1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Topthemen

Zu Westerwelles Geburtstag noch einmal das große Orchester

Zu Westerwelles Geburtstag noch einmal das große Orchester

Berlin. Da schaut er seinem Lebenspartner für einen Moment tief in die Augen, legt den Arm um seine Schulter und zupft ihn dann leicht am Ohr. Für diesen Gefühlsausbruch hat Angela Merkel gesorgt. Sie steht oben auf dem Podium und hält eine ihrer unterhaltsamen, launigen Reden. Das kann sie. Die Kanzlerin erinnert an ihren eigenen 50

Berlin. Da schaut er seinem Lebenspartner für einen Moment tief in die Augen, legt den Arm um seine Schulter und zupft ihn dann leicht am Ohr. Für diesen Gefühlsausbruch hat Angela Merkel gesorgt. Sie steht oben auf dem Podium und hält eine ihrer unterhaltsamen, launigen Reden. Das kann sie. Die Kanzlerin erinnert an ihren eigenen 50. Geburtstag vor etwas mehr als sieben Jahren, an dem Guido Westerwelle zum ersten Mal öffentlich seinen heutigen Ehemann Michael Mronz mitgebracht hat. "Und das war schön", sagt die CDU-Vorsitzende. Der Außenminister ist gerührt - und wie.Dass so "selbstverständlich" mit "meiner Veranlagung" umgegangen werde, "das bedeutet mir unendlich viel und bewegt mich zutiefst", bedankt er sich später. Im "Tipi", dem Veranstaltungszelt neben dem Berliner Kanzleramt, versucht am Mittwochabend die Politik, sich von ihrer anderen Seite zu zeigen, von ihrer menschlichen. Mit Lobliedern auf den Jubilar, mit Rosenblüten auf den Tischen, Kerzenschein, weißen Tischdecken.

Der Neu-Berliner Thomas Gottschalk ist auch zu Westerwelles Nachfeier gekommen. Geburtstag hatte der Liberale am 27. Dezember. Vicky Leandros singt das Ständchen, Moderator Johannes B. Kerner führt durchs Programm. 40 Botschafter sind anwesend, die Spitzen der Bundestagsfraktionen, der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher und fast das komplette Bundeskabinett - die FDP hat 850 Gäste für Westerwelle mobilisiert. Die Party hat aber auch etwas von der letzten Sause auf der Titanic - eine Partei lässt noch mal das große Orchester aufspielen. Kurz vor dem möglichen Untergang.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat schweres Gepäck dabei. Dass er Westerwelle einen Bundeswehrrucksack samt Essenspaket für den Kampfeinsatz schenkt, passt zu dem, was Westerwelle im letzten Jahr erlebt hat - seine Demontage. Und was wiederum seit einigen Tagen in Berlin kolportiert wird - er wolle sich wieder zurückkämpfen aus der internen Bedeutungslosigkeit, das Absaufen der Liberalen verhindern. Der Chefdiplomat, so heißt es, habe still und leise und mit Erfolg an komplizierten außenpolitischen Themen gearbeitet und sich so neuen Respekt in den eigenen Reihen verschafft. "Ich weiß, dass du eigentlich noch derselbe bist", attestiert ihm sein Nachfolger im Parteivorsitz, Philipp Rösler. "Es ist kein neuer Guido Westerwelle entstanden." Eigentlich müsste Rösler bei seinen eigenen Worten angst und bange werden. Denn viele Liberale meinen zu wissen, dass Westerwelle darunter leidet, dass er jemandem weichen musste, der es nicht besser kann als er. "Ich habe fest vor, auch weiter für die liberale Sache zu wirken. Weil das mein 50. und nicht mein 80. Geburtstag ist", betont der Jubilar. Da spitzt Rösler die Ohren.

Foto: Loos/dapd

"Ich habe

fest vor, auch weiter für

die liberale Sache

zu wirken."

Guido Westerwelle