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Zu wenig Frauen: Start der EU-Kommission verpatzt

Zu wenig Frauen: Start der EU-Kommission verpatzt

Weil die EU-Staaten nur zwei Frauen für die 27 Kommissars-Posten nominiert haben, gilt der Start der EU-Kommission als verpatzt. Der neue Präsident Juncker will den geringen Frauenanteil „nicht akzeptieren“.

Die B ildung der neuen EU-Kommission wird sich wegen Frauenmangels aller Voraussicht nach verzögern. Davor warnte eine Sprecherin des künftigen Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker gestern in Brüssel . Bislang hätten die EU-Staaten nicht ausreichend Kandidatinnen für das Gremium nominiert, das eigentlich Anfang November seine Arbeit aufnehmen soll. "Herr Juncker hat mehrfach klar gemacht, dass eine Kommission mit nur zwei oder drei Frauen nicht rechtmäßig und nicht glaubwürdig sein wird, und dass er dies nicht akzeptieren wird", erklärte die Sprecherin. In der derzeitigen Kommission sind neun von 28 Posten von Frauen besetzt.

Bereits Anfang Juli hatte Juncker die Mitgliedsländer aufgerufen, mehr Frauen in die Brüsseler Chefetage zu entsenden. Auch das Europaparlament hatte parteiübergreifend stets betont, dass es einer Kommission ohne einen bedeutenden Anteil von Frauen nicht zustimmen wird.

Von allen EU-Ländern haben bisher nur Tschechien und Schweden Frauen für die 27 zu vergebenden Posten offiziell nominiert. Deutschland schickt Energiekommissar Günther Oettinger erneut ins Rennen. Dieser appellierte gestern an die Vernunft aller Beteiligten. "Ich baue darauf, dass wir auch in der neuen Kommission noch auf die Zahl von neun Frauen kommen werden", sagte er dem "Handelsblatt". Zugleich machte er aber deutlich, dass es keinen vertraglichen Automatismus beim Frauenanteil gebe.

In Teilen der deutschen Wirtschaft wird es dagegen bald eine Frauenquote geben. Justizminister Heiko Maas (SPD ) verteidigte diese gestern erneut. "Ich gehe jede Wette ein, dass in den Aufsichtsräten der börsennotierten Kapitalgesellschaften kein einziger Stuhl frei bleiben wird", sagte er. "Eine so gut ausgebildete Generation von Frauen wie heute gab es noch nie." Die Regierung plant ab 2016 eine feste Frauenquote von 30 Prozent für Kontrollgremien börsennotierter Unternehmen. Wird sie nicht erreicht, sollen Plätze leerbleiben.