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Vom Computerspiel zum Attentat?

Vom Computerspiel zum Attentat?

Der Amokläufer von München hat Counter-Strike gespielt und sich laut Polizei „wie in einem Computerspiel bewegt“. Der IS nutzt gewaltverherrlichende Games als Teil seiner Propaganda. Wie gefährlich sind sogenannte Killerspiele? Dazu Fragen und Antworten.

Die Meinungen über die Gefahr der Ballerspiele gehen auseinander. Welche Risiken gibt es?

Medienpsychologe Rudolf Weiß sagt: "Diese Spiele tragen im großen Umfang zur Verrohung der Gesellschaft bei - aber es ist vermessen, zu sagen, dass aus jedem Spieler ein Attentäter wird." Er verweist auf eine Studie der State University Ohio, wonach durch ausgeprägten Konsum die Empathie abnehmen und die Gewaltbereitschaft zunehmen kann.

Können die Spieler nicht Game und Wirklichkeit auseinanderhalten?

"Wenn man sich die Forschungslandschaft der letzten Jahrzehnte anschaut, können die Gamer sehr wohl zwischen Spiel und Realität unterscheiden", sagt der Chef des Computerspielmuseums Berlin, Andreas Lange. "Es ist etwas grundsätzlich anderes, ob ich eine Maus bewege oder tatsächlich eine Pistole in der Hand habe." Solche Computerspiele gehörten bei sehr vielen Jugendlichen selbstverständlich dazu. Zu sagen, dass die Amokläufer alle "Counter Strike" gespielt haben, ist das verbindende Element, sei ähnlich kurz gedacht, wie wenn man sagen würde: Das sind alles Jungs, die Hosen angehabt haben. Und re:publica-Gründer Johnny Haeus ler schreibt: "Die plumpe Formel ,Ego-Shooter-Spieler = potenzieller Amokläufer ' darf als Blödsinn bezeichnet werden." Experten und Studien schätzten den Einfluss von brutalen Spielen auf die Gewaltbereitschaft der allermeisten Jugendlichen als gering bis nicht existent ein.

Einige Spieler scheinen aber dennoch gefährdet. Welche sind das?

Eine stabile Persönlichkeit und sichere familiäre Verhältnisse spielen eine wichtige Rolle. "Dass täglich mehrstündige CS:GO-Sessions vielleicht nicht die beruhigendste Beschäftigung für einen einsamen, psychisch labilen Menschen sein könnten - das vermuten selbst Hardcore-Gamer", schreibt Haeusler. Und Lange sagt: Wenn bereits eine Gewaltbereitschaft und ausgeprägte Konflikte da seien, könnten diese durch einen exzessiven Konsum verstärkt werden. "Das ist nicht auszuschließen." Als alleinige Ursache könnten die Spiele aber nicht verantwortlich gemacht werden.

Welche Präventionen gibt es, und was können Eltern tun?

Deutschland hat ein breites Jugendschutzsystem in Sachen Computerspielen, etwa durch Altersbeschränkungen und Einstellungen auf den Konsolen. Das hiesige Schutzsystem sei das fortschrittlichste, das er kenne, meint Lange. Tatsache ist, dass viele Filter und Einstellungen in der digitalen Welt natürlich umgangen werden können. "Man wird nicht umhinkommen, in der Familie Gespräche zu suchen. Die Eltern sollten sich darum kümmern, was ihre Kinder vor dem Computer machen, und wie lange", sagt der Museumschef. Und Weiß meint: "Die Videos sind in der Welt, die bekommen Sie nicht mehr weg. Aber die Eltern müssen dafür sensibilisiert werden, was in den Kinderzimmern passiert."

Inwieweit verwendet die Terrormiliz IS diese Spiele?

Bei seiner Propaganda bedient sich der IS teils alltäglicher Mittel der Jugendkultur, etwa aus den Bereichen Hip-Hop oder Gaming. Medienpsychologe Weiß spricht von einer "medialen Gehirnwäsche". So würde der IS mit dem Slogan locken: "Was ihr virtuell auf euren Computer spielt, könnt ihr bei uns live tun."