Viel Harmonie zwischen den Schwesterparteien bei der CSU-Klausur in Seeon.

CSU-Klausur : Neue Harmonie: AKK, CSU und der „Geist von Seeon“

So viel Umarmung in der Union ist neu. Als Annegret Kramp-Karrenbauer nach langer Anreise durch das oberbayerische Schneegestöber endlich im Kloster Seeon ankommt, wird die neue CDU-Chefin von der CSU-Landesgruppe im Bundestag geradezu gefeiert. Es ist ungewöhnlich, dass eine CDU-Vorsitzende so lange Gast einer CSU-Klausur ist.

Ein klares Signal für eine neue Zeit und eine neue Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU. AKK spricht von einem „ganz besonderen Termin“ und auch Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, im Unionszwist noch einer der Hardliner, kommt aus dem Schwärmen kaum heraus. Am Ende beschwört er den „Geist von Seeon“ herbei. Damit hebt er das Treffen auf eine historische Dimension, in Anspielung auf den für die CSU noch immer sagenumwobenen „Geist von Kreuth“ von 1976. Geschlossenheit ist die Devise vor der Europawahl im Mai und vor den wichtigen Landtagswahlen im Osten – Brandenburg, Thüringen und Sachsen – im Herbst. Und nach den Wahlpleiten von CDU und CSU in den vergangenen Jahren hat die Union das auch nötig. Für Dobrindt ist die Union eine „Schicksalsgemeinschaft“. Doch wie lang kann die inszenierte Harmonie halten?

Als AKK im Klosterkeller gefeiert wird, ist der andere neue starke Mann in der Union, der desig­nierte CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder, schon lange wieder weg. Am Samstag feiert er lieber ganz privat seinen 52. Geburtstag. Dennoch pflegen die beiden neuen Unionschefs offensichtlich schon jetzt einen engen Draht. Zum Beginn der Klausur am Donnerstag beeilt sich Söder klar zu machen, dass er bereits mehrmals mit der neuen CDU-Vorsitzenden und auch mit SPD-Chefin Andrea Nahles telefoniert und sich abgesprochen habe. Ein Hinweis auf die immer wieder beschworene neue Personal-Konstellation in der großen Koalition mit seinen drei „Kraftzentren“. Der Koalitionsausschuss soll eine neue Rolle bekommen. Er werde nicht mehr nur bei Krisen einberufen. Hier will man künftig auch längerfristig anstehende Themen erörtern. Die beiden neuen Parteichefs Kramp-Karrenbauer und Söder scheinen jedenfalls entschlossen, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Die Vorsitzenden der Schwesterparteien dürften in den nächsten Monaten aber auch einiges damit zu tun haben, wieder Ruhe in die eigenen Reihen zu bringen. Die CDU muss sich nach 18 Jahren Merkel an der Parteispitze neu sortieren. AKK will sich dabei offensichtlich von ihrer Amtsvorgängerin absetzen und auch auf Wünsche des Wirtschafts- und des konservativen Flügels in der Partei eingehen.

Am Schluss droht dann doch zu viel der Harmonie. AKK und Dobrindt machten nach der Klausur daher sicherheitshalber deutlich, dass CDU und CSU auch künftig um den richtigen Weg streiten werden. Kramp-Karrenbauer untermauert das mit einer Erinnerung an ihre Kinderzeit und ihre Geschwister: „Man streitet sich. Aber wenn die Nachbarskinder kommen, dann hält man zusammen.“ Und nachdem die CSU zuletzt das Erscheinungsbild der Union wesentlich bestimmt hatte, lässt AKK in Seeon wieder den Führungsanspruch der CDU unter den Schwesterparteien durchblicken.

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