"Wir brauchen klare Kontrollen und scharfe Sanktionen"

Kann der Eier-Skandal das Vertrauen in Bio-Produkte generell beeinträchtigen?Künast: Ich hoffe nicht, denn die übergroße Mehrzahl der Bio-Höfe arbeitet seit Jahrzehnten sehr sauber und verlässlich. Und hier sind jetzt Bio- und konventionelle Betriebe gleich betroffen. Aber bei schwarzen Schafen muss dementsprechend auch gründlich kontrolliert werden

Kann der Eier-Skandal das Vertrauen in Bio-Produkte generell beeinträchtigen?

Künast: Ich hoffe nicht, denn die übergroße Mehrzahl der Bio-Höfe arbeitet seit Jahrzehnten sehr sauber und verlässlich. Und hier sind jetzt Bio- und konventionelle Betriebe gleich betroffen. Aber bei schwarzen Schafen muss dementsprechend auch gründlich kontrolliert werden. Wir haben seit zehn Jahren eine transparente Kennzeichnung von Eiern, wo man alles genau ablesen kann. Darauf muss man sich auch weiter verlassen können. Die betrügerische Profitgier einzelner muss uns noch wacher machen.

Die Kontrolleure haben den Betrug nicht entdeckt. Vielleicht haben sie aber auch nichts gefunden, weil sie nichts finden wollten. Wäre nicht eine unabhängige Kontrollinstanz sinnvoll, etwa eine Bundesbehörde?

Künast: Laut Grundgesetz sind die Länder zuständig, das kann man nur schwer ändern. In einem ersten Schritt muss jetzt eine Rotation in den Landkreisen eingeführt werden. Dass also nicht immer die gleichen Kontrolleure den gleichen Betrieb überwachen. Gegen kriminelle Trickserei brauchen wir aber auch eine präzisere Kontrolle, damit die Kontrolleure finden, was die Staatsanwälte jetzt entdecken konnten.

Täuscht der Eindruck, dass es in der Agrarbranche eine Menge Leute gibt, die alle Lücken ausnutzen, und dass die Kontrolleure immer hinterherhinken?

Künast: Die Agrarindustrie hat sich viel zu stark durchgesetzt. Ich erinnere nur an unseren Versuch, die Käfighaltung zu verbieten. Da haben sie hier in Berlin Demos vor dem Bundesrat finanziert und erreicht, dass die Käfige nur ein Stück weniger brutal sind, aber nicht abgeschafft werden. Dieser Lobbyismus, bei dem der Deutsche Bauernverband auch immer gerne mitmacht, muss endlich aufhören.

Vorwürfe an die Lobby, aber nicht an die Regierung?

Künast: Wo findet denn diese Lobby offene Ohren? Agrarministerin Aigner will in Brüssel keine Reformen und hat gerade ein Tierschutzgesetz vorgelegt, das das Papier nicht wert ist, auf dem es gedruckt wurde. Ich fühle mich durch den neuerlichen systematischen Betrug in meiner Position bestätigt: Wir brauchen klare Haltungsbedingungen und zwar für alle Tierarten, klare Kontrollen und scharfe Sanktionen. Hier kann man nur noch sagen: Wir haben es satt!

Lesen Sie das gesamte Interview unter www.saarbruecker-zeitung.de/berliner-buero

Foto: dpa

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