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Türkei-Pakt bremst Flucht nach Europa

Türkei-Pakt bremst Flucht nach Europa

Der Deal der EU mit Ankara scheint zu wirken. Immer weniger Flüchtlinge machen sich auf den gefährlichen Weg von der Türkei nach Griechenland, wie neue Zahlen der EU zeigen.

Rund zwei Wochen nach Inkrafttreten des EU-Türkei-Plans zur Eindämmung der Flüchtlingsströme über die Ägäis meldet die Brüsseler EU-Kommission "gute Fortschritte", die sie gestern mit konkreten Zahlen belegte. Kamen noch im Oktober und November vergangenen Jahres pro Tag im Durchschnitt 6929 beziehungsweise 5146 Flüchtlinge aus der Türkei in Griechenland an, so waren es am Sonntag lediglich 66, am Montag 150 und gestern 176. "Das erste Ergebnis unserer Zusammenarbeit mit der Türkei ist die klare Botschaft, dass Menschen, die sich an Schleuser wenden, die falsche Entscheidung treffen", sagte Kommissions-Vize Frans Timmermans zu den Daten, die von der EU-Grenzschutzagentur Frontex gemeldet wurden.

Im Rahmen des Pakts wurden seit 4. April 325 Migranten von den hellenischen Inseln zurück in die Türkei gebracht. 103 syrische Flüchtlinge durften im Gegenzug aus der Türkei direkt in die EU fliegen. EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos sagte, Schmuggler hätten zunehmend Schwierigkeiten, Migranten zur Überfahrt von der Türkei nach Griechenland zu bewegen. Probleme bleiben: Noch immer fehlen in Griechenland genug Richter, Asylbeamte und Übersetzer, obwohl die Abschiebungen aufwendig sind: Um die 325 Migranten in die Türkei zu schicken, waren 318 Begleitbeamte und 25 Experten nötig. Auch sind zwölf EU-Regierungen mit ihrem Beitrag zu den drei Milliarden Euro im Verzug, die der Türkei im Flüchtlings-Pakt zugesagt wurden. Das heißeste Eisen bleibt die zugesagte visafreie Einreise von Türken in die EU zum Sommer. Viele EU-Staaten lehnen sie strikt ab.

Derweil steigt die Zahl der Flüchtlinge , die den Seeweg von Nordafrika nach Italien wählen. Augenzeugen bestätigten gestern die italienischen Berichte über eine Schiffskatastrophe mit 500 Toten am Samstag.