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Untersuchung zu Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen

Problematisches Verhalten von Kindern und Eltern : Corona-Krise steigert die digitale Sucht

Eine Untersuchung von DAK und Gesundheitsforschern offenbart ein problematisches Verhalten von Kindern und ihren Eltern.

Digitale Medien sind heute nicht mehr wegzudenken. Ihr Konsum kann aber auch zum Problem werden. So hat etwa die Nutzung von Computerspielen durch Kinder und Jugendliche während des Corona-Lockdowns um 75 Prozent zugenommen. Das geht aus einer gemeinsamen Untersuchung der Krankenkasse DAK Gesundheit und Suchtforschern am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hervor. Sie beruht auf repräsentativen Befragungen von rund 1200 Familien mit Kindern im Alter zwischen zehn und 17 Jahren. Die wichtigsten Details der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie.

Wie groß ist die Spielsucht?

Bei zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen gilt das Spielen von Video- und Computerspielen als riskant. Das sind etwa 535 000 Betroffene. Mehr als 144 000 Kinder und Jugendliche (2,7 Prozent) haben darüber hinaus ein krankhaftes Computerspiel-Verhalten. Während des Lockdowns stieg die durchschnittliche Spieldauer werktags von 79 auf 139 Minuten. Solche Nutzungszeiten deuteten auf ein problematisches Verhalten hin, sagte Suchtforscher Rainer Thomasius.

Was ist mit Social-Media-Aktivitäten?

Während des Corona-Lockdowns sind die durchschnittlichen Nutzungszeiten von Facebook, Instagram & Co von 116 auf 193 Minuten pro Werktag gestiegen. 8,2 Prozent zeigten hier eine riskante Nutzung. Das sind fast 440 000 Kinder und Jugendliche. Summiert man die Zeiten für Spiele und soziale Medien, dann liegt die riskante Nutzungsdauer bei über sechs Stunden täglich.

Macht digitale Spielsucht krank?

Ja. Nach den neuen Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO für die Klassifizierung von Krankheiten geht das entsprechende Verhalten mit einem Kontrollverlust und einer Vernachlässigung anderer Aktivitäten einher. Ein Warnsignal kann die Reduzierung realer Sozialkontakte sein. Auch Aggressivität und depressives Verhalten gelten als Alarmzeichen.

Wie reagieren die Eltern?

Thomasius nannte es „erschreckend“, dass laut Studie rund die Hälfte der Eltern im Lockdown ihren Kindern keine Vorgaben zur Nutzungsdauer gemacht hätten. Dabei wüssten die meisten Eltern (rund 80 Prozent) über die genutzten digitalen Inhalte ihres Nachwuchses Bescheid.

Welche Schlüsse ziehen Experten?

DAK-Vorstandschef Andreas Storm sprach sich für ein „Frühwarnsystem gegen Mediensucht“ aus. Zusammen mit dem Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte will die DAK ab Oktober ein „Mediensucht-Screening“ als zusätzliche Vorsorgeuntersuchung für Zwölf- bis 17-Jährige anbieten. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, gab aber zu bedenken, dass Eltern im Homeoffice keine andere Möglichkeit gesehen hätten, als ihre Kinder mit Tablet oder Laptop zu beschäftigen.