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"Wir wollen Ruhe vor dem Terror"

"Wir wollen Ruhe vor dem Terror"

Gaza/Tel Aviv. Die Zahl der zivilen Todesopfer steigt, die humanitäre Krise weitet sich aus, und der internationale Druck wächst: Israel sucht am zwölften Tag seiner Militäroperation im Gazastreifen nach der besten Rückzugsoption. Erst einmal hat die Regierung der internationalen Kritik etwas die Spitze gebrochen

Gaza/Tel Aviv. Die Zahl der zivilen Todesopfer steigt, die humanitäre Krise weitet sich aus, und der internationale Druck wächst: Israel sucht am zwölften Tag seiner Militäroperation im Gazastreifen nach der besten Rückzugsoption. Erst einmal hat die Regierung der internationalen Kritik etwas die Spitze gebrochen. Alle zwei Tage sollen für drei Stunden die Waffen schweigen und Hilfsgüter unter den 1,5 Millionen notleidenden Palästinensern verteilt werden. Außerdem führt Israel einen Dialog mit Ägypten und Frankreich über Bedingungen für eine echte Waffenruhe. Drei Probleme würden Israel dazu bringen, letztendlich schneller als gewollt in eine Waffenruhe einzuwilligen, schrieben Kommentatoren vor Beginn der Offensive am 27. Dezember: ein einzelner Zwischenfall mit einer hohen Zahl von Todesopfern, eine große Zahl getöteter palästinensischer Zivilisten sowie ein Bröckeln der Unterstützung im eigenen Land wegen vieler gefallener Soldaten.

Zwei der drei Szenarien sind inzwischen eingetreten: Beim Angriff auf eine UN-Schule starben am Dienstag 42 Menschen. Von den mindestens 680 Todesopfern unter den Palästinensern sind nach UN-Angaben rund die Hälfte Frauen sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Dennoch kann die israelische Regierung einfacher mit dem internationalen Druck umgehen, weil die Unterstützung im eigenen Land anhaltend groß ist. Anders als im Libanon-Krieg vom Sommer 2006 gibt es keine Panik unter jenen 900 000 Israelis, die jetzt von Raketen militanter Palästinenser getroffen werden können. Anders als im Libanon-Krieg hat die Zahl der getöteten israelischen Soldaten zu keinem Aufschrei geführt. Sechs Soldaten kamen nach Armee-Angaben bislang ums Leben, vier davon durch das Feuer der eigenen Truppen.

Die bislang geringe Zahl der Todesopfer auf israelischer Seite hat vor allem einen Grund: Panzer und Soldaten haben zwar die Stadt Gaza umstellt und vor anderen Städten Stellung bezogen, aber sie sind noch nicht in die dicht besiedelten Flüchtlingslager und Vororte eingedrungen. Dem Straßen- und Häuserkampf in dem Labyrinth von engen Gassen und dicht beieinander stehenden Häusern ist die Armee ausgewichen. Dort hat die Hamas mit einem Heer von Selbstmordattentätern gedroht.

Israel hat aus Sicht von Militärkommentatoren schon jetzt ein Ziel erreicht: Die Abschreckung ist wiederhergestellt. Dies sei vor allem mit Blick auf den Iran, die Hisbollah oder Syrien vorrangige Aufgabe, hieß es vor Beginn der Operation. Hamas habe nie für möglich gehalten, dass Israel Ziele wie Moscheen, Wohnhäuser und UN-Einrichtungen angreifen würde, in denen Hamas normale Bürger als menschliche Schutzschilde genommen habe, schreibt der anerkannte Kommentator Alex Fishman in der "Jediot Achronot". Israel hat zuletzt zunehmend genervt auf Ratschläge und Kritik aus Europa reagiert. "Wir wollen keine Waffenruhe, sondern Ruhe vor dem Terror", beschied Präsident Schimon Peres gestern. "Keine Nation hat jemals eine solche Konfrontation erlebt."

Kein israelischer Politiker hat bislang den Begriff "humanitäre Krise" im Zusammenhang mit dem Gazastreifen verwendet. Für die Vereinten Nationen trifft dieser Begriff in vollem Umfang zu: Energiekrise, Lebensmittelkrise, Sicherheitskrise sowie Helfer, die wegen der Kämpfe nicht mehr richtig helfen können. Dennoch hat sich die Regierung unter dem internationalen Druck bewegt und einen "humanitären Korridor" eingerichtet, damit Hilfsgüter verteilt werden können. Acht von zehn Einwohnern hängen von Hilfsleistungen ab. "Keine Nation hat jemals eine solche Konfrontation erlebt."

Israels Präsident Schimon Peres

 Besonders die Kinder im Gaza-Streifen leiden unter der israelischen Offensive. Von den bislang mindestens 680 Todesopfern unter den Palästinensern sind nach UN-Angaben rund die Hälfte Frauen sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Foto: dpa
Besonders die Kinder im Gaza-Streifen leiden unter der israelischen Offensive. Von den bislang mindestens 680 Todesopfern unter den Palästinensern sind nach UN-Angaben rund die Hälfte Frauen sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Foto: dpa