eigentlich die zweite, entscheidende Abstimmung des Universitätsrats an. Doch es wurde nichts aus "High Noon" auf dem Campus. Der Rat hat seine Entscheidung verschoben, die Saar-Universität muss wenigstens weitere sechs Wochen auf ein Wahlergebnis warten.

Der Universitätsrat, so sein Vorsitzender Professor Günter Stock, habe sich in seiner Sondersitzung einmütig entschlossen, die "komplizierte Situation" auf dem Campus nicht eskalieren zu lassen. Er verschob deshalb seine zweite Abstimmung auf den 20. Oktober. Vorher wollen die Mitglieder des Gremiums abermals mit den beiden Kandidaten, den Professoren Dirk Bähre und Uwe Hartmann, "wichtige Zukunftsfragen dieser Universität" diskutieren. Dabei werde es unter anderem um die Exzellenzinitiative, den millionenschweren Forschungswettbewerb der Hochschulen, und das neue Bundesprogramm für Nachwuchsforscher gehen, aber auch um die Frage, wie der nächste Uni-Präsident Strukturentscheidungen des aktuellen Präsidiums umsetzen wolle.

Die Situation auf dem Campus ist wegen des komplizierten Wahlmodus zum Präsidentenamt, der ein gemeinsames Votum von Senat und Universitätsrat in getrennten Abstimmungen vorschreibt, völlig verfahren. Im Senat sind alle Gruppen der Universität vertreten, im Universitätsrat, dem Aufsichtsrat der Hochschule, haben externe Hochschulexperten die Mehrheit. Erstmals in der Geschichte der Saar-Uni wurden sich beide Gremien bei der Präsidentenwahl dieses Jahres nicht einig und stimmten mit 80-Prozent-Mehrheiten für den jeweils anderen Campus-Kandidaten. Der Senat votiert für Dirk Bähre, der Universitätsrat für Uwe Hartmann.

Da nur zwei Wahlgänge möglich sind und der Senat bereits zweimal abgestimmt hat, stand der Universitätsrat gestern vor der Entscheidung, sein Votum für Professor Uwe Hartmann zu wiederholen und damit das gesamte Wahlverfahren scheitern zu lassen - oder aber auf Zeit zu spielen. Er entschied sich für die zweite Option. Denn unmittelbare Konsequenz des Scheiterns wäre gewesen, dass über den nächsten Uni-Präsidenten in der Staatskanzlei entschieden wird. Können sich die Gremien der Hochschule nicht verständigen, trifft die Ministerpräsidentin diese Entscheidung. So steht es im saarländischen Universitätsgesetz. "Würden wir jetzt die Verantwortung zurückreichen an die Politik, zeigten wir damit, dass wir nicht hart genug gearbeitet haben", erklärte der Vorsitzende des Uni-Rats die Nicht-Entscheidung gestern Mittag. Die Souveränität der Universität zu bewahren sei das zentrale Motiv für die Verschiebung des Wahltermins gewesen.

In den kommenden Wochen wird nun eine fünfköpfige Arbeitsgruppe des Universitätsrates, in die auch ein Vertreter des Senats eingeladen wird, noch einmal nachsitzen müssen, um mit den beiden Kandidaten über ihre Vision von der Zukunft der Universität zu diskutieren, so Günter Stock. Der Universitätsrat bleibe in diesem Prozess an einer konstruktiven Lösung interessiert, obwohl er diese Diskussion lieber vor dem zweiten Wahlgang des Senats geführt hätte. Doch nun einfach abzustimmen und den Streit damit eskalieren zu lassen, hätte nicht im Interesse der Hochschule gelegen und auch nicht dem Verhältnis von Senat und Uni-Rat entsprochen, so Günter Stock.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) betrachtete die Entwicklung an der Universität gestern Nachmittag mit Wohlwollen. Es sei eine "gute Entscheidung", wenn sich die Hochschule bei der Besetzung ihres höchsten Amtes um eine interne und einvernehmliche Lösung bemühe. Sie wertete es als "gutes Zeichen", dass sich die Gremien der Hochschule offensichtlich aufeinander zubewegten.

Zum Thema:

Dirk Bähre ist der Kandidat des Uni-Senats. Fotos: UdS.

Hintergrund 20. Oktober 2015: Die Findungskommission bildet sich. Sie organisiert die Stellenausschreibung und prüft die Bewerbungen. 14. Juni: Die Findungskommission schickt drei Kandidaten ins Rennen um das Amt des neuen Uni-Präsidenten: den Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät III, Professor Dirk Bähre, den amtierenden Vizepräsidenten der Saar-Universität, Professor Uwe Hartmann und den Vizepräsidenten für Forschung der Uni Luxemburg, Professor Ludwig Neyses. 29. Juni: Die Kandidaten stellen sich bei einer öffentlichen Anhörung an der Hochschule vor. 29. Juni: Die Mehrheit des Hochschul-Senats stimmt für Dirk Bähre. 4. Juli: Der Universitätsrat wählt Uwe Hartmann. Damit können sich beide Gremien nicht einigen. Die Wahl muss in einem zweiten Durchgang wiederholt werden. 26. Juli: Die Staatskanzlei versucht zu vermitteln und lädt Vertreter beider Gremien , die Kandidaten und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) zu einem Sondierungsgespräch ein. 27. Juli: Der Senat stimmt auch im zweiten Wahlgang für Dirk Bähre. 1. September: Der Universitätsrat vertagt seine entscheidende Abstimmung auf den 20. Oktober. hep