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Unbequeme Fragen im Urlaub

Unbequeme Fragen im Urlaub

In Deutschland kommen täglich tausende Flüchtlinge an, in der Koalition tobt Streit – und der Innenminister fährt in Urlaub. Eine Boulevardzeitung wittert da einen Skandal. Aber keiner will sich darüber empören.

Thomas de Maizières Sprecher legte gestern Wert auf die Feststellung: "Ein Minister ist immer im Dienst. Auch wenn er körperlich vielleicht einmal nicht in Berlin präsent ist." Also auch dann, wenn er auf Mallorca kurzurlaubt, frühstückend im Hotel von der "Bild" erwischt wird und sich unbequeme Fragen stellen lassen muss. Das ist Innenminister de Maizière jetzt passiert. Der CDU-Mann urlaubt, während in Deutschland die Flüchtlingskrise tobt, für die er zuständig ist, und die große Koalition um eine gemeinsame Linie ringt. So jedenfalls der Vorwurf.

Erinnerungen werden wach an einen anderen Minister , an Rudolf Scharping . Ebenfalls auf Mallorca turtelte der damalige SPD-Verteidigungsminister 2001 mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati, ging sogar beherzt im Pool mit ihr baden und ließ sich dabei von der Zeitschrift "Bunte" ablichten. "Total verliebt auf Mallorca", lautete die Schlagzeile auf dem Titel. Ganz Deutschland echauffierte sich daraufhin, denn die Bundeswehr stand zu diesem Zeitpunkt vor ihrem schwierigen Einsatz in Mazedonien. Doch dieser Fall ist anders gelagert. Scharping hatte eine Absprache mit den Fotografen getroffen. Die Aktion wirkte geschmacklos und deplatziert.

De Maizière ist kein Lebemann, er brauchte wohl nur eine Auszeit. Es sei nötig gewesen, "dass er sich mal ein paar Tage ausruht", zitiert die "Bild" die Ehefrau. Sein Sprecher schob gestern nach: "Die Situation besonderer Arbeitsbelastung dauert ja schon länger an und wird auch noch nicht in Kürze vorüber sein." Außerdem sei der Urlaub schon länger geplant gewesen. "Der Minister war selbstverständlich auch während seiner körperlichen Abwesenheit täglich in die Informations- und Entscheidungsprozesse des Hauses eingebunden." Zur Kabinettsitzung am vergangenen Mittwoch reiste er extra zurück nach Deutschland. Danach gab der CDU-Mann noch überraschend eine Pressekonferenz, auf der er sehr tatkräftig und entschlossen auftrat. Schon damals wurde kolportiert, de Maizière sei ein paar Tage nicht in Berlin .

Empören wollte sich gestern niemand, "Skandal" rief auch keiner. Auch Politiker sind halt nur Menschen. Fakt ist, der Innenminister hat lange Zeit eine schwere Erkältung mit sich herumgeschleppt. Er fiel zwischenzeitlich sogar mal aus. Trotzdem kann in Krisenzeiten so ein Urlaub gefährlich werden. Vor allem dann, wenn man sowieso politisch angeschlagen ist - oder einem die Lage zu entgleiten droht. Bei de Maizière war das zumindest zu Beginn der Flüchtlingskrise der Fall. Inzwischen tritt er deutlich resoluter auf. Seine Anwesenheit bei den Krisengipfeln der Koalition am Sonntag war wohl nicht erforderlich, da Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU ) inzwischen der Koordinator für diesen Bereich ist. Vielleicht hat die Kanzlerin deshalb kein Problem damit, wenn ihr Innenminister mal kurz urlaubt - de Maizière ist für Angela Merkel womöglich verzichtbarer geworden.