1. Nachrichten
  2. Politik

Vatikan geht gegen Journalisten vor

Vatikan geht gegen Journalisten vor

Sie haben Misswirtschaft im Vatikan aufgedeckt: Jetzt stehen zwei Journalisten und drei Ex-Vatikan-Mitarbeiter im Kirchenstaat vor Gericht. Wegen Weitergabe geheimer Daten drohen acht Jahre Haft.

In wenigen Tagen beginnt das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Gegen zwei italienische Journalisten und drei Vatikanangestellte will der Vatikan jetzt aber mit aller Härte vorgehen. Gestern hat der Prozess gegen die fünf Angeklagten begonnen. Überraschend präsentierten sich auch die beiden Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi vor dem Gericht des Kirchenstaates.

Erst Anfang November hatten Fittipaldi und Nuzzi Aufsehen erregende Bücher mit geheimen Dokumenten aus dem Vatikan veröffentlicht. Darin geht es um Geldverschwendung und Misswirtschaft . Angeblich, um diese Zustände zu beheben, hatte Franziskus bald nach seinem Amtsantritt 2013 eine bereits wieder aufgelöste Kommission eingerichtet, die die außer Kontrolle geratenen Finanzen des Staates überprüfen und Vorschläge für ihre Neuordnung machen sollte.

Drei Mitarbeiter dieser Kommission sind im "Vatileaks 2"-Prozess ebenfalls angeklagt. Es handelt sich um den Sekretär der Kommission, den spanischen Monsignore Lucio Angel Vallejo Balda, dessen Mitarbeiter Nicola Maio sowie die italienische PR-Agentin Francesca Chaouqui. Balda sitzt seit drei Wochen in Haft, die schwangere Chaouqui wurde nach ihrer Vernehmung wieder freigelassen. Die Vatikanjustiz wirft ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Veröffentlichung geheimer Dokumente des Heiligen Stuhls vor. Sie sollen den Autoren das veröffentlichte Material zugespielt haben. Den Angeklagten drohen bis zu acht Jahre Haft. Fittipaldi und Nuzzi beklagten gestern angebliche rechtsstaatliche Missstände im Vatikan. "Im Vatikan ist es offenbar ein Delikt, als Journalist zu arbeiten und Tatsachen zu berichten", sagte Nuzzi gestern. "Dieser Prozess richtet sich nicht gegen mich, sondern gegen die Pressefreiheit", sagte Fittipaldi. Im Vatikan gebe es kein Recht auf Informationsfreiheit, eine Verurteilung sei "höchstwahrscheinlich".

Der Papst hatte 2013 die Strafvorschriften wegen Geheimnisverrats verschärft. Auslöser war die "Vatileaks"-Affäre um den Kammerdiener Paolo Gabriele gewesen. Er hatte Dokumente aus dem Büro Benedikt XVI . an Nuzzi gegeben und war 2012 wegen schweren Diebstahls zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Zwei Monate später begnadigte ihn Benedikt XVI .