"Wahltag ist Zahltag"

Stuttgart. Tausende Menschen haben am Samstag auf der ersten Großdemonstration in diesem Jahr in Stuttgart gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 protestiert. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 40 000 Demonstranten zu der Kundgebung, die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 13 000

Stuttgart. Tausende Menschen haben am Samstag auf der ersten Großdemonstration in diesem Jahr in Stuttgart gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 protestiert. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 40 000 Demonstranten zu der Kundgebung, die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 13 000. Während der etwa einstündigen Veranstaltung kam es laut Polizei zu keinen Zwischenfällen. Im Anschluss an die Kundgebung zogen Tausende Projektgegner durch die Innenstadt.

Bei Stuttgart 21 soll der Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgebaut und an die künftige Schnellbahntrasse nach Ulm angeschlossen werden. Die Bahn schätzt die Kosten auf rund sieben Milliarden Euro, Kritiker rechnen dagegen mit bis zu 18,7 Milliarden.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann (Grüne), sagte auf der Kundgebung, ein von der Deutschen Bahn im Alleingang durchgeführter Stresstest sei nicht zu akzeptieren. Für die von Schlichter Heiner Geißler vorgeschlagene Simulation müsse ein Lenkungskreis aus Vertretern der Projektträger und -gegner berufen werden. Mit dem Test soll bis zum Sommer nachgewiesen werden, dass der geplante Tiefbahnhof tatsächlich ein Drittel mehr Verkehr abfertigen kann als der derzeitige Kopfbahnhof.

Die Demonstranten sprachen von Filz und fehlender Demokratie und drohten der Landesregierung mit Blick auf die Landtagswahl am 27. März mit Stimmenentzug: "Wahltag ist Zahltag", hieß es auf mehreren Plakaten. Landesverkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) hatte das bereits zuvor kritisiert: Den Demonstranten gehe es immer weniger um das Bahnprojekt und mehr um die bevorstehende Wahl. Bis dahin sind zwei weitere Großdemonstrationen geplant: am 19. Februar und am 19. März. dapd/dpa