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Wulff entfacht neue Debatte um den Islam

Wulff entfacht neue Debatte um den Islam

Bundespräsident Christian Wulff hat mit seiner Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland wie Christen- und Judentum, eine heftige Debatte ausgelöst. Kritik kommt aus der Union und den Kirchen.

Berlin/Saarbrücken. Bundespräsident Christian Wulff (Foto: dpa) erntet mit seinen Äußerungen zur Bedeutung des Islam in Deutschland Zustimmung und Widerspruch. Wulffs Rede beim Festakt zum Tag der deutschen Einheit am Sonntag in Bremen sei ein Zeichen gewesen, dass die Muslime keine Bürger zweiter Klasse sind, sagte gestern Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. CSU-Politiker sowie konservative Christen kritisierten dagegen Wulffs Feststellung, dass der Islam ebenso wie Judentum und Christentum zu Deutschland gehöre.

Der katholische Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sagte, die Muslime müssten "die gewachsene Mehrheitskultur in unserem Land respektieren". Ähnlich argumentierte auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis. Dass vier Millionen Muslime hier leben, sei zwar eine Realität. Aber: "Wir wollen, dass das christliche Abendland christlich weiterbesteht", sagte Geis im Deutschlandfunk. Die evangelikale "Konferenz Bekennender Gemeinschaften" erklärte, Wulffs Satz, "Der Islam gehört zu Deutschland", müsse widersprochen werden. Nicht der Islam gehöre zu Deutschland, sondern die hier lebenden Muslime, wenn sie die Verfassung bejahten und sich integrieren wollten.
Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) sagte der "Leipziger Volkszeitung", bei den Bürgern dürfe durch derartiges Denken aus Religionsfreiheit nicht Religionsgleichheit werden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte die bedingungslose Anerkennung des Grundgesetzes durch die in Deutschland lebenden Muslime.

Der Saarbrücker Islamwissenschaftler Gerd-Rüdiger Puin warf dem Bundespräsidenten in der Saarbrücker Zeitung "Wunschdenken" vor. "Man glaubt, dass der Islam eine Religion ist. Doch er ist mehr." Der Islam wehre sich gegen die Trennung von Staat und Religion. Vertreter islamischer Organisationen forderten nur so lange nicht die Einhaltung des "Gottesrechts", bis Deutschland muslimisch sei, sagte Puin. Die Saar-Parteien lobten Wulffs Rede. kna/epd/tho