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Verbände warnen vor „Lawine“ der Altersarmut

Verbände warnen vor „Lawine“ der Altersarmut

Die Rente reicht Hunderttausenden Menschen nicht mehr für ihren Lebensunterhalt. Immer mehr sind auf Grundsicherung angewiesen. Sozialverbände befürchten einen weiteren Anstieg der Altersarmut.

Mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland sind im Alter auf die so genannte Grundsicherung angewiesen. Knapp 512 000 Menschen erhielten im März des laufenden Jahres entsprechende Leistungen, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Demnach sind vor allem Rentnerinnen im Westen auf diese Form der Sozialhilfe angewiesen.

Der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, wertete die Daten als "klares Alarmsignal". Sie belegten den "Vormarsch der Altersarmut in Deutschland". Dabei sei von einer wesentlich höheren Dunkelziffer auszugehen, weil sich viele Senioren schämten, die Grundsicherung zu beantragen. Die Bundesregierung müsse ein Hilfspaket schnüren, um die Entwicklung zu stoppen, forderte Bauer.

Nach Ansicht des Geschäftsführers des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, rollt eine "Lawine der Altersarmut auf uns zu". In den nächsten zehn bis 15 Jahren würden immer mehr Menschen ohne hinreichende Ansprüche das Rentenalter erreichen. Der Sozialverband VdK sprach ebenfalls von einer "alarmierenden" Entwicklung. "Leider setzt sich der Trend zur Armut fort", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher . Noch liege der Schwerpunkt im Westen, aber künftig würde das Problem auch im Osten stärker zutage treten. Mascher forderte eine Anpassung der Grundsicherung an den realen Bedarf, da ältere Menschen von den Preissteigerungen etwa für Mobilität oder Medikamente besonders betroffen seien.

Grundsicherung können sowohl Menschen im Rentenalter bekommen als auch jüngere Erwachsene, deren Erwerbsfähigkeit dauerhaft gemindert ist. Der festgelegte Bedarf betrug im März im Schnitt 758 Euro brutto. Netto waren es nur 460 Euro, weil das Einkommen zum Teil abgezogen wird. Insgesamt bezogen die Unterstützung im ersten Quartal schätzungsweise 1,009 Millionen Menschen.