Wirtschaft hofft auf Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte

Für wen gilt die neue Freiheit?Für die Bürger aus den mittelosteuropäischen Staaten (MOE-Staaten) Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Lettland, Litauen, und Estland. Malta und Zypern, die ebenfalls 2004 zur EU kamen, waren von den bisherigen Einschränkungen ausgenommen

Für wen gilt die neue Freiheit?Für die Bürger aus den mittelosteuropäischen Staaten (MOE-Staaten) Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Lettland, Litauen, und Estland. Malta und Zypern, die ebenfalls 2004 zur EU kamen, waren von den bisherigen Einschränkungen ausgenommen.

Wie viele Zuwanderer werden erwartet?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg rechnet - wie auch EU-Arbeits- und Sozialkommissar László Andor - mit etwa 100 000 Arbeitnehmern aus den MOE-Staaten, die jährlich nach Deutschland kommen. Für Horrorzahlen von mehreren Millionen Immigranten in diesem Jahrzehnt gibt es nach Einschätzung der Experten keine stichhaltigen Anhaltspunkte.

Wie ist die Situation aktuell?

Schon bisher waren Arbeitskräfte aus MOE-Staaten in Deutschland im Einsatz: Die meisten Saison-Arbeitserlaubnisse für Spargelstecher oder Erdbeerpflücker - rund 185 000 von insgesamt knapp 300 000 - gingen 2009 laut Bundesagentur für Arbeit an polnische Staatsbürger. Das Migrationspotenzial in seinem Heimatland hält der polnische Botschafter in Deutschland, Marek Prawda, daher für "weitgehend ausgeschöpft".

Welche Zuwanderer sind zu erwarten?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) rechnet damit, dass vermehrt "der fleißige Mittelbau" in Gestalt von Facharbeitern kommt. Und dass durch die Legalisierung die Schwarzarbeit zurückgeht. Bei den polnischen Arbeitgebern dagegen heißt es, für Qualifizierte sei Deutschland nicht mehr attraktiv genug. Anderswo - etwa in Schweden - seien Arbeitsbedingungen und Einkommen für Ärzte, Pfleger, Ingenieure oder Handwerker besser.

Ist die Zuwanderung Chance oder Risiko für Deutschland?

Bei Bundesregierung und Arbeitgebern überwiegen die positiven Erwartungen. Sie erhoffen sich, dass Deutschland von der Zuwanderung profitiert, sich damit der Fachkräftemangel zumindest teilweise beheben lässt. Experten wie der Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Migration und Integration, Klaus Bade, gehen für 2015 bereits von drei Millionen fehlenden Fachkräften aus. Qualifizierte Zuwanderung gilt deshalb als wünschenswert.

Droht tatsächlich Lohndrückerei?

Zwar gibt es inzwischen Mindestlöhne für zahlreiche Branchen, darunter auch die Zeitarbeit. Nach diesen Mindestlöhnen müssen auch die neuen Zuwanderer bezahlt werden. Doch damit sieht etwa der DGB nur das Schlimmste verhindert. Solange Leiharbeiter weniger verdienen als Stammbeschäftigte, sei der Anreiz für Firmen groß, die Kosten durch Abschmelzen der Stammbelegschaft zu minimieren. Deshalb fordern die Gewerkschaften für Leiharbeiter "gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit am gleichen Ort".

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