Vulkanausbruch am Meeresgrund

Bremerhaven. Die Explosion eines Vulkans zählt zu den gefährlichsten Natureignissen, die wir kennen, denn sie trifft viele Menschen unvorbereitet. Bei den Ausbrüchen des Tambora (1815) und des Krakatau (1883) in Indonesien starben nicht nur viele zigtausend Menschen. Die Eruptionen veränderten das Klima auf der gesamten Welt. Es kam in der Folge auch in Europa zu schrecklichen Hungersnöten

Bremerhaven. Die Explosion eines Vulkans zählt zu den gefährlichsten Natureignissen, die wir kennen, denn sie trifft viele Menschen unvorbereitet. Bei den Ausbrüchen des Tambora (1815) und des Krakatau (1883) in Indonesien starben nicht nur viele zigtausend Menschen. Die Eruptionen veränderten das Klima auf der gesamten Welt. Es kam in der Folge auch in Europa zu schrecklichen Hungersnöten. Sehr viel kleiner war dagegen der bei uns bekannteste Vulkanausbruch des Vesuvs, der im Jahr 79 n. Chr. das blühende Pompeji unter einer mächtigen Schicht aus Asche und Bimsstein begrub. Nun hat eine internationale Geologen-Expedition zum ersten Mal beobachtet dass Vulkan-Explosionen sich nicht nur auf den Kontinenten, sondern auch in den Meeren ereignen können. Im Jahr 1999 ereignete sich nahezu unbemerkt eine ähnliche Explosion in der Tiefe des Arktischen Ozeans, berichtet das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Die Geologen entdeckten am so genannten Gakkel-Rücken im Nordpolarmeer zwischen Grönland und Sibirien mit einer speziell entwickelten Kamera in 4000 Meter Wassertiefe ausgedehnte Ascheschichten am Meeresboden, die auf einen gigantischen Vulkanausbruch hindeuten. Explosion unter WasserFür die Forscher war dies eine völlig überraschende Erkenntnis, so Dr. Vera Schlindwein vom Bremerhavener Institut. Denn der Explosionsherd liegt in vier Kilometern Wassertiefe. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass explosiver Vulkanismus in Tiefen über drei Kilometer vom Wasserdruck verhindert wird. Dass die Atlantik-Region zu den vulkanisch aktivsten der Erde zählt, war allerdings bereits seit Jahren bekannt. Am Mittelozeanischen Rücken driften zwei Erdplatten auseinander, flüssiges Magma dringt in die Lücke und bildet in unzähligen Vulkanausbrüchen laufend neuen Meeresboden. Begleitet von kleinen Erdbeben, die an Land nicht registriert werden, fließt Lava auf den Meeresboden. Diese unspektakulären Ausbrüche dauern in der Regel aber nur wenige Tage oder Wochen und werden kaum bemerkt. Der Gakkel-Rücken im Arktischen Ozean öffnet sich mit bis zu 14 Millimetern pro Jahr so langsam, dass die Theorien der Geologen Vulkanismus für unwahrscheinlich hielten - bis 1999 eine Serie von 300 starken Erdbeben über acht Monate einen Vulkanausbruch in vier Kilometer Wassertiefe signalisierte. Das Meer über dem Gakkel-Rücken ist ganzjährig mit Eis bedeckt. Um kleine Erdbeben aufzeichnen zu können, stellten die Forscher Seismometer auf driftenden Eisschollen auf und registrierten dabei erstmals Eruptionsgeräusche des vier Kilometer unter ihnen aktiven Vulkans. np

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