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USA werfen China Cyber-Spionage vor

USA werfen China Cyber-Spionage vor

Der jährliche Bericht des Pentagons über die Kapazitäten des chinesischen Militärs liest sich diesmal wie eine Anklageschrift. Auf rund 100 Seiten führen die US-Analysten aus, was die Volksrepublik unternimmt, um – wie es heißt – Industriegeheimnisse zu stehlen und Einblick in das Denken amerikanischer Entscheidungsträger zu gewinnen.

Die US-Regierung schätzt, 90 Prozent aller Cyberangriffe auf Ziele in den USA gingen heute von China aus. Peking könne sich so "ein Bild von den Verteidigungsnetzwerken, der Logistik und verwandten militärischen Ressourcen verschaffen, das sich in einer Krisensituation ausnutzen lässt".

Die chinesische Regierung reagierte verschnupft auf die offiziellen Vorwürfe aus Washington. Die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying, wies den Bericht als haltlos zurück: "China hat wiederholt klargestellt, das es gegen alle Formen von Hacker-Angriffen ist." Peking sei bereit, in einen besonnenen und konstruktiven Dialog über Internet-Sicherheit einzutreten.

Das Pentagon sieht die massiven Cyber-Aktivitäten im größeren Zusammenhang mit der Aufrüstung der chinesischen Streitkräfte, dem der jährliche Bericht eigentlich gewidmet ist. Demnach betrachte die Volksarmee die Kriegsführung im Netz als effektive Strategie gegen einen militärisch überlegenen Gegner. Insgesamt pumpt die Volksrepublik bis zu 215 Milliarden US-Dollar in ihren Verteidigungshaushalt.

Geflissentlich unter den Tisch fallen lässt der Report die eigenen Aktivitäten. Die USA geben jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar für die Cyber-Spionage und -Abwehr sowie seit einiger Zeit auch für Offensiv-Kapazitäten aus. Der Spionagedienst NSA informierte den Kongress kürzlich über den Aufbau von einem Dutzend Einheiten mit Netzkriegern, die gegnerische Infrastruktur via Internet angreifen können. Die Eskalation des Streits um die Cyber-Angriffe chinesischer Hacker hat zwei handfeste Gründe. Es gibt unübersehbare Beweise, die auf Spionage von Einheiten der Volksarmee im großen Stil hindeuten. Das gefährdet im Krisenfall die Sicherheit der USA und fügt amerikanischen Unternehmen Schäden in Milliardenhöhe zu. Gleichzeitig liefert Peking einen Vorwand, die eigenen Offensiv-Kapazitäten auszubauen.

Wozu die USA schon in der Lage sind, haben die Hacker bewiesen, die die iranischen Atom-Zentrifugen sabotiert haben. Das Risiko, selbst Zielscheibe von Cyber-Angriffen zu werden, scheint dagegen gering. So gesehen sind die Beschuldigungen gegen China nicht unbegründet, aber einseitig. Und dienen in erster Linie einem politischen Zweck.