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Vatikan macht mit Ex-Kammerdiener kurzen Prozess

Vatikan macht mit Ex-Kammerdiener kurzen Prozess

Rom. Nur eine Woche nach Beginn des Prozesses hat das Vatikantribunal den ehemaligen Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Die drei Richter sprachen Gabriele am Samstag des schweren Diebstahls schuldig. Er hatte gestanden, Dokumente aus dem Büro des Papstes entwendet zu haben. Aller Voraussicht nach wird Benedikt XVI

Rom. Nur eine Woche nach Beginn des Prozesses hat das Vatikantribunal den ehemaligen Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Die drei Richter sprachen Gabriele am Samstag des schweren Diebstahls schuldig. Er hatte gestanden, Dokumente aus dem Büro des Papstes entwendet zu haben. Aller Voraussicht nach wird Benedikt XVI. seinen ehemaligen Diener begnadigen, das kündigte Vatikansprecher Federico Lombardi an. Der Papst werde die Prozessakten studieren, sagte Lombardi nach der Urteilsverkündung. "Die Möglichkeit der Begnadigung ist sehr konkret und wahrscheinlich."

Staatsanwalt Nicola Picardi hatte drei Jahre Haft gefordert. Das Gericht reduzierte die Strafe des ehemaligen Kammerdieners. Gabriele sei nicht vorbestraft, habe seine Schuld eingesehen und sich früher um den Kirchenstaat verdient gemacht. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Giuseppe Dalla Torre, ob sich der Angeklagte schuldig erkläre, sagte Gabriele: "Ich spüre in mir vor allem die Überzeugung, ausschließlich aus bedingungsloser Liebe für die Kirche Christi und ihren sichtbaren Führer gehandelt zu haben." Der Prozess ging nach nur vier Verhandlungstagen und der Befragung von acht Zeugen zu Ende. Der Vatikan hatte auf ein schnelles Verfahren gedrungen, um Spekulationen und Berichterstattung um den Fall "Vatileaks" so gering wie möglich zu halten.

Gabriele hatte Dutzende geheime Dokumente vom Schreibtisch des Papstes an den Enthüllungsjournalisten Gianluigi Nuzzi weiter gegeben. Der veröffentlichte sie im Mai 2012 in dem Buch "Seine Heiligkeit". Gabriele wurde wenige Tage später überführt und kurz darauf verhaftet. Sollte ihn der Papst nicht begnadigen, müsste der 46 Jahre alte Familienvater seine Strafe in einem italienischen Gefängnis absitzen. Der Vatikan hat keine entsprechende Anstalt.

Mit dem Urteil ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Gabriele könnte in Berufung gehen, außerdem wurde der Ex-Kammerdiener nur wegen schweren Diebstahls angeklagt. Im Hinblick auf den Vorwurf des Geheimnisverrats und andere schwere Verbrechen wurde das Verfahren nicht abgeschlossen. Vatikankenner vermuten, der Kirchenstaat könnte sich so auch ein Druckmittel gegen den ehemaligen Kammerdiener vorbehalten. Offenbar soll vermieden werden, dass der Ex-Butler in Talkshows über das Innenleben der Kurie plaudert, Interviews gibt oder in anderer Form an die Öffentlichkeit geht.

Auch das Verfahren gegen Claudio S., einen Informatiker des Staatssekretariats, der wegen Beihilfe angeklagt ist, steht noch aus. Eine von Benedikt eingesetzte dreiköpfige Kommission von Kardinälen hat ihre Ermittlungen ebenfalls noch nicht abgeschlossen. Der Fall "Vatileaks" wirft weiter zahlreiche Fragen auf, die vor allem die Hintermänner Gabrieles sowie seine Persönlichkeit betreffen. Der ehemalige Majordomus hatte früher behauptet, vom "Heiligen Geist" in seinem Handeln angestiftet worden zu sein und die "Wahrheit" über Vorgänge in der Kurie ans Licht bringen zu wollen. In einem Gutachten wurde Gabriele als psychisch stabil, aber auch als sehr beeinflussbar beschrieben.

Gabriele nannte im Prozess sieben Personen, die keine Komplizen gewesen seien, aber Einfluss auf ihn gehabt hätten. Darunter erwähnte er die beiden Kardinäle Angelo Comastri und Paolo Sardi, einen italienischen Bischof sowie die ehemalige Haushälterin und Übersetzerin Benedikts, die Deutsche Ingrid Stampa.

Erstaunen rief bei den acht zugelassenen Prozessbeobachtern hervor, wie viel Material Gabriele gesammelt hatte. Die Beamten der Vatikan-Gendarmerie hatten 82 Umzugskartons mit Papieren aus Gabrieles Wohnung im Vatikan beschlagnahmt, darunter auch etwa tausend vertrauliche Dokumente. Gabriele hatte behauptet, nur in den Jahren 2010 und 2011 Papiere gesammelt zu haben. Hingegen finden sich auch Dokumente vom Beginn der Dienstzeit Gabrieles im päpstlichen Appartement von 2006.Foto: dpa