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Volksparteien suchen neue Mitglieder

Volksparteien suchen neue Mitglieder

Fast alle Parteien leiden unter einer überalterten Mitgliederschaft. Die Sterbequote in den Mitgliederstatistiken ist entsprechend hoch. Ein Patentrezept, den Schwund zu kompensieren, ist nicht in Sicht.

Der Bundestagswahlkampf im Herbst 2013 markierte eine Erholungspause - vor allem SPD und CDU konnten sich über Neueintritte freuen. Doch in diesem Jahr hat sich der schleichende Mitgliederschwund bei den im Bundestagsparteien wieder fortgesetzt. Bis Ende November verlor die CDU rund 7200 Anhänger mit Parteibuch, die SPD sogar 12 100. Auch die anderen Parteien melden per Saldo für 2014 Verluste. Lediglich die Newcomer-Partei Alternative für Deutschland (AfD) konnte ihre Mitgliederzahl um ein Drittel auf 21 200 steigern.

Das durchschnittliche Parteimitglied in CDU , CSU , SPD und Linke ist heute 59 Jahre alt. Dies zeigen die Analysen des Berliner Politologen Oskar Niedermayer. Angesichts dieses Durchschnittsalters ist auch die Zahl der Sterbefälle hoch. Ein Rezept, diesen "natürlichen Abgang" durch jüngere Neueintritte wettzumachen, haben die Generalsekretäre der Parteien nicht.

Selbst die Grünen, die nach ihrer Gründung in den 80-er Jahren besonders attraktiv für Jüngere waren, sind mit einem Altersschnitt von 48 in die Jahre gekommen. Nach den Zeiten schneller Zugewinne melden sie für die ersten neun Monate 2014 per Saldo erstmals einen Verlust von 400 Mitgliedern.

Die Sozialdemokraten, die unter Willy Brandt in den 70er Jahren allein in Westdeutschland schon die Millionen-Grenze zum Greifen nahe sahen, haben seit der Einheit vor 25 Jahren knapp die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Die SPD zählte Ende November 461 537 Anhänger mit Parteibuch. Das sind 1659 mehr als bei der CDU-Konkurrenz, die auf 459 878 Mitglieder kommt. Aber auch die CDU büßte seit der Einheit über zwei Fünftel ihrer organisierten Anhängerschaft ein. Bei der FDP sind dies laut der jüngsten Niedermayer-Analyse sogar fast zwei Drittel.

Insgesamt hat die Bereitschaft der Bundesbürger, sich einer Partei anzuschließen, erheblich nachgelassen. Waren 1989 noch 3,6 Prozent der Erwachsenen in einer Partei organisiert, ist dieser Anteil auf 1,8 Prozent geschrumpft, rechnet Niedermayer vor.

Frauen sind in allen Bundestagsparteien unterrepräsentiert. Den geringsten Frauenanteil hat die CSU , wo nur jedes fünfte Mitglied weiblich ist. Bei der CDU ist dies gut jedes vierte, bei der SPD jedes dritte Mitglied. Den höchsten Frauenanteil haben mit knapp 40 Prozent die Grünen.